Montag: Auf Tscharlies Spuren

Am Montag treffe ich einen alten Bekannten am St.-Anna-Platz im Münchner Lehel auf einen Ratsch. An diesem Platz kommt man „nicht einfach so“ vorbei. Der ist schon irgendwie was Besonderes. Unvergessen, wie in der Kultserie „Münchner Geschichten“ die drei Cowboys Zorro, Gringo und Zapata beim „Padre“ im Kloster „Santa Anna“ an der Armenspeisung teilgenommen haben. Vielleicht kein schlechter Ort, um sich an Günther Maria Halmer zu erinnern. Gleich nebenan gibt’s im Café „La Stanza“ echten italienischen Kaffee und man spürt an diesem Platz schon ein „besonderes München“. Als Landmensch will ich hier nicht auffallen. Vielleicht doch nicht das gelbe Sakko …
Dienstag: Proben mit der Kapelle

Am Vormittag ist Probe bei meinen Freunden der Kapelle So&So, wir haben in Kürze Premiere mit unserem ersten gemeinsamen Stück. Die wohnen schon richtig weit weg, die Jungs, aber auf dem Rückweg biege ich am Inntal-Dreieck ab und fahre nach Flintsbach. Dort am Fuße der Burg Falkenstein geht’s rauf zur „Hohen Asten.“ Ein traumhafter Berg, schnell zu erreichen und immer nette Menschen da oben. Sehr entspanntes Berggehen, zumindest für die, die öfter nach oben wandern. Die anderen erkennt man an der Gesichtsfarbe. Bonus: Mountainbiker sind hier nicht erlaubt! Ich bin sogar schon mal mit dem Zug von meiner Heimatgemeinde Feldkirchen-Westerham nach Flintsbach gefahren. Der CO₂-Fußabdruck und so. War dann letztendlich eine Nachtwanderung.
Mittwoch: Europas schönstes Dorf
Falls der kurze Bergausflug in die Verlängerung geht, bleibe ich im Inntal, und zwar in Nußdorf am Inn. Dieser Ort hat tatsächlich 2004 die Auszeichnung „Schönstes Dorf Europas“ bekommen. Na dann! Beim Schneiderwirt kann ich sicher übernachten. Dort ist am Mittwoch immer Grillabend mit Musik. In dieser Region spielen sie alle ein Instrument. Es heißt, im Nachbarort kommen die Kinder mit Instrument auf die Welt. Na ja. Auf jeden Fall sind diese Abende im Biergarten vom Schneiderwirt immer eine Reise wert. Angeblich war der Räuber Kneißl auch schon hier, als er nach seiner Haftentlassung Arbeit gesucht hat. Aber wo war der nicht?
Donnerstag: Kabarett oder Theater

Am Donnerstag geht’s ab nach München. Auftritt im Lustspielhaus. Lustspielhaus ist immer aufregend. Schon allein wegen der Treppe von der Garderobe auf die Bühne. Die Treppe ist steiler als eine Leiter! Wie die Künstler da immer raufkommen – rätselhaft. Als einzige Ausrede, warum man nicht bei mir im Programm war, lasse ich einen Theaterabend im Residenztheater gelten. „Romeo und Julia“ läuft auch am Donnerstag. Wir haben dieses Stück neulich gesehen, ich war sprachlos, so gut war das! Sehr aufwendig inszeniert, mit Live-Projektion und riesigem Metallgestell für variable Szenen. Top Theater! Spannend war es schon zehn Minuten vor Beginn, als der Intendant vor den Vorhang kam – etwas „kaasig“ wie wir sagen – und von Technik-Problemen bei einem Motor gesprochen hat. Man könne jetzt gehen und sein Geld wieder zurückverlangen oder aber auch hier bleiben. Alle sind dageblieben – und es hat sich gelohnt!
Freitag: Alte Heimat Haidhausen

Ich möchte mal wieder in unser altes Viertel, wir haben früher in Haidhausen in der Preysingstraße gewohnt. Damals gabs da noch das „Café Schädel“, ein düsterer Schuppen mit einem riesigen Totenkopf auf der Fensterscheibe. Da wäre ich allein nie reingegangen. Ich musste immer an den Uralt-Scherz von einem Kumpel denken. Kommt ein Skelett in die Bar, „I hätt’ gern an Whisky und an Putzlumpen“. Oje. Zum Glück ist an diesem Platz jetzt das sympathische „Café Helma“, das passt sicher besser zu diesem schönen Viertel. Wer die Preysingstraße raufgeht, kommt an den wunderbaren Herbergsanwesen vorbei. Kleine, schmucke Arbeiterhäuser, die mehr an ein Dorf als an eine Stadt erinnern. Man hat manchmal das Gefühl, die kleinen Häuschen gehören zu einem historischen Dorf, das man in einem Freizeitpark aufgebaut hat. Wenn man klopft, kommt aber kein altes Mütterchen heraus, sondern ein genervter Eigenheimbesitzer: „Schleich di, du Blödmann!“. Ich klopfe nicht mehr.
Samstag: Sehr privates München

Am Samstagvormittag geht’s wieder Richtung Berge. Wir drehen ein paar Werbeclips in Litzldorf bei Bad Feilnbach. Wenn wir rechtzeitig fertig werden, gehe ich noch zum historischen „Kalkbrennofen“, ein atemberaubendes Industriedenkmal mitten im Wald. Ein riesiger alter Brennofen mit zwei Türmen erzählt von den Anfängen der Industrialisierung in Bayern. Man findet den Brennofen auch unter „Zementwerk Litzldorf.“ Einen ähnlichen Kamin habe ich neulich in der Münchner Au gesehen. So wie in Haidhausen gibt es hier auch noch die kleinen Arbeiterhäuser, wunderbare Hinterhöfe, enge Gassen und ein sehr privates München. Der Auer Mühlbach verwandelt gerade an der Mondstraße mehrere Stellen in ein Klein-Venedig. Wobei, das mit dem Klein-Venedig behauptet jeder, der irgendwie einen Bach vor dem Haus hat. Wer dort in der Au ein gutes Gasthaus sucht, der muss beim „Wirtshaus in der Au“ vorbeischauen. Wirklich ein sehr gutes Münchner Wirtshaus!
Sonntag: Ruhe am Wasser
Nach einer sehr bewegten Woche suche ich am Sonntag etwas Ruhe am Wasser. Vorzugsweise da, wo man das Wasser auch hört. Von ganz leise bis wild und laut. Genau das finde ich an der Isar, an den Maximilians-Anlagen, einem Ausläufer des Englischen Gartens. Meine Lieblingsstelle ist die Wasserstufe gleich neben dem Maximilianeum. Dort rauscht der Fluss bei hohem Wasserstand mit voller Wucht die Stufen hinunter. Tatsächlich beruhigt mich dieser rauschende Fluss so sehr, dass ich dort schon mal einschlafe um dann verwirrt, mit dem Kopf auf der Schulter des fremden Nachbarn, aufzuwachen. Mehr als ein „Tschuldigung, passt scho, oder?“ fällt mir dann nicht ein. Am Dialekt wird der Herr merken, dass ich nicht von hier bin. Bevor es wieder nach Hause geht, versuche ich noch einen Blick in die Münchner Kammerspiele zu werfen. Nicht für ein Theaterstück – ich bin ein großer Fan der Jugendstil-Architektur in diesem Theater. Ich bin schon im Foyer in einer Traumwelt, da muss das Stück noch gar nicht beginnen. Es gibt dort auch Führungen inklusive einem Blick hinter die Kulissen. Da muss ich hin. Das Leben ist schön!

Stefan Kröll stammt aus dem kleinen Ort Wertach in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham. Sein beruflicher Weg als Schreiner führte ihn zunächst über Garmisch-Partenkirchen, Brixen in Südtirol und München schließlich wieder zurück in seine Heimat. Dort konzentrierte er sich ab 2011 auf seine zweite Leidenschaft, das Kabarett. Mit vielen Live-Auftritten in Bayern, unter anderem als Gast bei Martina Schwarzmann oder im BR-Schlachthof, erspielte er sich im Laufe der Jahre eine beachtliche Fangemeinde. Seinen Schreinerberuf hat er dennoch nicht aufgegeben. Er arbeitet nach wie vor für einen Südtiroler Innenausbauer. Er nennt das sein „Standbein“, wodurch das Kabarett dann zum „Spielbein“ wird. Im Lustspielhaus zeigt er am 4. Juni sein aktuelles Soloprogramm „Schee wuid“. Zusammen mit der „Kapelle So&So“ hat dann am 11. Juni sein nächstes Projekt Premiere in Feldkirchen-Westerham: „Helden und Legenden“, Musik-Kabarett über bayerische Volkshelden vom Räuber Kneißl bis zum Jennerwein.

