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John Cleese macht Bier-Reklame:Monty Pythons wunderbare Welt der Werbung

John Cleese Bier Weißbier Fürstenfeldbruck

John Cleese kümmert sich heutzutage hauptsächlich um Affen - und macht Werbung für bayerisches Bier.

(Foto: Getty Images)

Der Brite John Cleese ist Kult - dachte sich auch Luitpold Prinz von Bayern. Jetzt wirbt der Star aus "Monty Python's Flying Circus" für ein Weißbier, das jenseits des Vereinigten Königreichs gebraut wird - mitten in Fürstenfeldbruck, im Auftrag von Prinz Luitpold.

Von Stefan Salger

Nicht jeder Prinz gibt sich allein seriöser Herrschaftlichkeit hin. Luitpold Prinz von Bayern etwa residiert zwar auf Schloss Kaltenberg, betreibt aber mit seiner Brauerei und der Nymphenburger Porzellanmanufaktur größere Wirtschaftsunternehmen. Und in seiner Freizeit geht er einem sehr bürgerlichen Hobby nach: Fernsehen und Kino.

So bog sich der Wittelsbacher bereits in den Siebzigern vor Lachen über Fernsehserien wie "Monty Python's Flying Circus" oder Kinostreifen wie "Das Leben des Brian" und "Ein Fisch namens Wanda". Einer spielte dabei immer eine Hauptrolle: der schlaksige britische Schauspieler John Cleese. Cleese ist inzwischen 74 Jahre alt, Regisseur, Synchronsprecher sowie honoriger Gastprofessor an der Cornell University in New York. Verkörperte er früher den gefühlsgehemmten Engländer, so engagiert er sich heute für den Schutz der Lemuren, einer vom Aussterben bedrohten Affenart.

Neuerdings kümmert sich Cleese aber auch um ein Weißbier, das jenseits des britischen Königreichs gebraut wird: mitten in Fürstenfeldbruck, im Auftrag von Prinz Luitpold. In einer bayernweiten Plakatkampagne wirbt der frühere Monty-Python-Komiker als "Bier-Connaisseur" für das Kaltenberger Getränk. In der parallel laufenden Rundfunkwerbung streift Cleese alias seine deutsche Synchronstimme Thomas Danneberg die historischen Hintergründe der König-Ludwig-Brauerei, interpretiert das bayerische Reinheitsgebot als "Familienrezept" der Wittelsbacher und reduziert 200 Jahre Weißbiermonopol auf den Kern - den angeblich "uneinholbaren Geschmacksvorsprung".

Ausgeklügelt hat die bis Oktober dauernde Kampagne Stefan Pyrek, der für die Brauerei und den Teilhaber Warsteiner arbeitet. Umgesetzt wurde sie von der Hamburger Agentur Scholz and Friends. Wie aber gewinnt man einen britischen Filmstar für ein Brucker Bier? "Man ruft ihn einfach an", sagt Pyrek, "das war erstaunlich einfach." In dem Gespräch stellte sich heraus, dass Cleese Bayern schon von mehreren Besuchen kennt. Erwachsene Männer in Lederhosen finde er zwar etwas schräg, aber bayerischem Bier gegenüber habe er sich grundsätzlich aufgeschlossen gezeigt.

Dass die ganze Kampagne "durchaus polarisiert", wie der 46 Jahre alte Manager einräumt, hält Luitpold Prinz von Bayern selbst für verkraftbar: "Die Grundidee ist gut" - auch wenn ihn ganz persönlich überrascht habe, wie stark Cleese gealtert sei. Macht aber nichts, verkörpere der Engländer so doch auch den glaubwürdigen, erfahrenen Butler. "Ein bisschen augenzwinkernder Humor" könne nicht schaden, findet der Prinz. Werbung sollte man nicht so bierenst nehmen.

© SZ vom 24.06.2013

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