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Jobsuche:Krise am Arbeitsmarkt

Fast jeder dritte Beschäftige ist derzeit in Kurzarbeit

Die Zahl der Arbeitslosen steigt nach einer deutlichen Zunahme um 20 000 Jobsuchende binnen weniger Monate jetzt etwas langsamer in München, die Fälle von Kurzarbeit erreichen einen neuen Höchststand. Etwa jeder dritte Betrieb hat Kurzarbeit angemeldet. Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt in der Landeshauptstadt also weiter fest im Griff. Im Juni belief sich die Arbeitslosenquote auf 4,9 Prozent und lag damit um 0,1 Prozentpunkte höher als einen Monat zuvor. 53 565 Menschen sind nun im Bezirk arbeitslos gemeldet, wie die Arbeitsagentur berichtet. Das entspricht einer Zunahme von 1828. Vor einem Jahr lag die Quote bei niedrigen 3,1 Prozent, damals waren 33 546 Menschen ohne Job. "Kurzarbeit verhindert aktuell eine noch stärkere Arbeitslosigkeit", kommentiert Wilfried Hüntelmann, Chef der Arbeitsagentur, die Zahlen. Betriebe würden an ihren Fachkräften festhalten. "Das werte ich als positives Signal."

Seit Beginn der Pandemie und ihrer unmittelbaren Auswirkungen auf die Wirtschaft im März haben Münchner Arbeitgeber 23 376 Fälle von Kurzarbeit angezeigt. Jeder Antrag kann mehrere Arbeitnehmer oder sogar ganze Abteilungen einer Firma umfassen, berichtet Anne Beck, Sprecherin der Agentur. Für rund 330 000 Beschäftige (im April waren es noch 250 000) sind somit Anträge auf Kurzarbeitergeld gestellt worden, das sind 30 Prozent aller Arbeitnehmer in der Stadt. Wie viele letztlich tatsächlich Kurzarbeitergeld beziehen, lässt sich laut Agentur erst nach der Abrechnung aller Anträge beziffern. Um die Flut zu bewältigen, hat sich die Arbeitsagentur intern komplett umorganisiert und zusätzlich 350 Mitarbeiter mit der Bearbeitung der Fälle beauftragt. Auch Samstagsarbeit sei eingeführt worden, um insbesondere kleineren Betrieben möglichst rasch zu helfen, so Beck weiter.

Die Zahl der offenen Stellen verharrt auf niedrigem Niveau, langsam geht es aber wieder aufwärts: 1751 Stellen wurden im Juni von den Betrieben neu gemeldet, das sind 200 oder 12,9 Prozent mehr als im Mai. Jobs gibt es vor allem in den Bereichen Gesundheit und Soziales, Erziehung, sowie IT. Insgesamt registrierte die Agentur im Juni 7489 offene Stellen, das waren 5929 weniger als noch vor einem Jahr. Ein Problem bleibt die weiter steigende Jugendarbeitslosigkeit. 4405 Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jahren ohne Job wurden gemeldet, das waren 94 mehr als im Mai und 2579 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen betrug 4,3 Prozent. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen lag mit 4707 nur leicht unter dem Vorjahreswert.

© SZ vom 03.07.2020 / chro

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