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Jungunternehmer:Verrückt nach Erfolg

Im Entrepreneurship Center der Universität stellen sich 16 neue Start-up-Teams mit ihren Konzepten vor. Alle hoffen, sich am Markt zu etablieren nach dem Vorbild der Gründer von Flixbus und Tandemploy

Die Aula der Ludwig-Maximilians-Universität war voll. So voll, dass die Veranstalter des LMU Entrepreneurship Centers nach einer halben Stunde die Türen schließen mussten. Mehrere Hundert Studenten, Gründer und Unternehmer kamen, um 16 Start-up-Teams kennenzulernen, die neu in das Entrepreneurship-Center (EC) einziehen. Zuvor hatten 16 weitere Start-up-Teams von ihren Fortschritten berichtet, die sie in ihrer Zeit im EC gemacht haben. Außerdem waren der Gründer von Flixbus, Jochen Engert, und Anna Kaiser von Tandemploy zu Gast. Die beiden LMU-Absolventen berichteten von ihren Startschwierigkeiten beim Gründen - aber vor allem darüber, wie sie diese gemeistert haben. "Wir wurden ständig für verrückt gehalten", berichtet Anna Kaiser. "Und wisst ihr was? Ich finde das toll!" Sechs Start-ups stellen ihre Geschäftsidee vor:

Shipings

1Wer kennt das nicht? Zu Hause liegt ein altes Handy oder ein alter Laptop herum, für den man sicher noch irgendwo ein wenig Geld bekommen würde. Aber: Man ist zu faul, das Gerät zu verpacken, es zu beschriften und zur Post zu tragen. Also lässt man es doch lieber bleiben. Das wollen Alexander Geng, Mario Bartels und Philipp Neumann (v. links) mit ihrem Start-up Shipings ändern. Nun genügt es, ein Foto des Geräts zu machen und es an Shipings zu senden. Mitarbeiter holen das Gerät dann ab und übernehmen alles weitere. "Damit sparen sich unsere Kunden die Zeit", sagt Bartels. Eine Abholung kostet fünf Euro - egal ob man eine Sache oder zehn verschicken will. Dazu kommen die Versandkosten des günstigsten Anbieters. Selbstverständlich bringt shipings alles zur Post.

Voltstorage

2Solarzellen auf dem Dach zu haben, ist schön und gut. Aber sie liefern nur tagsüber Strom, während man normalerweise abends am meisten verbraucht. "Das Prinzip ist ausbaufähig", sagt Michael Peither vom Start-up Voltstorage. Felix Kiefl, Peither und Jakob Bitner (v. l.) entwickeln eine Art großen Akku, der die Solarenergie vom Tag speichert und abends wieder abgibt. Die Idee dazu ist zwar nicht neu, dennoch halten sie ihren Akku für deutlich besser als die von anderen Anbietern. Dazu haben sie eine besondere Technik entwickelt und patentieren lassen. Laut Voltstorage ist ihr Akku nicht nur billiger, sondern auch deutlich ungefährlicher als konventionelle. Die drei Tüftler haben bereits einen Prototypen gebaut, aus dem bald das fertige Produkt entstehen soll. "Der nächste Schritt ist dann die Serienproduktion."

Staffboard

3Administrative Aufgaben nehmen in Unternehmen sehr viel Zeit in Anspruch - sowohl in der Verwaltung als auch von Mitarbeitern, die eigentlich für etwas anderes bezahlt werden. Genau das wollen Besnik Ruhani, David Hajizadeh und Sebastian Meier (v. l.) ändern. Als Gründer des Unternehmens Staffboard vertreiben sie eine Software, die zum Beispiel Urlaubsplanung, Krankmeldungen und Leistungskontrollen vereinfacht und zum Teil automatisiert. All diese Dinge sind in einer intuitiven Benutzeroberfläche zusammengefasst. Die drei Gründer nennen das "Mitarbeiter-Self-Service". Auch Bewerbungsunterlagen tauchen darin auf. Entscheidet sich das Unternehmen, jemanden einzustellen, braucht es nur einen Klick - dann wandern Lebenslauf und Co. automatisch in die Mitarbeiterakte.

Social Bee

4Als erste "soziale Zeitarbeitsfirma" bezeichnen Lorenzo Prieto, Max Felsner und Zarah Bruhn (v. l.)ihr Unternehmen Social Bee. Dort beschäftigen sie in erster Linie Flüchtlinge und wollen ihnen so den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Laut Zarah Bruhn würden viele Unternehmen gerne mit Flüchtlingen arbeiten, fürchten aber Probleme mit Sprache und Qualifikation. Für Asylbewerber bedeutet das, dass sie häufig lange keinen Job finden. "Dabei gelingt die Integration am Besten in der Arbeit", sagt Bruhn. Social Bee nimmt Unternehmen das Risiko der Festanstellung und bemüht sich nebenbei um Integration. Mitarbeiter findet Social Bee bei Integrationskursen. Dabei sei die Einschätzung der Lehrer maßgeblich. Es reichen drei Dinge: "Motivation, Pünktlichkeit und Deutschkenntnisse auf dem Level A 2."

Useley

5Teilen liegt voll im Trend. "Shared Economy" nennt es sich, wenn Menschen irgendwelche Dinge untereinander austauschen anstatt neue zu kaufen. Einen Schritt in diese Richtung versucht auch das Unternehmen Useley. Die Gründer Mark Kugel (nicht im Bild), Pascal Fritzen und Lucy Ivanova dachten sich: Menschen haben so viele Sachen zu Hause, die sie kaum benutzen. Wenn jemand mit dem Mountainbike die Alpen durchquert und das mit einer Action-Kamera filmen will, kann er sich diese bei Useley ausleihen - und muss sie nicht extra kaufen. Ein anderer, der eine Kamera hat, aber sie kaum nutzt, freut sich, weil er so Geld dafür bekommt. Der Vorteil gegenüber anderen Leihbörsen: Das Unternehmen holt die Sachen ab und liefert sie dem Ausleihenden.

Upstories

6Egal ob Schmuck, Taschen oder Dekoartikel: Kleine Hersteller tun sich oft schwer mit der Vermarktung ihrer Produkte. Einen eigenen Laden zu eröffnen ist ein großes finanzielles Risiko. Im Internet ist es auch nicht gerade einfach. "Das ist schade. Denn oft sind es genau die kleinen Unternehmer, die ganz besondere Dinge entwickeln", sagt Manuel Scholz von Upstories. "Wir wollen ihnen eine Chance bieten, indem wir Ladenfläche vermitteln." Das Konzept von Sebastian Vahlbrock, Scholz und Simon Mair (v. l.) funktioniert so: Jemand, der bereits einen Laden betreibt, aber nicht die volle Fläche braucht, kann einen Teil davon auf Upstories anbieten. Eine Schmuckmanufaktur beispielsweise kann dann zwischen Ladenflächen in verschiedenen Städten auswählen, sie mieten und dort die eigenen Produkte ausstellen.