Freizeit in München:Männer, lasst die Laufshirts an!

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Funktionskleider leider vergessen: sommerlicher Jogger auf der Wittelsbacher Brücke (Archivbild). (Foto: Florian Peljak)

Oben-ohne-Jogger sind ein Ärgernis. Cooler wäre es, wenn sie ihre Hemden anbehielten. Wofür gibt es nochmal Funktionskleidung?

Glosse von Dominik Fürst

Auf den Sommer in München soll man nichts kommen lassen, die heiße Jahreszeit taucht diese Stadt in noch wärmere Farben als sonst, das kühle Radler schmeckt an der Isar wie im Biergarten fantastisch, und wer herausfinden möchte, wo es die besten Pommes gibt, hat gleich acht Freibäder zur Auswahl. Von den vielen Badeseen in der Stadt und im Umland ganz zu schweigen. Zehn von zehn Punkten auf der Sonnenschein-Skala. Wollte man trotz allem spitzfindig sein und nach den nicht ganz so schönen Seiten der Stadt Ausschau halten, könnte man ihr zum Beispiel vorhalten, dass sie die wahrscheinlich höchste Angeberdichte im ganzen Freistaat aufweist. Das zeigt sich vor allem im Sommer. Womit wir bei oben ohne joggenden Männern wären.

Man begegnet ihnen in diesen Tagen auf den beliebten Laufstrecken entlang der Isar, zwischen Deutschem Museum und dem Tierpark in Thalkirchen etwa, auch im Olympiapark sollen sie schon gesichtet worden sein: immer ein bisschen schweißelnd, immer das ausgezogene T-Shirt wie eine leere Bäckertüte in der Hand zusammengeknüllt mit sich tragend, und immer mit demselben angestrengten Gesichtsausdruck, der souverän wirken soll, aber die roten Backen trotzdem nicht verbergen kann. Für den Tatbestand der Erregung öffentlichen Ärgernisses sind sie zu harmlos, fürs private Ärgernis reicht so ein Quasi-nackert-Jogger allerdings locker aus. Wofür gibt es nochmal Funktionskleidung?

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Ein Ärgernis sind die jungen Sportler (es handelt sich fast ausnahmslos um Männer unter 30, irgendwann macht das Bindegewebe dann nicht mehr mit) nicht unbedingt, weil man beim Isarspaziergang gerne mit weniger Nacktheit konfrontiert wäre. Das wäre ja spießig. Sondern vor allem deshalb, weil sie ihr männliches Privileg, nackt sein zu dürfen, wann und wo sie wollen, so aggressiv-keuchend zur Schau stellen, während Frauen vielerorts noch dafür kämpfen müssen oder gerade erst erlaubt bekommen, oben ohne in der Sonne oder im Wasser zu baden. Der Vorwurf lautet also: zu viel Testosteron, zu wenig Reflexion. Wie viel cooler wäre es hingegen, die Rechte der Frauen zu unterstützen und sich selbst in Zurückhaltung zu üben. Es könnte ja schließlich auch sein, dass es einschüchternd wirkt, wenn so ein nackter Männerkörper angerannt kommt.

Deshalb eine Bitte an alle brust- und bauchfrei sportelnden Geschlechtsgenossen: Lasst die T-Shirts an, ihr werdet es überleben. Die Mitmenschen werden es euch danken. Und schließlich geht es auch um eure Gesundheit: Das Hautkrebsrisiko ist in diesem Sommer wieder mal ein erhöhtes.

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