Reimraum:Spaß am Gras

Johnny Rakete

Johnny Rakete raucht vorzugsweise keine Zigaretten.

(Foto: Sebastian Zeleda)

Der Fürther Rapper Johnny Rakete spielt auf Tollwood.

Von Martin Pfnür, München

Was Daniela Ludwig ("Cannabis ist kein Brokkoli") wohl zu den neuen Singles des Rappers Johnny Rakete sagen würde? Man kann sich da einiges ausmalen. Sicher ist jedenfalls, dass die von der CSU gestellte Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die eine von den Grünen, der FDP und der Linken zuletzt verstärkt forcierte staatlich regulierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene kürzlich als unnötige "Lifestyle-Debatte" abtat, über schwärmerische THC-Glorifizierungen à la "Roll auf" ganz und gar nicht erfreut wäre. Jugendschutz first!

Johnny Rakete, mittlerweile ebenso wie Ludwig von Bayern nach Berlin umgezogen, ficht das freilich trotzdem nicht an. Geht man nach den Hip-Hop-typisch biografisch gefärbten und aufschneiderisch überspitzten Zeilen seiner jüngsten Single "1 Kg", so scheint er als passionierter Graskonsument in der Hauptstadt auf einer Insel der Glückseligkeit angekommen zu sein, auf der er sich seine grünen Vorräte bevorzugt kiloweise anlegt. "Seit ich in Berlin wohn' / ist es gar nicht problematisch / Ey, die Knollen hier sind stark und aromatisch / Giftig grün als hätte Bob Ross sie gemalt in einer Nachtschicht", rappt er da, um dann einen Reim nachzulegen, in dem ebenso viel verbotsmäßige wie kreative Wurschtigkeit liegt: "Nein, es juckt kein' / Ich bau in der U-Bahn auf dem Weg zu Uni / Und komm deswegen auch nicht mehr zu spät zur Uni".

Uni auf Uni? Ist da womöglich jemand beim Texten etwas faul geworden? Nun, gemessen an den besagten Singles, zu denen neben "Roll auf" und "1 Kg" auch der Battle-Rap "Sag's den anderen" zählt, könnte man sagen: jein. Zwar ist hier immer noch ein spürbar Sprach- und Flowbegabter am Werk - was jedoch fehlt, ist diese selbstkritische Dimension des In-sich-Hineinhorchens, die etwa das Album "Trauriger Junge mit Rauch in der Lunge" von 2019 noch auszeichnete. Viel mehr als Spaß am Gras ist da gerade nicht. Aber wer weiß, womöglich kostet der gebürtige Fürther einfach erstmal seine neu gewonnene Freiheit in Berlin aus, wo im Gegensatz zu anderen Bundesländern eine Menge von 15 Gramm Cannabis als Eigenbedarf toleriert wird, wenn die Staatsanwaltschaft mitspielt. An tiefer schürfenden Tracks wird es ihm bei seinem Konzert auf Tollwood gewiss trotzdem nicht mangeln.

Johnny Rakete, Dienstag, 10. August, 19 Uhr, Tollwood, Hacker-Pschorr Brettl (Eintritt frei)

© SZ/chj
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