bedeckt München 17°

BMW-Welt:Wo Touristen Teil einer großen Autofamilie werden sollen

Drei Millionen Besucher kommen jedes Jahr in die BMW-Welt, in Bayerns größte Touristenattraktion.

(Foto: Stephan Rumpf)

Drei Millionen Menschen besuchen jedes Jahr die BMW-Welt und bekommen großes Theater geboten. Beim Blick hinter die Kulissen geht der Zauber allerdings schnell verloren.

Von außen ist gar nicht unbedingt zu sehen, was da alles hineinpasst in diese zugegeben spektakuläre Architektur direkt am Mittleren Ring: Ein Markenerlebnis nämlich zuvörderst, mehrere Lebenswelten, ein Statement für das moderne München sowie eine hehre Aufgabe. Diese Beschreibungen benutzen die Leute, die da arbeiten, außerdem sprechen sie gerne davon, dass das ganze Ding nicht nur eine steinerne Visitenkarte ist, sondern ein Besuch dort auch ein großes Marketing-Instrument. Oder wie es der Mann sagt, der oben in der Lounge auf sein neues Auto wartet: "Auf jeden Fall besser als ein Zahnarzttermin."

Seit zehn Jahren steht die BMW-Welt am Rande des Olympiaparks, dieses Wochenende wird Geburtstag gefeiert, und dass der Mann Bedeutung und Ausstrahlung des Bauwerks nicht so recht zu würdigen weiß, liegt vielleicht daran, dass das Auto, das er gleich bekommen wird, von seinem Arbeitgeber bezahlt wird: ein 5-er, 90 000 Euro immerhin.

Wirtschaft in München Wie wichtig ist BMW für München?
BMW-Zentrum

Wie wichtig ist BMW für München?

Der Konzern spielt für die Stadt eine entscheidende Rolle und baut jetzt auch ein Innovationszentrum. Aber die wahre Autostadt ist eine andere.   Von Maximilian Gerl und Max Hägler

Während sich unten, in der "Plaza" genannten Ausstellungsfläche, Heerscharen von Asiaten in, auf, vor, neben und hinter den dort ausgestellten BMWs, Minis und Rolls Royce fotografieren, sitzt der Mann zwei Stockwerke höher in einer Lounge, um die Ecke gibt's ein Buffet von Käfer und ausreichend zu trinken - so werden die Menschen eingestimmt auf den zweifelsohne sehr wichtigen Moment, wenn sie zum ersten Mal ihr neues Auto zu Gesicht bekommen.

Nina Schmidt zum Beispiel ist längst nicht so cool wie der Dienstwagen-Mann: Sie ist in Begleitung ihres Vaters mit dem Flix-Bus aus Stuttgart angereist, um ihren nagelneuen 1-er in Empfang zu nehmen. Natürlich hätten sie auch mit dem Auto des Vaters fahren können, aber: "Wir wollen ja zusammen mit dem Neuen heimfahren." Der Wagen steht unten, zwei Stockwerke tiefer, auf einer Drehscheibe, und Nina macht schon mal ein paar Fotos mit dem Handy.

Das ist natürlich großes Theater, wenn Nina hernach die Treppe von der Lounge zu ihrem Auto hinabschreitet, wenn sie zum ersten Mal den Lack berührt und den Geruch von ungebrauchtem Leder in die Nase bekommt. Wie immer beim Theater geht der Zauber allerdings schnell zumindest teilweise verloren beim Blick hinter die Kulissen. Das erste Untergeschoss der BMW-Welt nämlich ist die Aufbereitung, hier werden die Autos auf Sattelschleppern angeliefert und dann aufgehübscht wie eine Braut für die Hochzeit.

Dazu gehört der "Aufwecken" genannte Vorgang, bei dem die gesamte Software aktiviert wird. Gewaschen wird der Wagen natürlich, und im grellen Licht jeder Zentimeter der Karosserie noch einmal angeschaut - wenn nicht alles blitzeblank ist, wird nachpoliert. Wenn das Hochzeitskleid dann makellos ist, kommt das Auto allerdings noch nicht gleich auf den Präsentierteller, sondern erst einmal ins Regallager: mehr als 260 Plätze in sauerstoffreduzierter Atmosphäre, wegen des Staubes und wegen der Brandgefahr. Ein Roboter bringt die Wagen zu ihrem Platz und holt sie auch wieder ab.

Bis zu 160 Autos am Tag werden in der BMW-Welt ihren Besitzern übergeben - kein Wunder also, dass das alles zackzack geht und bei längerer Betrachtung gar nicht so einzigartig ist, wie es dem erwartungsvoll angereisten Neubesitzer erscheinen mag. Im Minutentakt fahren die beiden Lifte aus der Werkstatt in den ersten Stock, ein Mann ist nur damit beschäftigt, die Autos zum jeweils vorgesehenen Platz zu bringen. Dann bekommt der Kundenbetreuer oben in der Lounge ein Zeichen und bringt seine Klienten die Treppe herunter.