Jungunternehmer:Man findet schnell einen neuen Job

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Er entschied sich, endgültig in die Technologiebranche zu gehen. Also schickte er zahlreiche Bewerbungen an Firmen, die in Palo Alto ansässig sind. Was für andere Hollywood ist, war für Christopher schon immer das Silicon Valley. Er wurde von einer Tech-Firma engagiert, flog nach Kalifornien. Die Firma ging nach wenigen Wochen pleite. Das sei unangenehm gewesen, weil er sein Gehalt nicht bekam, sagt er, öffnete ihm aber viele andere Türen: "Innerhalb des Silicon Valley kommt man extrem schnell mit anderen Leuten ins Gespräch. Wenn du bei einer Firma rausfliegst, hast du in zwei Wochen wieder was Neues."

Man versuche, sich gegenseitig zu unterstützen, sich Kontakte zu vermitteln. Diesen Helfergeist vermisse er oft in Deutschland, der Konkurrenzgedanke sei in europäischen Firmen viel größer. Allerdings: Es sei dort "schwierig, echte Freunde zu finden. Oft fragt man sich: Machen wir jetzt gerade Business oder sind wir Freunde? Das weißt du manchmal einfach nicht." Doch das hat Christopher zwei Jahre lang für seinen großen Traum in Kauf genommen.

Seine Aufgabe bei verschiedenen amerikanischen Firmen war es, möglichst viele tägliche Downloads für bestimmte Apps zu generieren: mindestens 20 000 pro Tag. "Social Media ist in den USA ein eigener Berufszweig", erklärt er. Gerne erzählt er von der "Bubble", in der sich die Mitarbeiter des Silicon Valley befänden. Obwohl er selbst viele Begriffe wie "Outdoority", "Crosspromotion" und "sowas generiert richtig Traffic" um sich wirft, sieht er sich nicht als Teil dieser Blase.

Er berichtet von diesen zwei Jahren eher als objektiver Beobachter des ganzen Theaters: vom Google-Chef, der mit Badehose und Taucherbrille in der Wüste von Nevada herumturnt, von Zehner-WGs ohne jegliche Privatsphäre, von Rollerblade-Massenveranstaltungen in San Francisco. "Diese Verrücktheit gehört da zur Kultur", schwärmt er, "die sind da auch alle ganz crazy gekleidet. In zwei Jahren habe ich nur ein einziges Mal Anzug tragen müssen." Das Wort ist sein absoluter Lieblingsbegriff: die Amis, die Hitze, die Kleidung, alles crazy.

Und dann gab es da noch etwas, das für ihn ziemlich crazy war: dass er auf die "Forbes 30 under 30"-Liste gewählt wurde. "Ich fühl mich gut, wenn ich Ziele erreiche", sagt Christopher, "das macht so süchtig. Die Forbes-Liste war so eines davon." Als er es dann geschafft hatte, sei er zwei Wochen wie im Rausch gewesen. "Wenn du was erreichst, musst du es auch erst mal genießen. Sonst verlierst du die Lust." Ein großer Traum hat sich bei dem erfolgsverwöhnten Münchner aber noch nicht erfüllt: einmal mit Mark Zuckerberg quatschen. "Den würde ich viel lieber treffen als einen bekannten Fußballstar oder Justin Bieber", erzählt er. Er hat andere Helden als die meisten seiner Freunde.

Man muss immer an sich glauben

Und jetzt also zurück in München. Hier hat er seinen Freundeskreis, erklärt er, hier fühlt er sich wohl: "In München ist das Leben um einiges angenehmer, ich will nicht unbedingt zurück." Die Hitze, die vielen fremden Eindrücke, der Druck, sich immer wieder beweisen zu müssen. Seinen Job kann er von Deutschland aus genauso machen. Vormittags geht er an die Isar, nachmittags geht's los mit seinen America-Calls, dann Downloads generieren. Mitternacht ist er dann fertig mit der Arbeit - seinen Arbeitsrhythmus muss er an Kalifornien anpassen. Aber das macht nichts.

Eines liegt ihm noch auf dem Herzen: dass er jungen Leuten mit Visionen Mut machen will, diese zu verfolgen. "Ich hätte meine Ziele nie erreicht, wenn ich nicht immer an mich geglaubt hätte", sagt er. "Aber ich habe sie erreicht!"

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