Jazz:Pioniere und Senkrechtstarter

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Jazz: Marja Burchard, die Vibrafonistin und Leiterin des Jazzkollektivs "Embryo", in Aktion.

Marja Burchard, die Vibrafonistin und Leiterin des Jazzkollektivs "Embryo", in Aktion.

(Foto: Ralf Dombrowski)

"Embryo" und das Vincent Meissner Trio teilen sich die nächste "Jazz Summer Week" in der Unterfahrt.

Von Oliver Hochkeppel;

Ausnahmsweise wird die nächste "Jazz Summer Week" in der Unterfahrt geteilt, so brüderlich und schwesterlich, dass sie auch von fünf auf sechs Tage erweitert ist. Die ersten drei Abende gehören einer der dienstältesten Bands der Welt. Wobei Embryo mehr als nur eine Band ist: Vielmehr ein Kollektiv, das sich seit seiner Gründung 1969 durch den auch Klavier, Posaune und Vibrafon spielenden Schlagzeuger Christian Burchard immer wieder neu erfunden hat. Mehr als 400 Musiker haben bei Embryo inzwischen gespielt, neben langjährigen Mitgliedern wie Uve Müllrich, Michael Wehmeyer, Lothar Stahl, Jens Pollheide oder dem gerade gestorbenen Oud-Spieler Roman Bunka zahllose Gäste aus allen Genres, von Jazzern wie Charlie Mariano, Mal Waldron oder Marty Cook bis zu Krautrockern wie Chris Karrer (von Amon Düül) oder Roland Schaeffer (von Guru Guru).

Nicht nur, weil die Truppe mit am frühesten und intensivsten vom Goethe-Institut durch die Welt geschickt wurde (und dann auch selbst ständig unterwegs war), waren Embryo Pioniere der musikalischen Globalisierung. Ihre Offenheit für Instrumente und Besetzungen aller Art, für Stile und Genres zu einer Zeit, als das noch völlig unüblich, ja verpönt war, macht sie zu Mitbegründern der Weltmusik wie eines modernen Jazzbegriffs. Seit ihrem elften Lebensjahr spielt Christian Burchards Tochter Marja als Vibrafonistin in der Band, nach dem - viel zu frühen - Tod des Vaters übernahm sie 2016 die Leitung. An den Prinzipien der musikalischen wie menschlichen Offenheit hat sie freilich nichts geändert, und das kann man nun drei Tage lang in der Unterfahrt erleben. Am Montag in der aktuellen Besetzung mit dem Bläser Sascha Lüer, dem Gitarristen Jan Weissenfeldt, dem Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber und dem Multiinstrumentalisten Maasl Maier an Burchards Seite. Am Dienstag und Mittwoch dann durch Deobrat Mishra an der Sitar und Prashant Mishra an den Tabla - und damit um starke Einflüsse der indischen Musik verstärkt.

Jazz: Jazz-Aufsteiger der vergangenen drei Jahre: Das Leipziger Trio des Pianisten Vincent Meissner (Mitte) mit dem Bassisten Josef Ziemetz (links) und dem Schlagzeuger Henri Reichmann.

Jazz-Aufsteiger der vergangenen drei Jahre: Das Leipziger Trio des Pianisten Vincent Meissner (Mitte) mit dem Bassisten Josef Ziemetz (links) und dem Schlagzeuger Henri Reichmann.

(Foto: Gregor Hohenberg/Unterfahrt)

Gehören Embryo zu den Dauerbrennern der deutschen Musikgeschichte, so schickt sich das Vincent Meissner Trio gerade an, sich dort zu verewigen. In Leipzig zuhause, sind die drei, die nun von Donnerstag bis Samstag ihr aktuelles Programm präsentieren, fast schon Stammgäste in der Unterfahrt. Im vergangenen Jahr stellten sie dort erst ihr beim Münchner Act-Label erschienenes Album "Bewegtes Feld" vor, um wenig später im Finale des Jungen Münchner Jazzpreises anzutreten - den die gerade mal 22-Jährigen natürlich gewannen. Genauso wie der Michael-Wollny-Schüler Meissner schon 2018 den Solistenpreis bei "Jugend jazzt" und beim "Carl Bechstein Wettbewerb" in Berlin, die Band gewann bereits den Konzertpreis der Jazzopen Stuttgart, den Förderpreis der Deutschen Jazzunion und den Mitteldeutschen Jazzpreis. Nun mag das nicht viel heißen, Preise gibt es auch im Jazz inzwischen viele, doch wer die drei einmal live gesehen hat, weiß um ihre Sonderstellung. Unglaublich homogen und reif klingt dieses Trio, stets sind die Kompositionen klischeefrei, überraschend und lassen viel Raum für Improvisation.

Embryo, Mo. bis Mi., 8. bis 10. Aug.; Vincent Meissner Trio, Do. bis Sa., 11. bis 13. Aug., 20.30 Uhr, Unterfahrt, Einsteinstr. 42, Telefon 4482794, unterfahrt.de

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