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Jazz:Mit dem Groove von gestern

In die Tasten und Züge der Hammondorgel verliebt hat sich auch André Schwager.

(Foto: Jan Scheffner)

Beim "Organ Summit" in der Unterfahrt geben Münchner Musiker Live-Stream-Konzerte, zum Beispiel André Schwager.

Von Oliver Hochkeppel

Big Bands können seit langem nicht mehr auftreten - was aber kommt dem am nächsten? Die Hammond Orgel, jenes seit 35 Jahren nicht mehr gebaute Instrument, das ein ganzes Orchester ersetzen kann. Nicht nur erlebt dieser wuchtig wabernde Veteran des Groove derzeit ein Comeback, München hat sich still und leise zu seiner Hauptstadt entwickelt. Schon im Sommer sollten beim "Flying Circus" im Deutschen Museum vier Münchner Hammond-Spezialisten diese Entwicklung unter dem Titel "Munich's Finest - Jazz Organ Summit" dokumentieren - doch das Wetter spielte nicht mit. Jetzt zieht die Unterfahrt das Gipfeltreffen an zwei Tagen durch, notgedrungen ohne Publikum als Stream-Konzerte.

Die lyrische Seite der Hammondorgel wird zunächst Andreas Kissenbeck im Duo mit Hubert Winter zum Vorschein bringen. Der Organist, Pianist, Musikwissenschaftler und Professor an der Münchner Musikhochschule Andreas Kissenbeck hat sich vor allem mit seinem auf drei Alben dokumentierten "Club Boogaloo" als Orgel-Crack bewiesen. Mit dem Saxofonisten Hubert Winter spielt er im Würzburger Dom seit langem regelmäßig liturgische Improvisationen. Erst in jüngster Zeit hat sich André Schwager unter die besten Organisten Europas gespielt. In die Unterfahrt kommt er mit zwei bestens eingespielten Begleitern, die auch gemeinsam das Lehrbuch "A Rhythmic Concept for Funk/Fusion Drums" geschrieben haben: Passport -Drummer Christian Lettner und der ebenfalls lange dort beschäftigte Gitarrist Peter O'Mara. Schon seit einiger Zeit ist Lettner die erste Wahl in den Bands von Matthias Bublath. Neun Jahre lang hat der in New York von den Besten gelernt. So ist er heute der Alleskönner unter den Pianisten und Organisten. Am meisten liebt er aber immer noch den Orgel-Groove. Der wird sich hier umso reizvoller im Gespann mit dem Vibrafon entfalten, das Bublaths alter New Yorker Weggefährte Tim Collins so virtuos beherrscht wie wenige auf der Welt.

Ins große Finale des Organ Summit geht es dann mit Hansi Enzensbergers Trio mit Manfred Mildenberger am Schlagzeug und Ludwig Klöckner am Bass, dessen Name seit Jahren Programm ist: "Organ Explosion". Quer durch die Musik- und Stilgeschichte toben die drei "Retro-Futuristen" ihre Leidenschaft für "Vintage Instruments" aus und beamen die Sounds der Siebzigerjahre ins Jahr 2030.

Munich's Finest - Jazz Organ Summit, Do. und Fr., 19. und 20. August, 20 Uhr, Unterfahrt, www.unterfahrt.de

© SZ vom 18.11.2020
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