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Jungunternehmer:Wie sich das Projekt zusammensetzt

Die Start-ups der Mitbewohner sind unterschiedlich: Julia entwickelt derzeit eine App, die Inhalte von Lehrbüchern für Studenten digitalisieren und bereitstellen soll. Mitbewohner Flo hingegen erarbeitet gerade ein Konzept, mit dem er Unternehmen eine umfangreiche und seriöse Kommunikation mit ihren Kunden ermöglichen möchte. Und Mathematiker Niko Kraus hat einen eigenen Youtube-Channel. Dort erklärt der 27-Jährige seinen rund 7400 Abonnenten, wie man Stimme und Rhetorik einsetzt, um überzeugend aufzutreten.

Man habe schon darauf geachtet, Leute mit unterschiedlichen Talenten und Interessen ins Haus zu holen, sagt Julia. Wie die meisten ihrer Mitbewohner ist sie Single. Und Akademikerin. Das sei bei der Auswahl der Bewohner allerdings kein Kriterium gewesen. Rund 150 Leute hätten sich beworben, mit den unterschiedlichsten Lebensläufen. Letztlich habe man sich dann nach Sympathie entschieden. Der Gedanke dahinter: Gemeinsam schafft man mehr. "Wir versuchen uns gegenseitig mit unseren Ideen zu inspirieren. Wenn jemand eine Idee hat, kann er sie hier jederzeit vorstellen", sagt Julia.

Ihr Mitbewohner Daniel Valenzuela, 24, hat bereits Start-up-WG-Erfahrung. Während seines Studiums war er für ein halbes Jahr in Berkley, hat dort in einem ähnlichen Haus gelebt. Später war er eine Zeit lang Bewohner der sogenannten "Rainbow Mansion", einem im Silicon Valley sehr bekannten WG-Haus, in dem Nasa-Ingenieure und Google-Mitarbeiter Tür an Tür wohnen. Er sitzt entspannt auf einem der Sofas, schwärmt von den Begegnungen während seiner Amerika-Zeit.

Unternehmen

So sieht das Büro von Google in München aus

Was ihn mit all seinen Mitbewohnern verbindet: das Feuer, der unbedingte Wille, etwas zu gründen. Dabei sind nicht alle gleich erfahren. Julia gründet zum ersten Mal, WG-Initiator Raphael, 29, hat bereits im Jahr 2000 diesen Schritt gewagt. "Wir haben damals eine Webseite online gestellt, auf der wir die 300 besten Seiten im Internet gelistet haben. Das war vor der Internet-Bubble." Da war Raphael noch Schüler, hatte wenig Ahnung davon, wie man so ein Projekt sinnvoll aufzieht, der Erfolg war eher bescheiden.

Dass nicht jedes Start-up sofort erfolgreich ist, wissen auch die Bewohner des Hyprspace. Viele von ihnen arbeiten deshalb nebenbei noch in einem anderen Beruf, haben finanzielle Rücklagen gebildet. Auch, weil das Wohnen in der Start-up-WG nicht ganz billig ist: 600 Euro warm kosten die Zimmer im Schnitt, dazu kommen Ausgaben für das Internet, die WG-Kasse und die Reinigungsfirma, die die Riesen-WG zweimal wöchentlich sauber macht.

Nicht zu jedem passt ein solches Leben. Die Unsicherheit, ob man erfolgreich wird. Das dauernde Sich-Beweisen müssen. Aber Julias Mitbewohner suchen genau das: "Ich kann mir für mich keinen Büro-Job vorstellen, in dem ich 20 Jahre das Gleiche mache", sagt Youtuber Nico.

Um innerhalb des Hauses eine Fluktuation von Ideen zu haben, werden einige der Zimmer in Zusammenarbeit mit der Unternehmer-TUM regelmäßig neu vergeben. Design-Student Doug Huyhn aus San Francisco ist zum Beispiel nur für drei Monate in München. Der 23-Jährige ist Teil der sogenannten "Digital Product School", einem Programm, bei dem die Teilnehmer lernen, digitale Produkte für große Unternehmen zu entwickeln. Es ist sein erster Abend in der Stadt, noch ist er etwas geplättet vom langen Flug. "Da wo ich herkomme, hat so gut wie jeder sein eigenes Start-up oder arbeitet bei einem", sagt er.

Es gefällt ihm sofort in München: gemeinsam essen, sich bei einem Bier austauschen, über München und San Francisco, über erste Eindrücke und seltsame Eigenheiten des Gastlandes. Wenn die Mitbewohner so miteinander quatschen, erzählen sie von schönen Reisen, der legendären Stockwerksparty im Studentenwohnheim vor ein paar Jahren, dem Abend neulich, an dem Nico die Mädels aus dem Tanzkurs in den Hyprspace eingeladen hat ... Und dann geht es plötzlich wieder um "Pitches" und "Learnings", Projektphasen und soziale Nachhaltigkeit. Die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben sind hier fließend. "Eine Trennung der Bereiche gibt es für mich nicht", sagt Marc, während er weiter seinen zu scharf geratenen Taco isst.