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Jubiläum:Sprungbrett ohne Schablonen

Seit 25 Jahren gibt es die Munich Business School. Sie setzt auf Internationalität - nicht auf ausgefallene Studiengänge

Von Jakob Wetzel

Es war ein Studentenaustausch mit Folgen. Ende der Achtzigerjahre hätten Studierende der privaten European Business School in Paris ein Auslandssemester in Deutschland verbringen wollen, erzählt Stefan Baldi. Aber wo und wie? Die Kooperation mit einer staatlichen Hochschule schied aus; immerhin bezahlten die französischen Studenten für ihre Ausbildung viel Geld, da sollten sie nicht in überfüllten deutschen Hörsälen sitzen. Deshalb stellte ihnen ihre Hochschule ein Programm zusammen. Und aus jenem Jahr in München entstand schließlich noch viel mehr.

Was als Studentenaustausch begann, ist zu einer eigenen Fachhochschule geworden, zur heutigen Munich Business School (MBS). In diesem Wintersemester feiert sie ihr 25-jähriges Bestehen. Etwa 600 Studenten sind derzeit eingeschrieben, es gibt sechs betriebswirtschaftliche Studiengänge. Sie logiert in einem frisch sanierten Bürokomplex an der Elsenheimerstraße in Laim. Und sie gibt sich selbstbewusst: Die MBS nennt sich selbst "eine der führenden Wirtschaftshochschulen im deutschsprachigen Raum", wirbt mit praxisnaher Ausbildung, kleinen Seminaren und großer Internationalität.

Stefan Baldi ist Dekan der Hochschule; der Wirtschaftsinformatiker erzählt diese Geschichte auch, um zu zeigen, wie international es an seiner Hochschule zugeht, und zwar schon seit ihrer Gründung. Als private Hochschule ist diese auf derlei Besonderheiten angewiesen. "Der Markt wird von den staatlichen Hochschulen dominiert, und die sind für die Studenten kostenfrei", sagt Baldi. Die MBS dagegen finanziert sich hauptsächlich über Studiengebühren; sie kassiert von jedem Studenten im Durchschnitt etwa 10 000 Euro im Jahr. Und dafür benötigt sie Argumente.

Studenten aus verschiedenen Nationen lernen in kleinen Seminaren an der Munich Business School.

(Foto: Robert Haas)

Dazu zählen auch Studiengänge, die es sonst nirgends gibt. So können Studenten seit 2011 einen Master in "Sports Business and Communication" erwerben, um sich auf das Geschäft mit dem Profi-Sport vorzubereiten. Das sei ein in Deutschland einzigartiger Schwerpunkt, sagt Baldi. Mehr besondere Studiengänge wolle die Hochschule aber nicht ins Leben rufen. "Wir machen keine neuen, schicken Studiengänge, um mehr Studenten zu bekommen, mit denen die aber dann wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben." Überzeugen wolle die MBS eher über ihr Profil.

Wert legt die Hochschule heute auch darauf, dass sie staatlich anerkannt und vom Wissenschaftsrat akkreditiert ist - dabei sei die Zusammenarbeit mit den Behörden aber nicht immer einfach, sagt Baldi. Der Wissenschaftsrat reakkreditierte die MBS zuletzt unter Auflagen; wenn sie wirklich zu den Besten gehören wolle, müsse sie unter anderem ihre Forschung ausweiten, hieß es. Leise Kritik äußerte der Rat auch an der hohen Quote von Lehrbeauftragten. Baldi sagt dazu: Man versuche eben, Neues zu wagen; da passe nicht immer alles in die behördlichen Schablonen.

Schon die Gründer hätten andere Prioritäten gesetzt, als den staatlichen Kriterien für Hochschulen zu entsprechen. So heißt es beispielsweise im Bayerischen Hochschulgesetz, Voraussetzung für eine Anerkennung sei, dass die Lehre "überwiegend von hauptberuflichen Lehrkräften" erledigt werde. Als die MBS dagegen 1991 unter dem Namen "Europäische Betriebswirtschafts-Akademie" gegründet worden war, beschäftigte sie zunächst keinen einzigen Professor; die Lehre übernahmen Lehrbeauftragte. Entsprechend vergab sie lange auch keine Diplome, sondern nur Zertifikate. Bis zur ersten staatlichen Anerkennung dauerte es acht Jahre. Heute wird immer noch fast die Hälfte der Lehre von Honorarkräften erledigt; es gibt aber immerhin 15 Professoren.

Zum 25. Geburtstag hat sich die Munich Business School mit ihrem Dekan Stefan Baldi vorgenommen, noch internationaler zu werden.

(Foto: Robert Haas)

Ihre Prioritäten setzt die MBS anderswo, etwa bei der Internationalität. Die Hochschule ist eingebettet in einen Verbund aus etwa 60 internationalen Partnerinstituten; ein Auslandssemester inklusive Praktikum ist im Bachelor-Studiengang nicht nur erwünscht, sondern Pflicht. Bereits 2004 hat sie auf Bachelor- und Master-Abschlüsse umgestellt. Und ein Drittel der Studierenden kommt aus dem Ausland - zum Vergleich: An der gemessen an den Studierendenzahlen etwa 30 Mal so großen staatlichen Hochschule für angewandte Wissenschaften München haben lediglich 13 Prozent der Studierenden keinen deutschen Pass. Und doch hat sich die MBS nun zum 25. Geburtstag vorgenommen, noch ein bisschen internationaler zu werden.

Bislang fänden junge Leute die Hochschule vor allem online oder über Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis, sagt Baldi. Künftig wolle man deshalb systematischer um ausländische Studierende werben. Und man werde sich auch um die internationale Akkreditierung der Studiengänge bemühen. "Deutschland ist im Ausland als Studienort attraktiver geworden", sagt Baldi. Das sei auch der wirtschaftlichen Stabilität geschuldet. Die Hochschule merke das an der Zahl der Bewerber und in den Auswahlgesprächen. Für ausländische Studierende sei das Studium ein Sprungbrett nach Deutschland. Umgekehrt sei die MBS aber auch für deutsche Studenten ein Sprungbrett ins Ausland.

© SZ vom 27.09.2016
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