Alina Gromova wird neue Direktorin des Jüdischen Museums in München und folgt damit dem im vergangenen Jahr überraschend gestorbenen Gründungsdirektor des Museums, Bernhard Purin, nach. Sie wird ihre Stelle am 1. September antreten. Gromova, geboren 1980 in der Ukraine, ist seit 2022 stellvertretende Direktorin der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und leitet dort die Fachbereiche Ausstellungen, Sammlung und Digitalisierung. Mit den von ihr kuratierten Ausstellungen „Through Our Lens. Berlin aus der Perspektive ukrainischer Geflüchteter“ und „Gefühlsdinge. How to Listen to Objects“ öffnete sie die Museumssammlung für die Stadtgesellschaft.
Wichtige Themen der jüdischen Geschichte und Gegenwart in die Stadtgesellschaft hineinzutragen, hat sie sich auch für München zur Aufgabe gemacht. „Als Stadtethnologin und Museumsmanagerin verbinde ich die Leidenschaft für die Stadtgesellschaft, Kultur- und Erinnerungsarbeit“, so Gromova in einem ersten Statement nach ihrer Wahl. Besonders freue sie sich dabei „auf die Zusammenarbeit mit anderen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen, Schulen, Künstler*innen und der Zivilgesellschaft der Stadt“.

Nachruf:Bernhard Purin überraschend gestorben
Der Direktor des Jüdischen Museums wurde 60 Jahre alt. In München entwickelte er unter anderem den 2017 eröffneten Erinnerungsort für die Opfer des Olympia-Attentats mit und machte sich mit originellen Ausstellungen einen Namen.
Verschiedene Kulturen hat Alina Gromova schon in jungen Jahren kennengelernt. Nach dem Tod der Mutter, da war sie fünf Jahre alt, wuchs sie in der Familie ihres Vaters auf. Als Sechzehnjährige kam sie durch ein Programm der Jewish Agency in ein Internat nach Israel. Obwohl sie dort gerne bleiben wollte, musste sie Israel verlassen, als die Familie ihres Vaters als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland auswanderten, wo sie zunächst in schwierigen Wohnverhältnissen in Köln lebten.
Schnell lernte sie die deutsche Sprache, studierte zunächst in Köln Englisch, Französisch, Slawistik und Rechtswissenschaft, dann in Berlin und Potsdam Anglistik und Jüdische Studien. Es folgte ein kurzer Studienaufenthalt in Melbourne, wo sie Jiddisch lernte und im Jewish Holocaust Museum and Research Centre arbeitete. 2012 schloss sie ihre Promotion über Lebensstil und Identität junger russischsprachiger Juden und Jüdinnen, die in Berlin leben, an der Humboldt-Uni ab. Zwischen 2016 und 2021 war Gromova als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Jüdischen Museum Berlin tätig, bevor sie dann stellvertretende Direktorin der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum wurde. Sie ist Vize-Präsidentin des Internationalen Museumsrats (ICOM) Deutschland und engagiert sich in der internationalen Museumsarbeit.

