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Kabarett:Hildebrandt-Preis für Barwasser

Wenn es der Kulturausschuss des Stadtrats wie erwartet beschließt, bekommt erstmals ein Franke den seit 2016 jährlich vergebenen Dieter-Hildebrandt-Preis der Landeshauptstadt. Ein Franke? Nein, der Franke des deutschen Kabaretts: Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig. Kaum einer ist mehr mit seiner Rolle verschmolzen als der 60-jährige gelernte Journalist. Mit "Hütli", "Täschli", kurzer Hose, (klein)kariertem Hemd und starkem Dialekt, früher assistiert vom brachialen Hartmut und dem verhuschten Dr. Göbel, hat der Barwassersche Pelzig seit 1993 die Wogen von Alltag, Politik und Gesellschaft durchschwommen, ohne dabei je in Comedy-Untiefen abzusinken. Auf den Kleinkunstbühnen, in wöchentlichen Hörfunksendungen, in den Talkshows "Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich" und "Pelzig hält sich" wie als Georg-Schramm-Nachfolger in "Neues aus der Anstalt" trat er auf als "einer der Gescheiten, der viel weiß und durchschaut, uns aber nicht belehrt, sondern beim Entwirren mitnimmt", wie es in der Begründung der elfköpfigen Jury heißt. Nach Claus von Wagner, Josef Hader, Andreas Rebers und Christine Prayon gehen der Preis und die 10 000 Euro Preisgeld damit wohl wieder an einen Aufklärer im Geiste Dieter Hildebrandts, der sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch privat gegen Rassismus oder Folter und für Flüchtlinge engagiert.

© SZ vom 05.03.2020 / oho

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