Kultur- und Freizeittipps der Kabarettistin Juliane BraunErhellende Momente auf der Bühne und an anderen Orten

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Juliane Braun ist Yogalehrerin und Quereinsteigerin im Kabarett. Nach zwei erfolgreichen Programmen kommt sie nun mit dem Programm „Freiheit 50+“ ins Theater Drehleier und persifliert dort typische Ü-50-Klischees.
Juliane Braun ist Yogalehrerin und Quereinsteigerin im Kabarett. Nach zwei erfolgreichen Programmen kommt sie nun mit dem Programm „Freiheit 50+“ ins Theater Drehleier und persifliert dort typische Ü-50-Klischees. (Foto: Verena Gemmer)

Die Kabarettistin Juliane Braun freut sich in der Woche von 27. Oktober bis 2. November auf ein abgründiges Theaterstück, Meisterwerke der Kunst, entspannte Ausflüge und ihre Premiere in der Drehleier.

Die Menschen werden älter. Und mit der Lebenserwartung steigt der Altersdurchschnitt unserer Gesellschaft. Während viele Branchen die Älteren als Zielgruppe entdeckt haben, kümmert sich das Kabarett eher selten um diese Tendenz, obwohl sie sich doch zumeist in den Zuschauerräumen abbildet. In diese Marktlücke ist vor ein paar Jahren Juliane Braun gestoßen, als Spätberufene und Quereinsteigerin. Denn nach einer Karriere in der Industrie ist die Münchnerin ihrem Ruf als Bühnenkünstlerin erst spät gefolgt. Mit der Pianistin und Singer-Songwriterin Nicole Winter hat sie ein neues Genre erfunden: das „erleuchtende Kabarett“. Ihr erstes Programm „Suche nach dem Glück 50+“ wurde ein Erfolg, danach kamen „Sinn und Sinnlichkeit 50+“, und nun hat am 28. Oktober ihr drittes, „Freiheit 50+“, Premiere in der Münchner Drehleier. Wie zuvor führt der erfahrene Regisseur Holger Ptacek Regie, musikalisch unterstützt wird sie erneut von der Pianistin und Liedbegleiterin Nicole Winter. In einer Nummernrevue überzeichnet sie mit viel Selbstironie Frauentypen wie die übermotivierte Selbstoptimiererin, die ambitionierte Therapeutin oder die emanzipierte Kämpferin. Und mit einer Tantra-Therapeutin ist dann die Erleuchtung garantiert.

Montag: Kraftort für Kreative

Blick von Starnberg über den See nach Aufkirchen.
Blick von Starnberg über den See nach Aufkirchen. (Foto: Franz-Xaver Fuchs/STA)

Morgen ist mein großer Tag! In der Drehleier feiere ich Premiere mit meinem neuen Kabarett-Programm „Freiheit 50+“. Dafür will ich heute noch mal Kraft schöpfen: Ich fahr’ nach Aufkirchen oberhalb des Starnberger Sees. Der Blick Richtung Berge macht mein Herz weit und ich laufe hinunter nach Leoni – vorbei am Haus Buchenried der Münchner Volkshochschule. Hier habe ich mit 50 plus bei einem Kabarett-Seminar mein komisches Talent entdeckt. Mein Tipp für alle, die eine Sehnsucht spüren: Hier kann man sich einfach ausprobieren beim Schreiben, Spielen, Singen, Tanzen, Malen. Die Lage am See mit eigener Badestelle ist ein Traum. Auch Nicht-Münchner können die mehrtägigen Kurse buchen. Nach dem steilen Aufstieg über den Kreuzweg gönne ich mir ein herzhaftes Mittagessen im Aufkirchener Landgasthof „Die Post“. Tolle Lage und ausgezeichnete bayerische Bio-Küche.

Dienstag: Schräges Klassentreffen

Vor einer Premiere ist immer viel zu tun, deshalb bin ich schon nachmittags in meinem Lieblingstheater, der „Drehleier“. Beim Ankommen hab’ ich jedes Mal das Gefühl, dass ich genau hierhin gehöre. Ich bin meinem Ruf als Bühnenkünstlerin spät gefolgt. Aber dann habe ich mit der Pianistin und Singer-Songwriterin Nicole Winter gleich ein neues Genre erfunden: das „erleuchtende Kabarett“. Für unser neues Programm hat uns wieder der erfahrene Regisseur Holger Ptacek freudig unterstützt. Als ehemalige PR-Chefin von Osram und als praktizierende Yogalehrerin strahle ich heute als Showgirl im schönsten Scheinwerferlicht. Darin dürfen sich verschiedene überzogene Frauentypen bei einem Klassentreffen herrlich austoben. Mit einer Tantra-Therapeutin in der Gruppe ist Erleuchtung garantiert! Hinter dem Vorhang: jede Menge Kostüme, Perücken, Brillen und Requisiten. Ich freue mich auf viel Besuch heute Abend!

Mittwoch: Retro-Tanzkurs

Die Tanzlehrerin Karin Henneberger unterrichtet im Münchner Vintage Dance Studio auch Anfängerinnen.
Die Tanzlehrerin Karin Henneberger unterrichtet im Münchner Vintage Dance Studio auch Anfängerinnen. (Foto: Sybille Oberschelp)

Am Morgen nach der Premiere wird mein Akku fast leer sein. Da tut mir sanftes Yoga und ein Spaziergang im Wald gut, den ich zum Glück fast vor meiner Haustür habe. Heute Abend brauch’ ich wieder ein bisschen Energie. Denn ich freue mich auf meinen Online-Kurs beim Münchner „Vintage Dance Studio“. Die liebevoll gestaltete Tanzschule in der Maillingerstraße ist ein Paradies für Fans der großen alten Hollywood-Musicals. Auch Anfängerinnen können Charleston, Stepptanz und Clogging lernen. Tanzen ist für mich ein Ausdruck großer Lebensfreude. Vor ein paar Jahren habe ich dort in einem Workshop Burlesque erkundet. Das ist stilvoller Striptease mit viel Spaß und Body Positivity. Einen Einblick in diese Kunstform gibt es auch in meiner Bühnenshow. Ich bin immer wieder begeistert, was ich alles lernen kann. Ich bin dort nicht die Einzige über 60!

Donnerstag: Sanftes Yoga

Mehr Wohlbefinden, mehr innere Ruhe: Juliane Braun unterrichtet auch ein sehr sanftes Yoga.
Mehr Wohlbefinden, mehr innere Ruhe: Juliane Braun unterrichtet auch ein sehr sanftes Yoga. (Foto: Imago/Amr Bo Shanab)

Heute bleibe ich im Homeoffice und schreibe als freie Autorin über Lichttechnik, eine Branche, in der ich früher beruflich sehr aktiv war. Nachmittags bereite ich meinen Yoga-Kurs vor und schalte sozusagen um auf das innere Licht. Ich unterrichte ein sehr sanftes Yoga in Gauting, gleichzeitig auch online, das dabei hilft, in einen liebevollen Kontakt mit dem eigenen Körper und Geist zu kommen. In meiner vierjährigen Yoga-Lehrausbildung sind wir dafür in die Tiefe gegangen. Eine meiner Lehrerinnen, Ellen Fischer, hat gerade ein neues Buch veröffentlicht: „Vagus-Yoga“ – mit speziell entwickelten Übungszyklen für mehr Wohlbefinden und innere Ruhe. Die Haltungen können übrigens auch Menschen mit normaler Gelenkigkeit nachmachen. Das finde ich wichtig.

Freitag: Abgründe einer Künstlerseele

Ein einsamer Mann (Michael Grimm) trinkt und räsoniert – über seinen Beruf als Orchestermusiker, über die Berufung zur Musik, über das Wesen der Kunst und über die Liebe.
Ein einsamer Mann (Michael Grimm) trinkt und räsoniert – über seinen Beruf als Orchestermusiker, über die Berufung zur Musik, über das Wesen der Kunst und über die Liebe. (Foto: Martin Hangen)

Nach einem stillen Tag am Computer treffe ich eine Freundin in der Alpina Bar bei Sport Schuster am Rindermarkt. Ich mag die entspannte Atmosphäre dort. Dann bummeln wir ins Hofspielhaus in der Falkenturmstraße und freuen uns auf Michael A. Grimm im „Kontrabass“ von Patrick Süskind. Wir haben gerade noch rechtzeitig Tickets für diese ausverkaufte Vorstellung ergattert. Aber das Hofspielhaus hat ein spannendes Programm und lohnt immer einen Besuch. Es ist ein Ort, an dem Herzensprojekte wahr werden können. Auch meines: Ich durfte dort vor acht Jahren mein erstes Kabarett Programm „Suche nach dem Glück 50+“ auf die kleine Bühne bringen.

Samstag: Die Macht der Bilder

In der Aussstellung „Göttlich!“ im Diözesemuseum in Freising sind Werke der  italienischen Renaissance zu sehen, darunter das Bild „Dominikanermönch Marcantonio Luciani“.
In der Aussstellung „Göttlich!“ im Diözesemuseum in Freising sind Werke der  italienischen Renaissance zu sehen, darunter das Bild „Dominikanermönch Marcantonio Luciani“. (Foto: Diözesemuseum Freising)

Mein kunsthistorisch interessierter Mann hat eine neue Ausstellung entdeckt und wir fahren nach Freising. Das dortige Diözesanmuseum widmet sich einem aktuellen Thema: der Macht der Bilder über das Leben der Menschen. In einer Sonderausstellung unter dem Titel „Göttlich!“ werden Meisterwerke der italienischen Renaissance präsentiert. Es sind hochkarätige Leihgaben aus speziellen Sammlungen, die man als Italien-Reisende normalerweise noch nicht besucht hat. Ich mag kleinere, übersichtliche Ausstellungen. Auch weil ich mich besser auf einzelne Motive konzentrieren, mich von ihnen berühren und inspirieren lassen kann. Wie schön, dass auch ein Bild von Pinturicchio dabei ist. Seine Fresken hab’ ich im Dom von Siena schon sehr bewundert.

Sonntag: Idyllisches Würmtal

Im Würmtal: Der Blick von Buchendorf zum Wald in Richtung Gauting.
Im Würmtal: Der Blick von Buchendorf zum Wald in Richtung Gauting. (Foto: Georgine Treybal)

Ich freue mich nach meiner turbulenten Woche auf einen gechillten Sonntag und werde mir im idyllischen Würmtal vor meiner Haustüre die Beine vertreten. Das Würmtal ist so herrlich unspektakulär schön. Die Küche bleibt heute auch kalt. Wir gehen zum Mittagessen zu unserem Lieblingsitaliener im Schlosspark von Gauting ins Ristorante Gennaro – kleines, feines Lokal mit familiärem Ambiente. Im Sommer kann man draußen zwischen den alten Bäumen wunderschön sitzen. Jetzt sehen wir die leuchtenden Herbstfarben immerhin durch die großen Fenster.

Juliane Braun ist in München geboren und aufgewachsen. Sie besuchte den Französisch-Zweig am Dante-Gymnasiums. Nach einem Studium der Romanistik in München und im französischen Clermont-Ferrand hat sie im Siemens-Konzern zuerst als PR-Redakteurin und dann bei Osram als Managerin für PR und Marketingkommunikation gearbeitet. Eine Umstrukturierung war für sie der Anlass, sich mit 49 selbständig zu machen. Heute ist sie Yogalehrerin und Kabarettistin.

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