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Johannes Singhammer, CSU:"Ich fühle mich ziemlich erwachsen!"

Er will die Generationen zusammenbringen: Johannes Singhammer ist der jüngste Münchner Direktkandidat der CSU für die Bundestagswahl. Mit 55 Jahren.

Als er mit Barack Obama gemeinsam gefrühstückt hat, gab es Früchte, Bagels und Orangensaft: Vor ein paar Monaten war Johannes Singhammer in den USA und hat dort am "National Prayer Breakfast" teilgenommen, das der US-Kongress einmal jährlich veranstaltet. Außer Singhammer und Obama waren Politiker, Wirtschaftsbosse und gesellschaftliche Größen aus mehr als hundert Ländern dort.

Johannes Singhammer ist die Verständigung zwischen Alt und Jung ein Herzensanliegen: "Es ist eine Offenheit und ganz tiefe Erkenntnis da, dass ein Zerteilen in einzelne Interessen niemandem nutzt".

(Foto: Foto: Rumpf)

Das Erlebnis ist schon einige Monate her. Inzwischen ist Johannes Singhammer wieder in Deutschland angekommen, beim weniger spektakulären Tagesgeschäft, mitten im Wahlkampf. In seinem Büro stapeln sich Wahlplakate, die vor der Wahl noch von Freiwilligen an Straßenecken geklebt werden sollen.

Erst vor wenigen Tagen spazierte der CSU-Bundestagsabgeordnete mit Bürgern über den Kalkmagerrasen der Fröttmaninger Heide und hörte sich ihre Wünsche und Sorgen an. Beispielsweise, ob der dortige, aufgeschüttete Erdwall wieder eingeebnet wird und warum nächtliche Grillpartys die Anwohner stören. Das ist Wahlkampf: Den Bürgern zuhören, ihre Sorgen und Wünsche ernst nehmen.

Vor dem Abi in die CSU

Das Thema, das die Münchner im Moment am meisten beschäftigt, sagt Johannes Singhammer, sei die Überwindung der Wirtschaftskrise. Seine Antwort darauf sind Steuerentlastungen für die Bürger und bessere Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche. Dadurch, so hofft Singhammer, der im Münchner Norden als Kandidat antritt, sollen "Wachstumskräfte wieder stimuliert werden".

Johannes Singhammer wurde 1994 zum ersten Mal in den Bundestag gewählt. Politische Erfahrung sammelte er aber schon zuvor: 1972, noch vor dem Abitur, trat er in die CSU ein, 1980 wurde er Bezirksvorsitzender der Jungen Union München. Von 1987 bis 1990 leitete er das Büro des damaligen Staatsministers Peter Gauweiler, dann war er beim Grundsatzreferent im Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen tätig.

Singhammer, Vater von sechs Kindern, beschäftigen politisch vor allem soziale Themen. Und zwar schon seit Jahrzehnten: "Ich bin in der Schule zur Familienpolitik gekommen, weil ich mich nicht abfinden wollte mit den Zuständen, die mir nicht gefallen haben."

Noch heute gibt es das - Zustände, die Singhammer nicht gefallen: In der Familienpolitik vermisst er finanzielle Gerechtigkeit und eine Atmosphäre der Familienfreundlichkeit. Besonders ärgert ihn, dass Kinderlärm im Bundesemissionsschutzgesetz als Emission eingereiht wird und so Betreuungseinrichtungen verhindert werden können - weil sie zu laut sind. "Das werden wir beseitigen!", verspricht er.

"Mehr Humanität"

Sich auf die Augenhöhe eines Kindes von 90 Zentimetern begeben, müsse keine Verzwergung der Politik bedeuten, sagt Singhammer: "Es kann auch mehr Humanität bedeuten, wenn ich mich bemühe, mit den Augen eines kleinen Menschen die Welt zu sehen und auf seine Bedürfnisse einzugehen."

Geboren wurde Johannes Singhammer im Mai 1953 in München. Er machte am Albert-Einstein-Gymnasium Abitur, studierte dann Jura an der Ludwig-Maximilians-Universität.

Immer wieder nahm Singhammer während seiner Laufbahn Ämter im Feld der Sozialpolitik an: So war er von Anfang 1998 bis Herbst 2002 arbeits- und sozialpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe, seit November 2005 ist er Vorsitzender der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Persönlich und als Familienexperte liegt ihm am Herzen, verschiedene Generationen in Deutschland zusammenzubringen. Erst kürzlich hat er an einer Veranstaltung mitgearbeitet mit dem Titel "Alt und jung gemeinsam stark". Es gab ein Gespräch zwischen der jüngeren und der älteren Generation, die Veranstaltung sei sehr gut besucht gewesen. "Es war wichtig, zu sehen, dass es unterscheidliche Wünsche gibt, aber dass letztendlich das Bewusstsein fest verankert ist, dass es überhaupt nichts bringt, einen Konflikt der Generationen anzusteuern", sagt Singhammer. Von einem Kampf zwischen Alt und Jung sei aber auch nichts zu spüren: "Es ist eine Offenheit und ganz tiefe Erkenntnis da, dass ein Zerteilen in einzelne Interessen niemandem nutzt".

"Das ist eher zufällig so geworden"

Fertig ist man mit dieser Frage ganz offensichlich aber weder in Deutschland noch in der Münchner CSU: Johannes Singhammer ist mit 55 Jahren der jüngste der vier Direktkandidaten der Münchner CSU für die Bundestagswahl am 27. September.

Wie es ihm als jüngstem Münchner CSU-Kandidaten geht? "Ich fühle mich schon ziemlich erwachsen", sagt Singhammer und lacht schallend. Vier Kandidaten, alle männlich und keiner unter 50? Wie es dazu kam, kann Singhammer auch nicht so richtig erklären. Es liegt jedenfalls nicht daran, dass für jüngere Leute im Bundestag kein Platz sei: "Politische Erfahrung ist nicht schlecht, aber ich glaube, das ist eher zufällig so geworden, weil eben eine Reihe von Kollegen eben schon länger erfolgreich im Bundestag arbeitet und deshalb hat sich diese Alterkonstellation ergeben."

Über die Familienpolitik sagt Singhammer: "Das Ziel ist bei weitem noch erreicht." Für die Generationenfrage bei der CSU kann man da wohl dasselbe sagen.