Joseph-Pschorr-Haus in der Innenstadt Der 100-Millionen-Komplex

Die Bayerische Hausbau präsentiert das neue Joseph-Pschorr-Haus in der Neuhauser Straße. Sport Scheck zieht dort ein und zwei Modeketten. Es entstehen aber auch Luxuswohnungen - mit Mietpreisen von 25 Euro pro Quadratmeter.

Von Alfred Dürr

Die Fassade ist weitgehend geschlossen, und dahinter sind die großzügig gestalteten Verkaufsflächen so weit vorbereitet, dass die Mieter jetzt mit dem Innenausbau beginnen können. Endspurt bei einem der größten Neubauprojekte mitten in der Fußgängerzone: Der Geschäftskomplex Joseph-Pschorr-Haus, in dessen oberen Stockwerken auch 25 teure Mietwohnungen untergebracht sind, zeigt schon sein künftiges Erscheinungsbild. Anfang Oktober soll das Gebäude, in das Schörghubers Bayerische Hausbau um die 100 Millionen Euro investiert hat, eröffnet werden.

Vor drei Jahren hatte das Kaufhaus Karstadt am Dom für immer die Türen geschlossen. Der Bau aus den sechziger Jahren wurde abgerissen. Auf dem Grundstück zwischen der Neuhauser Straße, der Eisenmannstraße und dem Altheimer Eck entstand nach den Plänen des Berliner Architektenbüros Kuehn Malvezzi ein mächtiges, 50 Meter hohes Haus mit fünf Obergeschossen und vier Stockwerken, die in die Tiefe reichen. Der Name des Hauses soll daran erinnern, dass sich hier einst die Pschorr-Brauerei und dann auch große Bierhallen befanden.

Mehr Platz für Sport Scheck

Mit einem klassischen Kaufhaus hat dieser moderne Komplex nichts mehr zu tun. Da beim Einzelhandel der Trend stark in Richtung Differenzierung gehe, so heißt es bei der Hausbau, sehe man drei "individuelle Shop-Lösungen mit klar umrissenen Verkaufsflächen" vor.

Den meisten Platz im neuen Gebäude wird Sport Scheck einnehmen. Er zieht aus seinem völlig verwinkelten Haus in der Sendlinger Straße in die klar strukturierten Etagen an der Neuhauser Straße. Dort wird gerade die Decke über den Verkaufsräumen fertiggestellt. Es gibt keinerlei Abdeckungen. Die technischen Einrichtungen sollen alle sichtbar bleiben - allerdings wird alles mit einem dunklen Anstrich versehen.

Abgetrennt von dem Sport-Fachgeschäft befinden sich die Flächen der amerikanischen Modekette Forever 21, die hier ihre erste Filiale in Deutschland eröffnet. Der dritte im Bunde ist die spanische Modekette Mango, die anteilsmäßig die kleinsten Flächen hat, aber im Pschorr-Haus weltweit die größte Filiale eröffnen wird.

Ruhepol inmitten der Shoppingmeile

Gut erkennbar ist jetzt auch der besondere Blickfang, den die Kunden genießen können: der über mehrere Stockwerke reichende Innenhof. An einer Gebäudewand entsteht eine Art Gewächshaus, in dem sich Pflanzen nach oben ranken. In den gefalteten Glasflächen der Umgebung spiegelt sich das Grün wie in einem riesigen Kaleidoskop und sorgt so für einen außergewöhnlichen optischen Effekt. Hausbau-Chef Jürgen Büllesbach stellt sich das als einen Ruhepol im oft hektischen Einkaufbetrieb der Fußgängerzone vor.

Auch aus den Wohnungen in den oberen Stockwerken hat man einen Blick auf diesen Innenhof. Die Wohnungen sollen zwischen 40 und 200 Quadratmeter groß werden. Auch hier wird nur vermietet, die Bayerische Hausbau will das gesamte Pschorr-Haus in ihrem Bestand halten. Mit der Vermietung soll im Sommer begonnen werden, sagt Büllesbach. Die Kosten bewegen sich in der absoluten Luxusklasse: "Angesichts der guten Innenstadt-Lage und der Qualität der Wohnungen wird sich der Quadratmeterpreis nicht unter 25 Euro bewegen."

In den unteren Etagen befindet sich eine öffentliche Tiefgarage mit 214 Stellplätzen. Außerdem gibt es dort die technischen Zentralen und eine Anlieferungszone, die über einen Lkw-Aufzug erreichbar ist. Insgesamt war es eine immense logistische Herausforderung, diese riesige Baustelle in der Altstadt zu betreiben. "Alles hat sehr gut geklappt", berichtet Büllesbach.

Besondere Vorsicht war geboten, da der Tunnel für die S-Bahn-Stammstrecke genau neben der Baustelle für das Pschorr-Haus verläuft. Die Bahn habe extrem genau aufgepasst, dass der Tunnel nicht beschädigt werde. Denn dass der Neubau den gesamten Münchner S-Bahn-Betrieb lahmlegt, das wollte niemand riskieren.