Ein Sonntagvormittag im Prinzregententheater: Das Haus ist bestens besucht, zwischen Bühne und Publikum zünden die Pointen und zur Zugabe begeht eine gewisse Madam Batterflei noch schnell Harakiri, selbstverständlich mit gerolltem bairischen „r“. Wie so oft in den vergangenen 40 Jahren, in denen drei Schauspieler vor drei Bierkrügen schon darüber sinnierten, wie das wohl wäre: Wenn all die bekannten Opernfiguren im schönen Bayernland daheim wären.
Wenn also „Don Giovanni“ es nur zum „Hallodri von Lenggrias“ gebracht hätte, der „Doktor Faust von Obermenzing“ käme, oder Isolde und ihr Hochzeitslader Tristan nur übern Chiemsee rudern müssten zum reichen Marke von Rimsting. Die Texte gibt es längst in Buchform, eine Vorstellung sogar auf CD, dennoch in jeder Saison feste Vorstellungsserien im Prinzregenten- wie Gärtnerplatztheater, neben Abstechern aufs Land, überall dorthin, wo man Wagner, Verdi, Bizet und Co. auf Bairisch versteht. Die Reihe bleibt ein Erfolgsformat, auch in der Jubiläumssaison zum Vierzigsten.
Woran das liegt? „Weil das Bairische so trocken rüberkommt“, vermutet Gerd Anthoff nach der Matinee im Prinzregententheater. Und weil „die wunderbar schrägen Texte“, ergänzt seine Kollegin Conny Glogger, die Opernstoffe aufs Wesentliche reduzierten, aber durchaus ernst nähmen. Geschrieben wurden sie vom 1998 gestorbenen Paul Schallweg, der sich als Geschäftsführer, später Vorsitzender der „Freunde des Nationaltheaters“ zahlreiche Verdienste um das Münchner Musikleben erworben hat, neben seinen Romanen und Hörspielen mit bayerischen Themen.
Ein Respekt einflößender, eher professoral wirkender Mann mit „Hofratsbairisch“, erinnert sich Anthoff, „von dem niemand gedacht hätte, dass er einen derart schrägen Humor hat“. Und der ihn doch bewies, als er 1985 seine ersten Opern bavarisierte, ursprünglich nur für eine Faschingsvorstellung am Münchner Volkstheater, die der Bayerische Rundfunk mitschnitt, in der legendären Urbesetzung aus Gustl Bayrhammer, Ruth Kappelsberger und Karl Obermayr.
Seitdem sind ihnen in mehr als 500 Vorstellungen viele prominente Volksschauspieler gefolgt, eine Spezies, die auf Münchner Bühnen sonst nicht mehr allzu heimisch ist. Umso mehr aber im Fernsehen, was zum Erfolg sicher beiträgt. Seit vergangenem Jahr arbeitet man sukzessive die nächste Generation ein: Monika Gruber, Helmut Schleich und Dieter Fischer, alles auch keine Debütanten mehr, aber doch jung genug, die Reihe fortzuführen. Schließlich erfordert sie eine spezifisch bayerische Form der Balance. „Wenn man es zu sehr übertreibt, wird es plump“, sagt Anthoff, „aber wenn man nicht die Rampensau rauslässt, wird es öde“.

Natürlich würden „Opern auf Bayrisch“ ebenso wenig ohne Musik funktionieren wie Opern auf Italienisch, Französisch oder Russisch. Nur die Besetzung bleibt so unorthodox wie die Texte selbst: eine Blaskapelle, erweitert um Violine, Zither und einen Perkussionisten. Violine und Zither sind für die bayerische Variante des Herzschmerzes zuständig, der Perkussionist Philipp Jungk für alles, worauf sich sonst noch Musik machen lässt, notfalls auch mit der Axt auf einem Baumstamm.
Die Arrangements des 1993 verstorbenen Friedrich Meyer, bekannt geworden vor allem als Songkomponist, verschneiden Opernzitate kühn mit Folkloristischem und sonstigen Anklängen an Populäres. Ein paar weitere hat Rolf Wilhelm hinzugefügt, der erste Dirigent, der als erfahrener Filmmusikkomponist, unter anderem für die Filme von Loriot, den nötigen Humor mitbrachte. Inzwischen hat Andreas Kowalewitz den Dirigierstab übernommen und sorgt unauffällig für Aktualisierungen.
Weshalb unlängst bei der Sonntagsmatinee Faust nicht mit der Musik von Gounod zur Walpurgisnacht reitet wie demnächst wieder am Münchner Nationaltheater. Sondern „atemlos durch die Nacht“. „Menschen, die durchaus gern in die Oper gehen“, sagt Conny Glogger, „verstehen durch uns endlich, worum es da eigentlich geht“. Was durchaus nicht als Pointe gemeint ist.
„Opern auf Bayrisch“, nächste Vorstellungen am Montag und Dienstag, 1. und 2. Dezember, jeweils 20 Uhr, Prinzregententheater, mit Gerd Anthoff, Monika Gruber und Michael Lerchenberg

