Jugendfilmfestival „flimmern & rauschen“„Jungs wie wir bekommen viel zu selten Gelegenheit, unsere eigenen Geschichten zu erzählen“

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Den Film „Heute wird anders“ entwickelten Jugendliche aus dem Stadtteil Berg am Laim als gemeinsames Projekt mit den Einrichtungen Stabil e. V. und Zeugnerhof.
Den Film „Heute wird anders“ entwickelten Jugendliche aus dem Stadtteil Berg am Laim als gemeinsames Projekt mit den Einrichtungen Stabil e. V. und Zeugnerhof.
Stabil e.V. und Zeugnerhof

Ende März wird München erneut zum Schauplatz des Jugendfilmfestivals „flimmern & rauschen“. Im Gasteig HP8 präsentieren junge Kreative 80 Kurzfilme – von Einsteigern bis zu Filmhochschulabsolventen.

Von Barbara Hordych

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Über sich selbst zu sprechen und dabei gehört und gesehen zu werden, ist oft schwieriger, als es auf den Social Media Kanälen so gerne suggeriert wird. Besonders wenn es um die weniger glamourösen Lebenswelten junger Menschen in Berg am Laim geht. „Heute wird anders“, behauptet der Titel eines Kurzfilms, der als eine von 80 Produktionen beim dreitägigen Jugendfilmfestival „flimmern & rauschen“ zur Aufführung kommen wird.

Zu Beginn stehen die beiden Hauptfiguren auf der zugigen Dachterrasse ihrer Wohnanlage, die eine eher deprimierende Aussicht grau-in-grau eröffnet. Dennoch soll das nicht wieder ein „toter Tag“ werden, beschließen die beiden optimistisch. Anvisiert wird der Besuch des Champions-League-Spiels, davor möchte man sich ein Taxi „ausleihen“. 380 Minuten sind es anfangs noch bis zum Spiel, am Ende sind es zwölf Minuten nach Spielbeginn. Zwischendrin hat man die Wege der Protagonisten verfolgt, die hartnäckig von ihren alltäglichen Problemen und schließlich bei einer gewalttätigen Rangelei von zwei – übrigens echten – Polizisten eingeholt werden. Atmosphärisch stimmig ist das Ganze mit Giovanni Bergs Elektro-Beats unterlegt, bekannt als Teil des Techno-Duos Schrotthagen.

„Es wird immer sehr oft über uns gesprochen, aber viel zu selten mit uns“, sagt Serhat Diramali im „Behind The Scenes“- Video über das Projekt, bei dem er als Drehbuchautor wirkte. Und ergänzt: „Jungs wie wir bekommen viel zu selten Gelegenheit, unsere eigenen Geschichten zu erzählen.“ Beim Sammeln und Strukturieren ihrer Geschichten wurden er und die Gruppe von der HFF-Absolventin und Autorin Anna Dimitrova unterstützt, die in ihrem vor zwei Jahren erschienenen Debütroman „Kanak Kids“ bereits das Leben in der rauen „Neuperlacher Bronx“ thematisierte.

Marlene Gfrörer als Frieda in „Forever Young“.
Marlene Gfrörer als Frieda in „Forever Young“.
Dings Entertainment

Weibliches Erleben rücken indes Filme wie „Forever Young“ oder „Ida et Ada“ in den Mittelpunkt: Viola ist bei Frieda zu Besuch, und gemeinsam genießen sie einen Münchner Sommer, bei dem sie sich näher kommen als gedacht. Während Frieda nachts die schlafende Viola filmt, zeichnet Viola tagsüber Frieda im Englischen Garten. Trotzdem: Der Abschied ist vorprogrammiert, Viola hat ihr Bahnticket bereits gekauft, sie muss üben, will sich für eine Orchesterstelle bewerben.

In der wunderbar poetischen Schlusssequenz, aufgenommen im (leeren) Metropoltheater, imaginiert Frieda Viola, die auf ihrer Geige Vivaldis „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ vorspielt. Doch dann ist Viola verschwunden, dafür beginnt Frieda allein auf der Bühne zu tanzen, dreht und wiegt sich zu den Klängen von Vivaldi. Eine Sehnsucht wird filmisch fassbar, die am Ende musikalisch übergeht in einen Song der Münchner Indie-Jazz-Band Fruchtiger Beigeschmack:  „Ich warte auf den Sommer, bis er vorbei ist / Warte auf dich, bis du wieder gehst.“

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Im vergangenen Jahr bildeten die Schauspielerin Marlene Gfrörer, Autor und Regisseur Tarik Uslu und Produzent Gerrit Gehring die Juniorfestivalleitung bei flimmern & rauschen. Seinerzeit entstand die Idee zu ihrem Projekt „Forever Young“, der daraus resultierende Film eröffnet am 26. März das diesjährige Filmfest.

In der Einsamkeit einer verschneiten Berglandschaft entspinnt sich der Psychothriller „Ida et Ada“.
In der Einsamkeit einer verschneiten Berglandschaft entspinnt sich der Psychothriller „Ida et Ada“.
Die Gipfelstürmer

Komplett in weiblicher Regie ist der Film um die Schwestern „Ida et Ada“ entstanden: Darin schildert Regisseurin und Autorin Lea Grande einen einsamen Geburtstag in einer Hütte in den Bergen. Zwischen stillen Schneefeldern und brennenden Kerzen entspinnt sich eine Art Psychothriller zwischen den beiden titelgebenden Schwestern, deren Verhältnis zwischen Nähe und Rivalität schwankt. Als dann die eine Schwester das rote Kleid der verstorbenen Mutter anzieht und sie wie in Kindertagen mit verbundenen Augen auf dem Boden „Topfschlagen“ spielt, beginnt die Situation zu kippen.

Ist dieser Fuchs nun ein Kuscheltier oder ein Klassenkamerad? Da müssen die Kinder-Wissenschaftler erst einmal den Herzschlag prüfen.
Ist dieser Fuchs nun ein Kuscheltier oder ein Klassenkamerad? Da müssen die Kinder-Wissenschaftler erst einmal den Herzschlag prüfen.
GS Knappertsbuschstraße/Ruth-Drexel-Straße

Wie immer liegt der besondere Charme des Festivals nicht nur in den vielversprechenden Werken der Älteren, die auf dem Sprung in die Professionalität sind, sondern bei den Arbeiten der Jüngsten. Hier wäre der bezaubernde Beitrag „Kuscheltierchaos“ hervorzuheben: Kuscheltiertag in dieser Woche? Dafür ist absolut keine Zeit, befindet die Lehrerin. Auch einige Schüler meinen, das sei doch etwas für „Babys“, überhaupt solle man die Zeit besser zum Lernen nutzen.

Doch plötzlich verwandeln sich fast alle Schüler der Klasse 2hG der Grundschule an der Ruth-Drexel-Straße in Plüschtiere, wie die entsetzte Lehrerin mitansehen muss. Köstlich ist die mediale Begleitung dieses Vorfalls durch Kinder-Reporter und Kinder-Wissenschaftler, bis am Ende die kindliche Tagesschau-Sprecherin die gute Nachricht verkünden kann: Alle Kinder sind zurückverwandelt. Die Lösung? Kuscheln! „Und damit so etwas nie wieder passiert, hat das Kultusministerium einen verpflichtenden Kuscheltiertag einmal pro Woche angeordnet!“, erklärt die Sprecherin mit kindlichem Ernst. Toll, was 24 Siebenjährige, begleitet von ihrer Klassenleiterin Kerstin Lipp und der Medienpädagogin Maria Rilz, auf die Beine gestellt haben.

„flimmern & rauschen“, Donnerstag, 26., bis Samstag, 28. März, Gasteig HP8, München, Programm unter www.flimmernundrauschen.de

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