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Kabarett:Charmant verpackte Bosheiten

Die Quereinsteigerinnen Eva Karl-Faltermeier, Claudia Pichler und das musikalische Duo "Suchtpotenzial" demonstrieren die neue Frauenpower in der Kleinkunstszene.

Von Oliver Hochkeppel

Die Wege zum Kabarett sind zwar nicht unergründlich, aber mitunter von Umwegen begleitet. Als Journalistin und Pressesprecherin fand Eva Karl-Faltermeier genug Material für ihr erstes Bühnenprogramm.

(Foto: Linda Kohl)

Zu wenige Frauen gäbe es in der Kleinkunstszene, wird gerne behauptet. Vielleicht aber wird nur nicht gründlich hingeschaut. In dieser Veranstaltungswoche sind die verfügbaren Kabarett-Spielorte sogar von Frauen dominiert. Der "Flying Circus" im Innenhof des Deutschen Museums etwa. Zunächst kann man dort zwei Tage lang sein Suchtpotenzial austesten. Hinter dem "Bandnamen" verbirgt sich das musikalische Duo der Berliner Sängerin und Musical-Darstellerin Julia Gámez Martin und der schwäbischen Pianistin und Liedermacherin Ariane Müller, die sich 2011 am Ulmer Theater kennenlernten und seitdem ihre Talente bündeln: Mit Martin als Haupttexterin und "Rampensau" und Müller als Komponistin, Arrangeurin und Begleiterin drehen sie auch im mittlerweile dritten Programm "Sexuelle Belustigung" frech, rabenschwarz und auch mal albern Geschlechterklischees wie musikalische, gesellschaftliche oder politische Vorurteile durch den Wolf. Was seinen Tiefgang wohl auch dadurch gewinnt, dass die begnadete Musikerin Müller das gar nicht studiert hat, sondern Kultur- und Sozialwissenschaften.

Schon auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zuhause waren Ariane Müller und Julia Gámez Martin (oben, von links). Doch erst als Duo Suchtpotenzial wechselten sie vom Konzertsaal, Theater und Musical herüber ins Satirefach.

(Foto: Torsten Golz)

Ganz ähnlich liegt der Fall bei der aus dem Regensburger Raum stammende Eva Karl Faltermeier. Jungkabarettistin wird sie gern genannt, doch die 36-jährige hat als gestandene Journalistin die passende Vorbildung, um in ihrem Debüt "Es geht dahi" mit emanzipatorischem Grant die angebliche Liberalitas Bavariae am Beispiel der Südoberpfalz von den Achtzigern bis heute nachzuverfolgen. Eine Quereinsteigerin ist auch die ein Jahr jüngere Claudia Pichler, obwohl sie Poltologin ist. Schrieb sie doch ihre Doktorarbeit in Germanistik (mit Psychologie und Politik als Nebenfächer) über Gerhard Polt. Arbeitete außerdem als Programmleiterin im Fraunhofer, als Agentin und Bloggerin, bis sie entdeckte, wie gerne sie auf der Bühne steht. Da erzählt sie nun in ihrem ersten Programm "Ned blöd... für a Frau!" aufs Charmanteste verpackte, gerne autobiografisch unterfütterte Bösartigkeiten, vorwiegend auf Bairisch und mal auch zu Gitarre oder Akkordeon. Einblicke in die bayerische Seele, wie man sie so selten gehört hat, und die jetzt in der Ebenböckvilla zu erleben sind, in der als "Gemischtes Doppel" besetzten Kabarettreihe der Pasinger Fabrik. Den männlichen Part übernimmt dabei der von TBC ("Totales Bamberger Kabarett") bekannte fränkische Tausendsassa Georg Koeniger.

Suchtpotenzial, Donnerstag/Freitag, 13./14. August; Eva Karl-Faltermeier, Samstag, 15. August, 20 Uhr, Innenhof Deutsches Museum, Tickets unter Telefon 089/21 83 73 00; Claudia Pichler & Georg Koeniger, Mittwoch, 19. August, 19.30 Uhr, Ebenböckhaus Pasing, Tickets unter Telefon 089/82 92 90 79

© SZ vom 13.08.2020
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