Dinosaurier-Erlebnisschau in MünchenDer Olympiapark ist jetzt der Jurassic Park

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Ich schau dir in die Augen, Großer: In der Kleinen Olympiahalle in München können Besucher eintauchen in einen Erlebnisparcours für Filmfans.
Ich schau dir in die Augen, Großer: In der Kleinen Olympiahalle in München können Besucher eintauchen in einen Erlebnisparcours für Filmfans. Mark Siaulys Pfeiffer

Ein Dino-Baby streicheln und vor T-Rex flüchten: Das sommerlange Familien-Event „Jurassic World – The Experience“ hat für Fans viel zu bieten – zur perfekten Illusion fehlt manchmal nur der Dschungel-Geruch. Ein Rundgang in München.

Von Michael Zirnstein

Was die meisten der Millionen Besucher des Filmes „Jurassic Park“ 1993 erstaunte, war die Besessenheit der Wissenschaftler von  Dinosaurier-Kacke. Recht früh in dem Film vergräbt Dr. Ellie Sattler, gespielt von Laura Dern, ihren Arm bis zur Schulter genüsslich wie begeistert in einem Riesenhaufen Triceratops-Mist. Dieses Gefühl kann man jetzt in der Kleinen Olympiahalle in München nachempfinden, zumindest ein bisschen. Denn für die nun startende Erlebnisschau „Jurassic World – The Experience“ wird nicht nur mit dem Versprechen geworben, man komme nirgends lebenden Dinosauriern so nah wie hier. Hier wird tatsächlich geliefert: nämlich drei Schippen Dino-Dung unterschiedlicher Spezies.

Sie liegen in einer Art rundem Brutkasten und man darf sie begrapschen. Zwar nicht Haut an Kompost, aber immerhin mit zwei ziemlich wissenschaftlich aussehenden schwarzen Gummihandschuhen. Was soll man sagen: Das fühlt sich so schlüpfrig an, wie die Hinterlassenschaft von Kommissar Rex in einem Hundesackerl aufzuheben. Also wirklich nah dran, wie man sich echte Dinokacke so vorstellte. „Koprolithen“, korrigiert eine Ranger-Frau in Uniform. „Wie?“, fragt man zurück. „Koprolithen mit th“, wiederholt sie und buchstabiert. Also: Dinosaurierexkremente.

Das sind die Momente – Aug' in Aug' mit den Bestien und im Dialog mit dem Ordnungspersonal –, in denen der Besucher eintaucht in diesen Filmkulissen-Erlebnisparcours. Das wird in den kommenden sechs Monaten sicher spannend, wenn Gruppen achtjähriger Hobby-Dinoexperten auf diese 20 wunderbar ehrgeizig schauspielernden Ranger treffen und ihnen erklären, dass Koprolithen eigentlich nicht frische, sondern fossilisierte Häufchen sind, also „Kotsteine“.

Diese Diskussion dürfte aber spätestens dann einschlafen, wenn die Tür zum Labor, dem Camp Cretaceous, aufgeht und weitere Mitarbeiterinnen mit einem Dinobaby auf dem Arm hereinkommen. Das sei ein frisch geschlüpfter Brachylopho-
saurus, sagen sie. „Echt jetzt?“, denkt man zuerst. Aber dann fängt das Tierchen an, sich zu bewegen, mit den Kulleraugen zu klimpern und zu brummen, und man will es sofort streicheln oder zumindest ein Selfie mit der Bulldoggen-großen Eidechse machen, die eigentlich eine Mischung aus Roboter und Handpuppe ist.

Den kennt man doch! Zumindest viele Kinder haben den Baby-Ankylosaurus „Bumby“ schon in der Netflix-Serie gesehen. Hier können sie ihn streicheln.
Den kennt man doch! Zumindest viele Kinder haben den Baby-Ankylosaurus „Bumby“ schon in der Netflix-Serie gesehen. Hier können sie ihn streicheln. Mark Siaulys Pfeiffer

An zwei weiteren „Meet The Baby Dinosaur“-Stellen wird man noch auf einen Velociraptor mit spitzen Zähnchen treffen und „Bumpy“ ein High-Five mit seiner Schwanzkeule geben dürfen. Den gehörnten Ankylosaurus kennen vorwiegend Kinder aus einer Netflix-Zeichentrickserie, die zum Jurassic-World-Filmkosmos gehört, wie nun auch diese Wanderausstellung, die von Toronto bis Shanghai schon acht Millionen Menschen gesehen haben. Und die man eben nicht „Ausstellung“ nennen soll. Es ist eher ein begehbarer Film mit Darstellern und Geisterbahneffekten. Gerade bei der Dressur-Vorführung vom Velociraptoren-Filmstar „Blue“, sehr körperlich gespielt von einem Menschen im Monsterkostüm, funktioniert das toll.

„Jeder Dino, jede Szene, jede Pflanze, jeder Ton geht auf die Filme zurück“, so erklärt Veranstaltungsleiter Christoph Scholz von Semmel Entertainment diese „Illusion“. Auch die erhabene Musik von John Williams und eine fingierte Fährfahrt zu Beginn versetzen einen zurück in den Dino-Freizeitpark auf der Isla Nublar.

Dieses sommerlange Familien-Event ist etwas anders als zuvor etwa die „Star Wars“-, „Harry Potter“- oder „Disney“-Exhibitions, die mit echten Requisiten und Kostümen aus den Filmen Cineasten hier beglückten. Diesmal ist alles (nur und doch detailreich) nachgebaut, die Aktion steht im Mittelpunkt, aber ein bisschen was über die Tiere und Pflanzen des Jura erfährt man schon auch. Vor allem von den Rangern, die die Besucher gruppenweise von Szene zu Szene lotsen und aktiv ins Geschehen einbeziehen. „Hier transportieren wir einen Stygimoloch auf dem Laster, der leider gegen einen Bananenbaum gefahren ist. Er ist sediert, aber gleich wacht er auf!“ Und dann lugt ein agiler Dickschädel über die Ladefläche …

Der Lastwagen ist an einen Bananenbaum gerummst, das mag der Stygimoloch auf der Ladefläche gar nicht.
Der Lastwagen ist an einen Bananenbaum gerummst, das mag der Stygimoloch auf der Ladefläche gar nicht. Mark Siaulys Pfeiffer

Spannender Höhepunkt ist sicher der Besuch bei T-Rex, dem König der Fleischfresser. Klar, man weiß schon, auch das ist eine animatronische Puppe, da steckt viel Hightech drin, man kennt das seit der Show „Walking with Dinosaurs“ in der Olympiahalle.

Aber hier kommt man näher ran. Auch emotional. Wenn der Ranger beim T-Rex-Gehege panisch wird, weil sich ein Tor nicht öffnet, wenn er seine Gäste anherrscht, „bleibt zusammen, haltet still, los, runter!“, weil der T-Rex bekanntlich nur Bewegungen sehen kann, „und auf gar keinen Fall in seine Augen schauen!“ – dann bewegt man sich nicht und starrt stur auf den Hochspannungszaun und hofft, dass das haushohe heranrückende Ungetüm zuerst den wild gestikulierenden Ranger fressen wird.

Hochspannung am Stromzaun: Ein haushoher T-Rex naht und er scheint hungrig zu sein.
Hochspannung am Stromzaun: Ein haushoher T-Rex naht und er scheint hungrig zu sein. Mark Siaulys Pfeiffer

Es ist ein spannendes Schauspiel, kein paontologisches Museum. Zu genau muss man es da mit der Wissenschaft nicht nehmen, das haben schon die sechs Filme nicht getan. Die haben vielmehr den Menschen den Traum verkauft, einmal Urwesen zu treffen, die sie selbst zwar ausnahmsweise nicht ausgerottet haben, aber vielleicht irgendwann mit Dino-DNA aus Mückenblut wieder zum Leben erwecken können. Was bis heute nicht passiert ist. Und so lange wird man sich mit solchen Simulationen begnügen müssen.

Aber diese „Experience“ hier ist prima, zur perfekten Illusion fehlt manchmal nur der Dschungel-Geruch. Wobei das bei den Koprolithen nicht wirklich stört. Die waren übrigens auch im Film kein echter Mist, Steven Spielberg ließ sie aus Lehm und Stroh zusammenbatzen und verteilte Honig und Papaya darüber, um Fliegen anzulocken. Hier könnte sich die Münchner Dino-Schau vom Meister noch etwas abschauen.

„Jurassic World: The Experience“, 17. April bis 16. September, München, Kleine Olympiahalle, Dienstag, Mittwoch, Sonntag und Feiertage 10 bis 18 Uhr, Donnerstag, Freitag, Samstag 10 bis 20 Uhr, Tickets ab 23,90 Euro (Kinder) und 29,90 Euro (Erwachsene), jurassicworldexperience.de

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