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Junip in den Münchner Kammerspielen:Erlösung und Krautrock

Junip in dern Münchner Kammerspielen

Psychedelic meets Folkästhetik meets Krautrock meets Shoegaze: Junip

(Foto: Ingrid Fuchs)

Ein Reh, sechs Musiker und das Thema Erlösung: Zwölf Jahre hat es gedauert, bis Junip überhaupt ein Album herausgebracht hat. In München hat die schwedische Band um Songwriter José González ihre neuesten Songs präsentiert - und das Hipster-Publikum in den Kammerspielen verzaubert.

Mit großen Augen blickt das Reh ins Publikum. Es wirkt dabei melancholisch und unantastbar, verletzlich und erhaben. Wie Rehe das eben tun. Und es hat seine Ohren sehr aufmerksam aufgestellt - zu Recht. Denn das scheue Tier, das an diesem Abend in überdimensionaler Größe eine Leinwand auf der Bühne der Münchner Kammerspiele ziert, ist Teil der neuen Tour von "Junip".

Die schwedische Band, bestehend aus dem Singer-Songwriter José González, Drummer Elias Araya und Keyboarder Tobias Winterkorn, präsentiert ihr gleichnamiges Album, das erst am 19. April erschienen ist. Gleichwohl waren die Karten im Schauspielhaus bereits lange zuvor ausverkauft; denn mit den beiden Single-Auskopplungen "Line of Fire" und "Your Life, Your Call" gab es bereits überzeugende Hörproben. Für beide Stücke wurden zudem gemeinsam mit Mikel Cee Karlsson Musikvideos produziert, die am Ende einen Kurzfilm ergeben sollen.

González, Araya und Winterkorn hatten sich eigentlich schon 1998 in Göteburg zu Junip zusammengeschlossen. Bis zum ersten Album dauerte es aber zwölf Jahre: González' Solokarriere funkte dazwischen. So erschien erst 2006 die EP "Black Refuge", vier Jahre später eine weitere mit "Rope and Summit". Das Album "Fields" veröffentlichte Junip dann ebenfalls 2010, endlich. Spätestens jetzt steht die Band auf eigenständigen Füßen, auch wenn viele sie noch mit dem Solokünstler González in Verbindung bringen.

Natürlich prägt der den Sound des Trios entscheidend mit. Doch allzu große Überschneidungen gibt es nicht. Denn González ist mit seinen gitarrenlastigen Solostücken eher im Indie-Folk verorten. Junip hingegen lässt sich nur schwer einordnen. Psychedelische Elemente mit Folkästhetik, ein bisschen akustischer Krautrock und Shoegaze beherrschten das Album "Fields". Mit "In Every Direction", dem ersten Titel dieses Vorgängeralbums, eröffnet Junip das Konzert. Mit einem Mix aus alten und neuen Songs geht es weiter, den Abschluss bildet das wohl bekannteste Stück "Line of Fire".

Ein-Mann-Vorband und Support: Barbarossa

Auf der Bühne wird die Band an diesem Abend von drei weiteren Musikern unterstützt, unter ihnen der aus London stammende Künstler James Mathé, alias Barbarossa. Er hat die Zuhörer als Ein-Mann-Vorband mit melancholisch-elektronischen Klängen betört. Dem Publikum - die versammelte Hipsterschaft der Stadt, im Schnitt etwa 30, musikverliebt - gefiel's. Es wäre wohl auch nicht einfach, sich in der Atmosphäre des Jugendstil-Theaters dieser Musik zu entziehen. Irgendwie mystisch und verzaubert. Und dann noch dieses Reh, das im roten Scheinwerferlicht fast ein wenig furchteinflößend wirkt. In goldenem Licht aber doch wieder seine scheue Erhabenheit zeigt.

Was das Tier zu bedeuten hat? Das lässt sich nur mutmaßen. Vielleicht folgendes: In Märchen und Mythen sind Rehe oft jene Wesen, die die Helden der Geschichte dazu verleiten, unbekannte Wege einzuschlagen. Rehe als Sinnbild einer Sehnsucht zu etwas Unbekanntem hin also. Was das nun mit Junip zu tun hat?

Laut José González ist das Schlüsselthema des neuen Albums die Erlösung. Auf der Internetseite der Band schreibt er, es gehe um "diese lebensverändernden Momente, die den Menschen wachrütteln und all diese Themen miteinander vereinen. Es handelt letztlich davon, wie das Gras nach dem Schmelzen des Schnees wieder wächst: dieses Gefühl der Hoffnung zwischen den Zeilen zu finden, darum geht es im ganzen Album." Und so lässt Junip das Publikum in Musik schwelgen, über die Texte nachdenken und auf ein ebenbürtiges nächstes Album hoffen. Nicht erst in zwölf Jahren.