Was läuft im JazzInternationale Künstler in Hülle und Fülle

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Vielseitig, mitreißend, ans Herz gehend und mit Botschaft: die kreolische Sängerin Malika Tirolien, die wieder einmal in der Unterfahrt zu erleben ist.
Vielseitig, mitreißend, ans Herz gehend und mit Botschaft: die kreolische Sängerin Malika Tirolien, die wieder einmal in der Unterfahrt zu erleben ist. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Im November geben sich in München Jazz-Stars aus allen Erdteilen die Klinke in die Hand.

Von Oliver Hochkeppel

Wenn das Wetter jetzt wieder garstig wird, ist man abends in einem kuscheligen Jazzclub am besten aufgehoben. Nicht zuletzt, weil in diesem November alles unterwegs ist, was Rang und Namen hat. Vorneweg natürlich wieder in Richtung Unterfahrt, wo sich internationale Jazz-Prominenz die Klinke in die Hand gibt. Von Linda May Han Oh, die in den 2010er Jahren zur gefragtesten Bassistin der amerikanischen Szene aufstieg und jetzt ihr neues Album „Strange Heaven“ präsentiert (9. November), weiter zu Malika Tirolien, der in Kanada lebenden Sängerin aus Guadeloupe, die in München schon mit Snarky Puppy, Bokanté, Vox Sambou, Jacques Schwarz-Bart und ihren eigenen Bands Aufsehen erregte und nun mit dem Keyboarder und Produzenten Coulder Nash zurückkehrt (12. November).

Sie übergibt an das lebende Piano-Lexikon Uri Caine (13. November), der an Viktoria Tolstoy, seit Jahrzehnten eine Frontfrau der skandinavischen Sängerinnen-Riege, und die an den griechischen Bass-Shooting-Star Petros Klampanis (15. November). Der Reigen geht weiter mit der Trompeterin Laura Jurd, inzwischen eines der bekanntesten Aushänge-Schilder des New British Jazz  (18. November). Was auch für den Pianisten und Organisten Kit Downes gilt, selbst wenn der inzwischen bevorzugt in Berlin weilt. Er kommt generationenübergreifend mit der Grand Old Lady des experimentellen Jazzgesangs Norma Winstone (22. November).

Ob mit oder ohne ihren Ehemann und Pianisten Elliott Galvin, Laura Jurd ist eine herausragende Künstlerin des jungen britischen Jazz.
Ob mit oder ohne ihren Ehemann und Pianisten Elliott Galvin, Laura Jurd ist eine herausragende Künstlerin des jungen britischen Jazz. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Auf eine skandinavische All-Star-Band, das Arcanum Quartet (26. November) folgt eine amerikanische, das Clone Row-Quartett des Schlagzeugers und Vibrafonisten Ches Smith (27. November). Den heftigen Monat beschließen Saxofon-Star Kenny Garrett (28. November) und die charismatische Funk-Jazz-Sängerin Kennedy samt ihrer Administration rund um Keyboarder und Mastermind Ondre Pivec (29. November).

Was nicht bedeutet, dass sich nicht auch noch Platz für heimische Größen fände. Schon traditionell feiert E-Bass-Legende Wolfgang Schmid seinen Geburtstag am 11.11. auf der Bühne.  Aus Berlin kommt das Professoren-Duo Peter Weniger (Saxofon) und Paulo Morello (Gitarre) samt dem US-Quartett mit John Goldsby und Adam Nussbaum (19. November). Und aus Köln das großartige Fuchsthone Orchestra mit dem Vibrafon-Shooting-Star Evi Philippou als special guest (21. November).

Von Gregory Porter zum „nächsten großen Star der Musik-Szene“ erklärt: die in München auch schon beim „Jazz Sommer“ glänzende Sängerin Kennedy.
Von Gregory Porter zum „nächsten großen Star der Musik-Szene“ erklärt: die in München auch schon beim „Jazz Sommer“ glänzende Sängerin Kennedy. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Womit wir bei der Jazzbar Vogler wären, die auch immer öfter namhafte internationale Gäste präsentiert. Wie jetzt die kalifornische Sängerin (und Gewinnerin des Sheila Jordan Awards) Noa Levy (11. November), ihre in Graz lebende und lehrende US-Kollegin Dena De Rose (13. bis 15. November), den Wiener Saxofonisten Bernhard Wiesinger (20. November), den britisch-israelischen Saxofonisten (und umstrittenen Aktivisten) Gilad Atzmon (25. November) oder den exzellenten New Yorker Gitarristen Saul Rubin (28. und 29. November).

Auch das Bergson mischt in diesem Monat kräftig mit. Mit dem deutschen George Benson Torsten Goods (9. November), dem Piano-Zauberer (und frisch gebackenem Professor am Münchner Jazz-Institut) Omer Klein (14. November), dem neuen Projekt „Into The Light“ des famosen Multiinstrumentalisten Martin Kälberer (21. November) und dem Ausnahme-Bassisten Renault Garcia-Fons (28. November). Auch ein BR-Clubkonzert gibt es dort wieder, mit dem Duo Masako Ohta & Matthias Lindermayr (26. November).

Auch anderswo läuft mehr Jazz als üblich. Im Mucca versammelt der unermüdliche Holzbläser Udo Schindler bei Transatlantic SoundCommunications sieben herausragende internationale Improvisatoren von Jeb Bishop bis Sebi Tramontana (10. November). Stefan Noelle startet in die neue Saison seiner „Be-My-Guest“-Reihe im Studio Ackermann und im Spagat, mit Fernanda von Sachsen als erstem Gast (11. und 12. November). Beim „Jazz+“ in der Seidlvilla ist das Nürnberger Trio Flut zu Gast (11. November). Im Silbersaal des Deutschen Theaters feiert Jenny Evans ihre ersten 50 Bühnenjahre (20. November), und der Münchner Jazzsalon mit dem Journalisten Reinhold Unger sowie dem Claus Reichstaller Quintett etwas vorzeitig den 100. Geburtstag von Miles Davis (22. November).  Im Leo 17 kann man das Trio Inside Out in der sensationellen Besetzung mit Markus Stockhausen (Trompete), Florian Weber (Klavier) und Jorge Rossy (Schlagzeug) sehen (22. November). Und im Prinzregententheater schließlich hat mit Alfredo Rodriguez der jüngste kubanische Piano-Star seinen großen Auftritt (27. November).

Die Jazztage Ingolstadt sind eines der wichtigsten bayerischen Jazzfestivals

Wem das immer noch nicht reicht, der wird auch noch vor den Toren Münchens fündig. Zum Beispiel bei den Ottobrunner Konzerten, wo als nächstes Klassik-Gesangs-Star Thomas Quasthoff zusammen mit dem Trompeter Rüdiger Baldauf wieder einmal seiner Liebe zum Jazz nachgibt (15. November). In den exzellenten Jazzreihen JazzFirst im Veranstaltungsforum Fürstenfeldbruck und Jazz & More im Bürgerhaus Pullach macht das Pablo Held Trio auf seiner Tour mit dem brasilianischen Gitarristen Nelson Veras als special guest  Station (25. und 26. November).

Und dann ist da ja auch noch das neben Burghausen, Kempten und Nürnberg wichtigste bayerische Jazzfestival, die Jazztage Ingolstadt. Das zum zweiten Mal vom Schlagzeug-Star Wolfgang Haffner kuratierte, elftägige Großereignis ist bereits voll im Gange. Doch neben der „Drummers Night“ mit Magnus Öström und Moses Yoofee (11. November) sind die Schluss- zugleich auch die Höhepunkte:  die traditionelle, seit jeher hochkarätig besetzt, im zweiten Jahr im Maritim Congress Centrum stattfindende Jazzparty (14. November) und einen Tag später das „Grand Closing“ (15. November).

Unter den neun (!) Protagonisten der Jazzparty finden sich der amerikanische Trompetenstar Theo Croker, das Dieter Ilg Trio, das Ehepaar Caecilie Norby & Lars Danielsson, das unverwüstliche Acid-Jazz-Kollektiv Incognito und das Trio der fulminanten kubanischen Pianistin Marialy Pacheco. Und das „Grand Closing“ bestreiten die norwegische Sirene Rebekka Bakken mit der hr-Bigband sowie die Vokal-Ikone Lizz Wright, seit Jahren einer der hellsten Sterne am bluesigen Jazz-Firmament.

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