Komik lässt sich aus (fast) allem schlagen. Das beweisen die Kabarett-Highlights in den kommenden Wochen. Die sozusagen kulinarische Vielfalt des Humors steckt manchmal schon im Namen. Steckerlfisch & Schlagsahne heißt zum Beispiel das seit 1998 bestehende Comedy-Duo von Angie Aschbacher und Christian Haller, die man im vergangenen Dezember auch in einer Folge der „Neuen Geschichten vom Pumuckl“ sehen konnte. Appetitanregend ist auch ihr neues Programm betitelt. „Leckerbissen und Schinkenklopfer“ präsentiert das Beste aus früheren Programmen und brandneue Sketche (Schlachthof, 13. März).
Musikalisch wird es tags darauf bei Chris Boettcher. Der ehemalige BR-Comedy-Chefkomponist und Antenne Bayern-„Frühaufsänger“ ist schließlich für musikalische Parodien berühmt und betreibt nebenbei auch noch ein ambitioniertes Bigband-Projekt. Im neuen Programm „Baby Boomer“ beschäftigt er sich freilich auch wortgewandt mit seiner Generation, die so rosig inmitten von Prilblume, Quelle-Katalog und ZDF-Hitparade aufwuchs, heute im angehenden Rentenalter aber verunsichert und unzufrieden ist. Und vor allem „an allem schuld“, so Boettcher (Lustspielhaus, 14. April).
Viele Jahre zur ersten Riege der politischen Kabarettisten gehörte Thomas Freitag. Zuletzt hatte man lange nichts mehr von ihm gehört. Jetzt meldet sich der Veteran, der schon 1977 Ensemble-Mitglied des Düsseldorfer Renitenztheaters wurde (und dies neun Jahre lang blieb) und großen Erfolg mit seiner ARD-Sendung „Freitags Abend“ hatte, mit seinem 20. Solo-Programm zurück - und auch gleich wieder ab: „Rückzug über die Minen der Ebene“ ist als Schlusspunkt angekündigt. Der begnadete Parodist lässt alte und neue Politikgrößen auferstehen und an ihnen seine Wut darüber aus, dass die einstigen Zukunftsträume des Nachkriegskindes Thomas sich mittlerweile in Albträume verwandelt haben (Lach- und Schießgesellschaft, 15. März).
Politisch und böse bleibt es bei der Titanic Boygroup. Wenn auch literarisch-satirischer, vielleicht auch polemischer. Mit Martin Sonneborn, Thomas Gsella und Oliver Maria Schmitt sind bei „300,3 Jahre Satire Supreme für Deutschland“ immerhin drei ehemalige Chefredakteure des Frankfurter Satiremagazins am Start. Corona, Klimakrise und Olaf Scholz haben sie gefühlt „nur knapp überlebt“, jetzt sind sie bereit für „den großen satirischen Wiederbelebungsversuch am offenen Publikum“ (Lustspielhaus, 16. März).
Von der Schauspielerei zum Kabarett ist Stefan Leonhardsberger gekommen. Schon lange ist er mit musikalischen Duetten etwa mit Stephan Zinner, mit seinem satirischen Liederabend „Da Billi Jean is ned mei Bua“ oder dem Kabarettthriller „Rauhnacht“ eine besondere Erscheinung der Szene. Deshalb kann man es kaum glauben, dass sein neues Programm „Ja!“ sein erstes Comedy-Solo ist. Mit gewohnt vollem Körpereinsatz erzählt er da vom Alltagswahnsinn als Familienvater, Verlobter und Lastenfahrrad-Gangster (Lustspielhaus, 18. März).
Womit wir endgültig beim Stand-up wären. Nach einer Karriere als Grafiker, Musikproduzent und Schauspieler tourt Ill-Young Kim aktuell mit seinem ersten Soloprogramm „Kim kommt“ durch die Republik. Der waschechte Kölner hat, wie der Name unschwer verrät, koreanische Wurzeln. Aus den beidseitigen Vorurteilen, Klischees und Verwechselungen speist sich denn auch seine Ethno-Comedy, die das Genre um eine neue (Welt-)Region ergänzt. Und zwar sehr lustig und durchaus mit Tiefgang (Schlachthof, 18. März).
Auch die hinreichend aus Film und Fernsehen bekannte Mirja Boes – als wohl bislang einzige, die sowohl „LOL: Last One Laughing“ wie „The Masked Singer“ gewann – ist wieder auf der Bühne. Man wird ihr nicht Unrecht tun, wenn man sie eine begnadete Ulknudel nennt. Schließlich nennt sie ihr neues Programm selbst „Arschbombe Olé!“ (Schlachthof, 20. März).
Ein echter Comedy-Veteran ist Stephan Bauer. Schon in seinem ersten Kabarett-Programm 1992 hat er weniger die Politik als vielmehr Phänomene wie Jugend- oder Fitnesswahn aufs Korn genommen. Inzwischen ist er geradezu ein Spezialist für die pointiert witzige Betrachtung menschlicher Beziehungen, wie auch der Titel des neuen Programms unterstreicht: „Am Ende der Nerven und noch so viel Ehe übrig“ (Schlachthof, 26. März).

