Boykottaufrufe vor dem Auftritt in Köln, Rauchfackeln, gezündet von propalästinensischen Protestierenden während des Konzerts in Paris. Die Europatournee des Israel Philharmonic Orchestra wird von massiven Störaktionen begleitet. An diesem Dienstag, 11. November, spielt das Traditionsorchester unter seinem Chefdirigenten Lahav Shani in der Münchner Isarphilharmonie. Solist ist Igor Levit.
Kaum jemand hatte die Ausladung Shanis und der Münchner Philharmoniker vom Musikfestival in Gent mit deutlicheren Worten kommentiert. Im Interview mit den ARD-Tagesthemen sprach der Pianist von „klassischem, ekelhaften Antisemitismus. Und Feigheit“.
Am Mittwoch nun, einen Tag nach dem Konzert in der Isarphilharmonie, ist Levit Gast beim Festakt zur Eröffnung der 39. Jüdischen Kulturtage München. „Vereint im Herzen“ lautet das Motto im Hubert-Burda-Saal des Jüdischen Zentrums am Sankt-Jakobs-Platz. Ein Appell zum Beistand in einer Zeit der Entsolidarisierung, in der jüdischen Menschen in Deutschland blanker Hass und Kälte entgegenschlagen.

38. Jüdische Kulturtage in München:Symbolkräftige Gala zum Auftakt der Jüdischen Kulturtage
Stars wie Anne-Sophie Mutter und Sunnyi Melles setzen den Ton an einem Abend, der von tiefer Besorgnis, aber auch vom Glauben an die Kultur als Brückenbauer geprägt ist.
Schon bei der Eröffnungsgala vor einem Jahr ging es in den Grußworten der geladenen Landespolitiker um nichts anderes. Doch scheint die Situation seither nur noch bedrückender, aggressiver geworden zu sein. Vielleicht macht es da Mut, wenn der zweite Stargast des Abends, Vicky Leandros, ihre Hymne „Ich liebe das Leben“ singt.
Judith Epstein und ihr Team von der Gesellschaft zur Förderung Jüdischer Kultur und Tradition haben für die 39. Ausgabe des Festivals ein Programm kuratiert, das zum Bewusstmachen von Geschichte einlädt, Kontexte herstellen will, als Gegenstrategie zu digitaler Vereinfachung und Polarisierung.

Dieser Aufgabe stellt sich eine Ausstellung im Glockenbachviertel in den Galerieräumen an der Hans-Sachs-Straße 11 (Hinterhof). Dort zeigt der Künstler Jan Kuck neben seinem bekannten Neon „Never Again“ (zu sehen am Münchner Rathaus im November 2023) Licht- und Stoffarbeiten. Vom Künstlerduo Lecker & Heiß Gbr. sind Porträts weiblicher, jüdischer Persönlichkeiten der Vergangenheit und der Gegenwart zu sehen, wie etwa Charlotte Knobloch und Margot Friedländer. Die Malerin Sabina Sakoh präsentiert Werke ihrer Serie „Paris – La Résistance – a Story“. Vernissage ist am 16. November, 19 Uhr.
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Die Hebräische Buchhandlung im Berliner Scheunenviertel in der Nacht des 9. November 1938. Ein organisierter Nazi-Mob zerstört das Geschäft von Hirsch Lewin, verbrennt auf der Straße nicht nur Bücher, sondern auch tausende Schellackplatten und Matrizen mit jüdischer Musik. Viele Jahrzehnte galten diese Aufnahmen aus Lewins Musikverlag „Semer“ als verschollen.
Der Film „I Dance, But My Heart Is Crying – Ich tanz, aber mein Herz weint“ erzählt von ihrer Wiederentdeckung, aber vor allem zeigt er, wie diese Kompositionen heute zu neuem Leben erweckt werden. Am 19. November, 19 Uhr, gibt es im NS-Dokumentationszentrum ein Filmscreening und ein Künstlergespräch mit Yves Kugelmann, dem Co-Produzenten des Films, und mit dem Klezmer-Punk-Musiker Daniel Kahn.
„Jüdisches Leben in Deutschland – Heute und Morgen“ ist das Thema eines Podiumsgesprächs am 23. November, 16 Uhr, im Literaturhaus. Mit dabei sind unter anderem Adriana Altaras, Autorin, Schauspielerin, Regisseurin, Philipp Peyman Engel, Chefredakteur der Wochenzeitung Jüdischen Allgemeine, sowie der Sportjournalist und Kommentator Marcel Reif.

An einen Ort mit Geschichte führt am 25. November, 19 Uhr, der Unternehmer und Historiker Andreas E. Mach. In der Von Parish Kostümbibliothek, Kemnatenstraße 50, referiert er über die Lebensgeschichten zweier bedeutender jüdischer Salonnièren – Elsa Bernstein und Hedwig Pringsheim. Was Rang und Namen hatte, traf sich in ihren Münchner Salons. Elsa Bernstein war ja bekanntlich nicht unschuldig daran, dass Thomas Mann und seine spätere Frau, Pringsheim-Tochter Katia, ein Paar wurden. Die bedeutende Dramatikerin wurde später nach Theresienstadt deportiert.
Die Jugendstilvilla in Nymphenburg, die Hermine von Parish sen. 1916 erwarb, wurde im übrigen einst für den Offizier und Komponisten Friedrich Wilhelm von Schirach erbaut, den Onkel Baldur von Schirachs, des verurteilten NS-Kriegsverbrechers. Hermine von Paris sen. wiederum war die Tochter des jüdischen Malers Emanuel Spitzer.

Seit April ist im Jüdischen Museum am Sankt-Jakobs-Platz die Ausstellung „Die Dritte Generation. Der Holocaust im familiären Gedächtnis“ zu sehen. Am 2. Dezember gibt es dort Ausstellungsführungen und um 19 Uhr ein Künstlergespräch mit Lydia Bergida und Georg Soanca-Pollak, beide Enkel von Holocaust-Überlebenden. In ihrem Projekt „vom dir zu / heute“ setzen sie sich mit der Darstellung und Dokumentation des Erinnerns innerhalb von Münchner Familien jüdischer Herkunft auseinander.
In die Münchner Kammerspiele geht es schließlich am 4. Dezember zur Uraufführung von „Play Auerbach“. Autor und Regisseur Avishai Milstein erzählt die Geschichte des Auschwitz-Überlebenden Philipp Auerbach, der 1945 von der amerikanischen Militärregierung zum Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte in Bayern ernannt wurde und später Opfer einer politischen Intrige wurde. In der Folge nahm sich Auerbach das Leben. Milsteins „Münchner Erinnerungsrevue“ stellt die Frage, warum seine Geschichte so lange vergessen blieb.
39. Jüdische Kulturtage München, 12. November bis 4. Dezember, Infos unter www.juedischekulturmuenchen.de

Schlossfestspiele in Regensburg:Schlagerstar Vicky Leandros will nicht vor AfD-Chefin Weidel singen
Es ist nicht das erste Mal, dass Gloria von Thurn und Taxis mit ihren Ehrengästen vom rechten Rand für Aufsehen sorgt. Nachdem Schlagersängerin Vicky Leandros da nicht mitspielte, speiste Weidel mit ihrer Gastgeberin auf dem Schloss - und teilt danach gegen die Sängerin aus.
