Johannes Nussbaum hat sich von seinem frühen Erfolg nicht einlullen lassen. Bis der Österreicher 18 Jahre alt war, hatte er schon in etlichen Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt. Doch er legte ausbildungsmäßig nach, ging weg aus Österreich nach Berlin an die Ernst-Busch-Schauspielschule. Währenddessen spielte er in der Serie „Vorstadtweiber“ einen Schüler, der mit seiner Lateinlehrerin ein Verhältnis hat. Nussbaum marschierte weiter durch, spielte in Filmen wie „Fack ju Göhte 2“ mit und landete für sein erstes Engagement 2019 gleich mal am Residenztheater in München. Zurzeit spielt er dort als Gast und widmet sich ansonsten seiner Filmkarriere: In der Netflix-Serie „Die Kaiserin“ spielt er herrlich kinskihaft die Rolle des Erzherzogs Maximilian von Österreich. Von 23. Oktober an ist er auch im Kino zu sehen: In „Bubbles“, der dramatischen Geschichte um drei Freunde, die während eines gemeinsamen Wochenendes am Wattenmeer aneinander geraten.
Montag: Drehtage mit Sisi

Nach mehreren Drehtagen für die dritte Staffel von „Die Kaiserin“ fahre ich am Hauptbahnhof in München ein. Der erste Ort, den ich nach einer langen Reise ansteuere, ist die „Rio Bar“ am Rosenheimer Platz. Dort sitze ich meist erst einmal alleine, trinke ein Glas Wein, lese ein Buch oder schaue Löcher in die Luft. Und komme langsam wieder an. Anne Marx, Nicholas Früchtl und ihr Team haben aus dieser Bar, direkt anschließend an das Rio-Kino, einen besonderen Ort gemacht, mit hervorragenden Drinks und einer Atmosphäre, in der man sich willkommen und aufgehoben fühlen darf. Ich liebe diesen Ort sehr.
Dienstag: Relaxen in der Sauna

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken. Jetzt beginnt für mich wieder die Saunazeit. Eines meiner liebsten Ziele ist das Müller'sche Volksbad. Es bietet eine wunderschöne Saunalandschaft mit einem römisch-irischen Dampfbad und unterschiedlich temperierten Heiß- und Warmlufträumen. Ergänzt wird das Angebot durch eine finnische Sauna, Kalt- und Warmbecken sowie gemütliche Ruhezonen. Ein Rückzugsort mitten in der Stadt. Wenn man sich ausgeschwitzt hat, empfehle ich danach, sich ganz in der Nähe einen Pizza-Slice bei Pizzesco direkt am Fenster zu holen oder man setzt sich hinein, genießt das Stimmengewirr, die sehr nette Bedienung und teilt sich am besten zu zweit oder zu dritt eine Pizza al metro.
Mittwoch: Schallplatten stöbern

Schon seit einiger Zeit interessiere ich mich für analoge Fotografie. Nach einigen Wochen haben sich wieder ein paar Filmrollen angesammelt, die entwickelt werden müssen. Ich bringe sie zu „Blow Up“ im Glockenbachviertel, eine feste Institution in München, die bereits Bilder für Fotografinnen und Fotografen wie Guido Mangold, Regina Recht oder Cordula Treml entwickelt hat. Nur wenige Tage später kann ich mir die entwickelten Negative wieder abholen. Es ist immer ein kleiner Nervenkitzel, die Resultate der Fotos in Händen zu halten. Auf dem Weg nach Hause mache ich noch einen Abstecher zu Optimal Records. Der Laden bietet eine riesige Auswahl an Schallplatten, Kassetten, CDs und dazu noch tolle Bücher. Vielleicht kaufe ich mir eine Platte, vielleicht ein Buch oder ich verliere mich einfach zwischen den Regalen.
Donnerstag: Kammerspieldrama im Kino
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Heute ist ein besonderer Tag: „Bubbles“ feiert seinen deutschen Kinostart. Ein Film, den wir im Januar letzten Jahres an der Nordsee gedreht haben. Regie führte Sebastian Husak, Student an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München. Es ist sein Abschlussfilm, und ich bin stolz, Teil dieses Projekts gewesen zu sein, gemeinsam mit Leonard Scheicher, Zeynep Bozbay und Caro Cult. Der Film zeigt, wie in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft persönliche und politische Konflikte untrennbar miteinander verwoben sind bis hin zur Zerstörung lebenslanger Beziehungen. Wir hatten bereits beim Münchner Filmfest unsere Deutschlandpremiere, und nun hoffen wir, dass viele Menschen ins Kino gehen und sich unseren Film anschauen.
Freitag: Lieblingsbar

Oft zieht es mich zum Pariser Platz, in die Polka Bar, so auch heute. Vor zwei Jahren, in einer verschneiten Winternacht, es war schon spät, ein oder zwei Uhr, stapfte ich durch den Schnee. Durch eine Glastür schimmerte noch ein wenig Licht. Ich öffnete die Tür, aus der Ferne hörte ich leise Stimmen. Ich ging eine Treppe hinunter und stand plötzlich in einem wunderschönen Kellergewölbe, gefüllt mit Teak-Möbeln, eine kleine Discokugel sprenkelte warmes Licht an die Wände und den Boden. Der Barbesitzer, der sich später als Sven vorstellte, gab mir ein Zeichen, dass es okay sei, an der Bar Platz zu nehmen. Er stellte mir eine Flasche Bier hin, und wir kamen ins Gespräch. Nach mehreren Stunden verließ ich die Bar wieder mit einer neuen, schönen Bekanntschaft. Seitdem gehe ich sehr gerne dorthin und habe sogar meinen 30. Geburtstag dort gefeiert.
Samstag: Einsatz für die Demokratie

Heute Abend besuche ich die Kammerspiele. Es läuft das Panel „Demokratie in der Zerreißprobe!“, organisiert von „ausARTen“. Sapir von Abel spricht mit der Journalistin Gilda Sahebi, der Ökonomin Betiel Berhe und dem Aktivisten Benjamin Fischer über den Zustand unserer Demokratie nach der Wahl. Ich bewundere alle, die auf dieser Bühne stehen. Sie setzen sich für eine bessere Welt ein, stehen für eine weltoffene Gesellschaft und geben mir Hoffnung. Gilda Sahebi schrieb Bücher wie „Wie wir uns Rassismus beibringen“ und „Verbinden statt Spalten“. Sapir von Abel arbeitet als Kuratorin im Jüdischen Museum München und ist Teil des ausARTen-Teams. Betiel Berhe ist Expertin für Race, Class & Gender und Autorin von „Nie mehr leise – die neue migrantische Mittelschicht“. Benjamin Fischer engagiert sich für digitale Resilienz und Minderheitenrechte. Solche Veranstaltungen sind unglaublich wichtig. Es ist unsere Verantwortung, informiert zu bleiben, zuzuhören und Stellung zu beziehen.
Sonntag: Herbstspaziergang

Ich steige relativ früh am Rosenheimer Platz in die Tram Richtung Grünwald. Nach etwa einer halben Stunde steige ich an der Endstation Grünwald, Derbolfinger Platz, wieder aus und gehe den kleinen Berg hinunter zur Isar. Von dort starte ich meinen Spaziergang zurück in Richtung München. Im Herbst ist das ein wunderschöner Weg. Die Bäume leuchten in allen Rottönen und neben mir fließt die klare Isar. Das sind die Momente, die ich am meisten schätze, seit ich in München lebe. Mein Puls verlangsamt sich, ich entspanne mich und die Woche klingt langsam aus. Ein guter Abschluss.

Geboren 1995 in Wien und in Niederösterreich aufgewachsen, studierte Johannes Nussbaum von 2015 bis 2018 an der Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin. Währenddessen spielte er am Deutschen Theater Berlin und gastierte in der Regie von Ulrich Rasche am Staatsschauspiel Dresden und bei den Salzburger Festspielen. 2016 bekam er die bedeutendste österreichische Film- und Fernsehauszeichnung Romy als „Bester Nachwuchsschauspieler“ für seine Rolle in der ORF-Serie „Vorstadtweiber“. Er wurde beim Berliner Theatertreffen 2019 mit dem Alfred-Kerr-Darstellerpreis ausgezeichnet, 2020 wurde er für die Darstellung des Kevin in „Die Verlorenen“ von „Theater Heute“ zum Nachwuchsschauspieler des Jahres gekürt und erhielt den Kurt-Meisel-Förderpreis und den Bayerischen Kunstförderpreis. Von 2019/2020 war er festes Ensemblemitglied am Residenztheater und ist seit der Spielzeit 2024/2025 Gastdarsteller dort.

