Jugendherberge Die Zeit der Etagenklos ist vorbei

So soll es mal werden: Im Musterzimmer können die neu gestalteten Stockbetten schon besichtigt werden.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Münchens älteste Jugenherberge wird renoviert: Es soll ein neuer Eingangsbereich und Speisesaal entstehen.
  • Gleichzeitig will sich das Haus in Neuhausen seines "verstaubten Früchtetee-Images" entledigen, sagt Architekt Wolfram Putz.
  • Die Stockbetten werden künftig als Schlafkoje in der Wand verankert sein, Etagenklos und -duschen gehören der Vergangenenheit an.
Von Marco Völklein

Bei den sieben Rundbögen im Eingangsbereich waren sich Bauleiter Ralf Weixler und die Denkmalschützer sofort einig. "Das ist ein für das Haus ganz prägendes Merkmal", sagt Weixler. "Das muss natürlich erhalten bleiben." Auch das charakteristische Treppenhaus aus den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts werde in seiner Grundstruktur nicht angetastet, die Materialien würden weitgehend erhalten bleiben, sagt Weixler. Ebenso das Gewölbe im Eingangsbereich und der Zuschnitt der Zimmer in den Stockwerken darüber, jedenfalls von den Zimmern, die nach vorne, zur Wendl-Dietrich-Straße, rausgehen. Schließlich steht das Haus nicht nur als erste innerstädtische Jugendherberge unter einem besonderen Schutz. Es ist auch ein Beispiel für die typische Blockrandbebauung, die das Viertel westlich des Rotkreuzplatzes prägt.

Ansonsten aber, das machen Bauleiter Weixler und Winfried Nesensohn vom Vorstand des bayerischen Jugendherbergs-Landesverbands bei einem Rundgang über die Baustelle rasch deutlich, wird sich einiges verändern in Münchens ältester Jugendherberge. Das Haus "soll unser neues Flaggschiff werden", sagt Weixler. Es soll eine neue Vorzeige-Herberge des bayerischen Landesverbands entstehen.

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Dabei hatte das Gebäude vor Jahrzehnten eine ähnliche Funktion schon einmal, nämlich beim Bau und nach seiner Eröffnung in den Zwanzigerjahren. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg waren erste Jugendherbergen entstanden, zunächst vor allem auf dem Land oder in ländlichen Räumen in der Nähe der Städte. Doch gegen Ende der Zwanzigerjahre begann dann mit dem Bau in Neuhausen ein neues Kapitel: Das Haus wurde zu jener Zeit als erste "Großstadt-Jugendherberge der Welt" eröffnet, wie es beim Jugendherbergswerk heißt.

Nach dem Krieg wurde die Unterkunft erweitert: Zwei zusätzliche Häuser mit weiteren Schlaf- und Aufenthaltsräumen am Winthirplatz kamen hinzu, im Hinterhof entstand ein Speisesaal. 360 Betten bot das Haus zuletzt, etwa 60 000 Übernachtungen wurden pro Jahr gezählt.

Die Gewölbedecke im ehemaligen Eingangsbereich soll erhalten bleiben.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seit dem Frühjahr nun ist die Herberge geschlossen. Bauarbeiter sind damit beschäftigt, das Mobiliar zu entfernen und die beiden Gebäude am Winthirplatz abzureißen. Dort entsteht künftig der neue Eingangs- und Empfangsbereich, im Hinterhof wird ein neuer Speisesaal errichtet. Nur das alte Stammhaus an der Wendl-Dietrich-Straße bleibt erhalten.

Aber auch dort will sich das Jugendherbergswerk seines "verstaubten Früchtetee-Images" entledigen, wie es der Architekt Wolfram Putz vom Berliner Büro Graft ausdrückt. Er hat mit seinem Team die neue Herberge entworfen. Seit Jahren schon modernisiert das Jugendherbergswerk seine Häuser nach und nach; einige, die nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben waren, wurden geschlossen. Die Jugendherbergen stehen in direkter Konkurrenz zu privaten Hostel-Betreibern. Die wiederum stören sich am gemeinnützigen Status der Jugendherbergen und den damit verbundenen Steuervorteilen. Doch alle Beschwerden dagegen konnten die Jugendherbergen bislang juristisch abwehren.