Vorschau aufs Münchner JazzfestNeue Orte für neue Musik

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Latin-Jazz mit bayerischem Prädikat: Auch die junge argentinische Sängerin Teresa Luna tritt beim Jazzfest auf.
Latin-Jazz mit bayerischem Prädikat: Auch die junge argentinische Sängerin Teresa Luna tritt beim Jazzfest auf. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Das 36. Jazzfest der Jazzmusikerinitiative München präsentiert sein gewohnt spannend kuratiertes Programm an verschiedenen, teils neuen Münchner Spielorten.

Von Oliver Hochkeppel

Zu den Merkmalen des nun vom 23. bis 26. Oktober und am 22. November immerhin in seine 36. Ausgabe gehenden Jazzfests München gehört auch der Ortswechsel. Eine feste Bleibe hat der Vorstand der JIM-Jazzmusikerinitiative München (inzwischen seit vielen Jahren mit Andy Lutter, Sunk Pöschl, Petra Windisch und Michael Wüst besetzt) für sein feines kleines, vor allem als Plattform für die eigene Szene dienendes Festival nie gefunden.

Also macht man aus der Not jetzt eben eine Tugend. Unter dem Festival-Motto „Jazz Goes To Town“ geht es an jedem der fünf Tage an andere Orte, darunter drei ganz neue.  Geblieben sind der Blitz-Club beim Deutschen Museum (24. Oktober) sowie das Freie Musikzentrum in der Ismaninger Straße (25. Oktober). Aber los geht es in der Heilig-Geist-Kirche im Olympiadorf (23. Oktober), und nach einer Matinee im neuen Bogenhauser Bürger- und Kulturtreff Neue Ziegelei geht es am 26. Oktober zurück ins Olympiadorf, und zwar ins Forum 2. Die Neue Ziegelei im Prinze-Eugen-Park kommt dann beim Nachzügler-Tag am 22. November unter dem Titel „She’s Got The Jazz“ (die genaue Besetzung wird noch bekannt gegeben) auch abends zum Zug.

Neue Eindrücke also, und das eben auch musikalisch. Startet das Programm doch am Donnerstag in der Olympiakirche mit dem Freejazz-Trio HNT des Cellisten Jost-H. Hecker (Modern String Quartet), des Schlagzeugers Herbert Nauderer (Tour de Force) sowie des seit Jahrzehnten führenden Posaunisten der Improvisationsszene Sebi Tramontana, die ganz unterschiedlichen musikalischen Richtungen entstammen. Und mit dem von Gregor Hübner gegründeten Munich Composers Collective, das mit den wichtigsten vom Münchner Jazzinstitut kommenden jungen Jazzkomponisten und -solisten wie Monika Roscher, Matthias Lindermayr, Vincent Eberle und viele andere stets für spannende und musikalisch herausragende Konzerte bürgt.

Im Blitz Club präsentiert sich dann am Freitag zuerst Hattori Hanzi, die Elektronic-Punk-Funk-Band des auf knallige und groovende alte Orgeln und Keyboards spezialisierten Hansi Enzensperger erstmals in der neuen Besetzung mit Sascha Lüer am Saxofon, Yvo Fischer am E-Bass und Chris Holzhauser an den Drums. Anschließend ist Techno-Comedy mit Faileri Failera angesagt, dem Duo der Sängerin Verena Kemmer und Till Funke an Electronics, bevor die junge argentinische Latin-Jazz-Sängerin Teresa Luna und ihre Band mit Käthe Johanning am Klavier, Victor Vollmer an der Gitarre, Christopher Sergeant am E-Bass und Lenny Rehm am Schlagzeug fesselnde Geschichten von Aufbruch, Begegnung und Zugehörigkeit erzählen. Hier auf einer weiteren Station der Bayern-Tour, die mit dem Gewinn des Wettbewerbs des Bayerischen Jazzverbands in Kempten verbunden ist.

Jungstars der deutschen Jazzszene, leider gerade aus München nach Berlin abgewandert: Shuteen Erdenebaatar und Nils Kugelmann.
Jungstars der deutschen Jazzszene, leider gerade aus München nach Berlin abgewandert: Shuteen Erdenebaatar und Nils Kugelmann. (Foto: Uli Neumann)

Ins Freie Musikzentrum kommen am Samstag die wohl trotz ihrer Jugend aktuell größten Stars. Bis vor Kurzem Münchner, jetzt als Wahl-Berliner präsentieren Shuteen Erdenebaatar & Nils Kugelmann ihr eben noch Lightville genanntes Duo samt neuem Programm „Under the Same Stars“. Das hat ein ähnlich großes Potenzial wie die sehr erfolgreichen Programme der Pianistin und des Bassisten mit ihren jeweils eigenen Bands.

Danach verwirklicht die oft unterschätzte, schon so lange fest zur Münchner Szene gehörende Sängerin Anna Leman einen langgehegten Wunsch: Bei ihrem neuen Programm „Embrace“ veredelt neben ihrer Band ein Streichquartett ihre Songs zu einer perfekten Symbiose aus Klassik, Jazz und Impressionismus. Bevor das Duo Esencia de Bolero mindestens so anrührend die Ende des 19. Jahrhunderts in Kuba entstandenen Bolero-Lieder zelebriert. Und zwar so gut wie bisher wenige andere, wofür Lipa Majstrovic mit ihrer betörend samtigen Stimme und Klavier-Mastermind Tizian Jost mit seiner punktgenauen Begleitung bürgen.

Beim Sonntags-Frühschoppen in der Neuen Ziegelei liefert Trompeter Heinz Dauhrer mit seiner Hot Stuff HotSeven Jazzband „A Tribute to Louis Armstrongs Hot 7“. Zum Phon-starken Abschluss treffen im Forum 2 schließlich unter dem Titel „One Stage & Two Bigbands“ Tom Jahns preisgekrönte Bigband Dachau und die Bigband Olympiadorf aufeinander.

36. Jazzfest München, Donnerstag bis Sonntag, 23. bis 26. Oktober, verschiedene Spielorte, www.jazzfestmuenchen.de

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