bedeckt München 31°

Je zentraler, desto teurer:Keine Trendwende in Sicht

Immobilienpreise steigen weiter, auch in der Region, die aber vergleichsweise günstig ist

Von Ramona Dinauer

Knapp 650 000 Euro kostete eine durchschnittliche Neubauwohnung mit 70 Quadratmetern zum Jahresbeginn in München. Dass eine solche Immobilie bald günstiger wird, hält der Geschäftsführer des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München, Christian Breu, für unwahrscheinlich. Er geht lediglich von einer Abflachung der ständig steigenden Preiskurve aus. Corona hin oder her, eine Trendwende sei nicht in Sicht.

Bei den Bodenpreisen gelte grundsätzlich: Je zentraler, desto teurer. Während ein Quadratmeter Grund in München sowie in Neuried, Pullach und Grünwald mehr als 2000 Euro kostet, lässt sich ein Quadratmeter in mehr als 20 Kilometern Entfernung vom Münchner Stadtzentrum für unter 500 Euro erstehen. Landsberg, Freising und Erding wären demnach eigentlich weit genug weg, doch auch dort liegen die Preise laut Breu bei 1000 bis 2000 Euro. "Das Münchner Umland wächst strukturell immer mehr mit der Stadt zusammen. Dem gleichen sich die Immobilienpreise an", erklärt der Geschäftsführer. So hätten sich nicht nur in München, sondern auch in Landkreisen wie Landsberg die Preise für Bestandswohnungen in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht, bei Neubauten hätten sich die Preise verdoppelt. Und dennoch: Während man in München im Schnitt 650 000 Euro für eine 70-Quadratmeter-Neubauwohnung zahlen müsse, bekäme man eine vergleichbare Bleibe in Erding schon für knapp 380000 Euro.

Wem eine Wohnung nicht reicht, kauft sich ein Haus: Dem Planungsverband zufolge kostete ein solches Zuhause mit 120 Quadratmetern zum Jahresbeginn im Schnitt 1,16 Millionen Euro. Wer sich das nicht leisten kann, wohnt zur Miete. In den vergangenen zehn Jahren seien die Mieten in der Region München im Vergleich zu Boden- und Immobilienpreisen weniger stark angestiegen, sagt Breu, um 40 bis 50 Prozent. Der sich abflachende Anstieg lasse vermuten, dass das Maximum allmählich erreicht sei, so der Experte. Eine Blase, die platzen könnte, gebe es jedoch nicht, sagt Breu. Mit den Mietpreisen sei schließlich auch das verfügbare Einkommen gestiegen. Im Schnitt geben Münchner 23 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Miete aus, hat der Planungsverband errechnet. Dabei variiere die Mietbelastungsquote in der Region und je nach Einkommensgruppe stark. Teilweise geben die Menschen in der Stadt auch bis zu 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus, erklärt Breu. Etwa 1140 Euro Kaltmiete kostete eine 70-Quadratmeter-Wohnung Anfang 2020 in München. Knapp 680 Euro waren es in Landsberg.

Wer eines Tages in einer eigenen Immobilie wohnen möchte, müsse Geduld mitbringen. "In München braucht man doppelt so lange wie im Landkreis Erding, um sich ein Eigenheim zu finanzieren," sagt Breu. Vergleicht man die Mieten mit den Kaufpreisen, benötigt ein durchschnittlicher Haushalt in der Stadt München rund 36 Jahre, bis die Jahresmieten den Kaufpreis erreichen, im Landkreis München sind es etwa 31 Jahre. Überhaupt werde es immer schwieriger, eine Immobilie - geschweige denn ein Grundstück - im dicht besiedelten München zu finden. Die Corona-Krise werde den Münchner Immobilienmarkt wenig bis gar nicht verändern, sagt Breu. Das kurzfristig verlangsamte Marktgeschehen nehme schon wieder Fahrt auf.

© SZ vom 23.07.2020
Zur SZ-Startseite