Kultur- und Freizeittipps des Filmemachers Julian WittmannBayern lieben, die Welt entdecken

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Der Aussteiger Wolfgang „Gangerl “Clemens kennt und liebt die Weltmeere. Julian Wittmann hat ihn ein Jahr lang begleitet und den Film „Ausgsting“ gedreht, der nun in die Kinos kommt.
Der Aussteiger Wolfgang „Gangerl “Clemens kennt und liebt die Weltmeere. Julian Wittmann hat ihn ein Jahr lang begleitet und den Film „Ausgsting“ gedreht, der nun in die Kinos kommt. Majestic

Der Autor und Regisseur Julian Wittmann freut sich in der Woche vom 18. bis zum 24. August auf die Kinopremiere seines neuen Dokumentarfilms, auf den Beginn der Fußballbundesliga und einen königlichen Ausflug.

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Fernweh, Heimatverbundenheit und die unstillbare Sehnsucht nach Freiheit stellen für Julian Wittmann keine Gegensätze dar. Im Gegenteil: Sie sind der Antrieb seines filmischen Schaffens. 2018 fuhr der junge Bayer mit seinem Bruder Thomas vom heimatlichen Isental in die amerikanische Glitzermetropole Las Vegas. Das Besondere dabei: Die beiden waren auf Mopeds unterwegs, der auf ihrer Reise entstandene Film „Ausgrissn“ lief zwei Jahre später erfolgreich in den Kinos. Die Wittmann-Brüder gründeten daraufhin eine eigene Produktionsfirma, im Juli 2025 hatte ihr zweiter Kinofilm „Ausgsting“ Premiere auf dem Filmfest München. Darin begleitet Julian Wittmann den 84 Jahre alten Aussteiger Wolfgang „Gangerl“ Clemens auf einem Segeltrip über die Weltmeere – und fragt sich, was wahre Freiheit wirklich bedeutet. Der Film kommt am 28. August in die Kinos.

Montag: Von Freiheit träumen

Für Julian Wittmann ist der Friedensengel in München einer der schönsten Plätze zum Sonnenuntergangschauen.
Für Julian Wittmann ist der Friedensengel in München einer der schönsten Plätze zum Sonnenuntergangschauen. Florian Peljak

Eine Woche Drehbucharbeit für die BR-Fernsehserie „Dahoam is Dahoam“ liegt hinter mir – und mit ihr die idyllisch bayerische Geschichtenwelt. Zum Schreiben dafür fahre ich gerne aufs Land zu meinen Eltern ins Isental. Für mich die bayerische Toskana. Bei Sonnenschein ein lohnenswerter Geheimtipp, nur 30 Minuten östlich von München. Über die Bahnstrecke des ehemaligen Orient-Express geht’s zurück in die Stadt. Szenenwechsel. Es verspricht, eine turbulente Woche zu werden. Die ersten Vorpremieren zu unserem Kinofilm „Ausgsting“ stehen an. Anders als bei „Dahoam is Dahoam“ bin ich darin einem Konflikt begegnet, der sich nicht so einfach nach Plot-Manier auflösen lässt: meinem innigen Wunsch danach, ein möglichst freies Leben zu führen.

Das Handwerkszeug dafür habe ich weder in der Stadt noch auf dem Land gefunden, sondern auf dem Segelboot eines 83-jährigen Aussteigers im Indopazifik. Ein Stückchen schwimmendes Bayern am anderen Ende der Welt und seiner Ein-Mann-Bevölkerung namens Gangerl. Nach fünf Jahren langer Arbeit ist der Film endlich fertig und damit unser Beitrag für jegliche Münchner Stammtischrunden und Kaffee-Gespräche rund um das Thema „Wie frei sind wir?“ Zum Wiedereingrooven in die Stadt planen meine Freundin Vicky, unser Sohn Leo und ich zum Friedensengel zu spazieren. Einer der schönsten Plätze für den Münchner Sonnenuntergang – und der ideale Ort, um im Hier und Jetzt zu sein oder von der großen Freiheit zu träumen.

Dienstag: Tierisches Vergnügen

Immer einen Besuch wert: Das Erdmännchen-Gehege im Tierpark Hellabrunn.
Immer einen Besuch wert: Das Erdmännchen-Gehege im Tierpark Hellabrunn. Maria Nicole Fencik

Der Vormittag gehört Leo. Wir wollen in den Tierpark Hellabrunn fahren. Vermutlich werden wir nicht weit kommen, denn am „Rechts der Isar“ wird gebaut. Riesige Bagger reißen eine Straße auf. Ein Highlight für Leo. Es gab eine Zeit, da fand ich die Baustellen in der Stadt unerträglich, doch jetzt habe ich die Möglichkeit, mit anderen Augen darauf zu blicken. Weiter entlang der Isar geht es zum Zoo. Für uns immer einen Besuch wert. Und jedes Mal denke ich dabei an den Georg-Danzer-Song über die Freiheit – die dort in einem leeren Käfig präsentiert wird. „Das ist ja grade“, sagte er, „der Gag / Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg“. Eine Erkenntnis in bester Karl-Valentin-Manier.

Auf dem Rückweg vom Zoo bietet sich ein Besuch am „Valentin-Karlstadt-Musäum“ an. Dort gibt es, als Entschädigung für die Brandschutzsanierung, eine Rund-um-die-Uhr Ausstellung namens „Heimatlos“. Zeitlos zeitgemäß, wie Valentin und München eben. Abends steht ein Termin in Augsburg auf dem Programm. Vorpremiere. Publikumsgespräch. Und: ein Wiedersehen mit Gangerl.

Mittwoch: Weltenbummler in München

Vor 35 Jahren ist der Aussteiger Wolfgang „Gangerl “Clemens mit seinem selbst gebauten Segelschiff von Bayern aus in die Welt geschippert.
Vor 35 Jahren ist der Aussteiger Wolfgang „Gangerl “Clemens mit seinem selbst gebauten Segelschiff von Bayern aus in die Welt geschippert. Majestic

Der Komplett-Aussteiger ist für unseren Film extra in die ehemalige Heimat gereist. Vor 35 Jahren ist er mit seinem selbst gebauten Segelschiff von Bayern aus in die Welt geschippert, um der Gesellschaft zu entfliehen. Vor fast 70 Jahren hat er in München seine Lehre begonnen und war seitdem nicht mehr wirklich hier. Ich freue mich schon auf eine Stadttour mit ihm. Mein Plan: Frühstücken am Viktualienmarkt, dann rauf auf den „Alten Peter“, kurze Einkehr im Stehausschank beim „Glöckl“, über den Hofgarten zum Eisbach, reinspringen und beim Chinesischen Turm in der Sonne liegen. Um 20 Uhr sind wir dann mit unserem Film zu Besuch im Leopold-Kino in Schwabing und werden bestimmt auch vom gemeinsam verbrachten Tag und noch viel mehr von unserer Reise erzählen.

Donnerstag: Ein Stern zum Erkunden

Sieht ein bisschen aus wie eine Landebahn für Aliens: „Lucky Star“ heißt das Pop-up-Projekt auf dem Baugelände nahe der Knorr Bremse – einem neuen Ort für Begegnungen, Sport, Spiel und Freizeit.
Sieht ein bisschen aus wie eine Landebahn für Aliens: „Lucky Star“ heißt das Pop-up-Projekt auf dem Baugelände nahe der Knorr Bremse – einem neuen Ort für Begegnungen, Sport, Spiel und Freizeit. Catherina Hess

Ehe die Woche zu Ende geht, müssen die kleinen Dinge erledigt werden, die ein Leben in der Gesellschaft so mit sich bringt. Ich verziehe mich ins Büro. All diejenigen, die aber nicht von vier Wänden umgeben sein müssen, kann ich das Pop-up-Projekt „Lucky Star“ empfehlen. Draußen im Olympiadorf. Dort wurde eine Art Landebahn für Aliens aufgebaut. Auf einer Fläche von 40 000 qm. Ein sozialer und kultureller Treffpunkt mit viel Raum für Sport. Schon irgendwie das Gegenteil von Gangerls Segelboot.

Freitag: Endlich wieder Fußball

In der Allianz-Arena findet das Erföffnungsspiel der neuen Bundesligasaison statt, mit dem Spiel FC Bayern München gegen RB Leipzig. Hier ein Foto von der Arena im Mai 2025.
In der Allianz-Arena findet das Erföffnungsspiel der neuen Bundesligasaison statt, mit dem Spiel FC Bayern München gegen RB Leipzig. Hier ein Foto von der Arena im Mai 2025. Imago/Silas Schueller/DeFodi Images

Freitag ist Oma-und-Opa-Tag. Leo wird verwöhnt, und ich kann den Vormittag mit Vicky genießen. Sollte es das Wetter zulassen, sind wir gerne draußen, flanieren zum Beispiel die Einsteinstraße runter zum Wiener Platz. Auf diesen 20 Minuten kann man München beim Altern zusehen. Für einen Kaffee sind wir oft im Johanniscafé, das Freitags schon um elf Uhr öffnet. Um diese Uhrzeit fühlt es sich noch so an, als würde man in einem öffentlichen Wohnzimmer sitzen. Abends will ich die Bundesliga-Eröffnung mit Freunden im „35 millimeter“ anschauen. Es ist leider schon ewig her, dass ich das letzte Mal im Stadion war. Dabei ist die Allianz-Arena nicht nur für den Fußball eine Pilgerreise wert. Auf dem Gelände steht die älteste Kirche Münchens und nicht unweit daneben eine exakte Kopie. Spannend.

Samstag: Sport sehen, Sport treiben

„Erst zuschauen, dann nachmachen!“, das waren Gangerls Anweisungen auf dem Segelboot, während wir Tausende Kilometer irgendwo auf dem Meer trieben. Diese Anweisung steht Pate für den Samstagvormittag: erst Sport sehen, dann Sport treiben. Davon inspiriert, jogge ich über den Mauersteg, der für mich schönste Spaziergang Münchens, über die Maximilians-Anlagen in den Englischen Garten. Im Anschluss packen wir unsere Koffer und fahren wieder aufs Land. Zwei Stunden mit der Bahn in die Voralpen des Ostallgäus. Genauer gesagt nach Hohenschwangau. Dort betreibt Vicky mit ihren Eltern die kleine Romantik-Pension Albrecht. Szenenwechsel.

Sonntag: Prächtige Kulisse

Am Fuße von Schloss Neuschwanstein betreibt Julian Wittmanns Frau eine kleine Pension.
Am Fuße von Schloss Neuschwanstein betreibt Julian Wittmanns Frau eine kleine Pension. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Wir erwachen dort mit Blick auf das Schloss Neuschwanstein. Jedes Mal, wenn ich an diesem Ort bin, fühle ich mich wie auf einer Zeitreise. Die alten Königsschlösser, die auf den Bergen über uns thronen, Pferdekutschen, die am Garten vorbeifahren. Und die Besonderheit an diesem Sonntag: Bartholomäustag. Beginn des Almabtriebs. Meist ein Spektakel und ein Ausflug für die ganze Familie. Die genauen Termine verteilen sich aber über die dann folgenden Tage und müssen von mir ergoogelt werden. Ein paar ruhige Tage mit der Familie sind geplant, ehe mich die Woche drauf mit dem offiziellen Kinostart zu „Ausgsting“ durch die Kinos der Republik schicken wird.

Julian Wittmann  ist Drehbuchautor und Filmproduzent.
Julian Wittmann  ist Drehbuchautor und Filmproduzent. Christian Gutmann / Kahlstain

Aufgewachsen in einem oberbayerischen Dorf , zog es den heute 32-jährigen Julian Wittmann schon früh in die weite Welt. Nach dem Abschluss der Fachoberschule Gestaltung begab er sich auf eine einjährige Weltreise, bevor er in München ein Studium der Theaterwissenschaften aufnahm. Parallel dazu absolvierte er eine Ausbildung zum Drehbuchautor und schreibt seither für verschiedene Fernsehformate. Neben seiner Tätigkeit als Autor hat er sich auch als Regisseur einen Namen gemacht: Gemeinsam mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Thomas dreht er Werbespots, Musikvideos oder eine Dokuserie. Nach ihrem Kinofilmdebüt „Ausgrissn – In der Lederhosn nach Las Vegas“ ist „Ausgsting“ der zweite Kinofilm der Wittmann-Brüder. Am 28. August kommt er in die Kinos.

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