Was läuft in der Münchner Jazz-SzeneEin Aufgebot der Stars

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In der Unruhe liegt die Kraft: Der kanadisch-haitianische Saxofon-Showman Jowee Omicil ist eine kommende Größe.
In der Unruhe liegt die Kraft: Der kanadisch-haitianische Saxofon-Showman Jowee Omicil ist eine kommende Größe. Oliver Hochkeppel

Vom Bassisten Dave Holland bis zur Sängerin Youn Sun Nah:  Die Münchner Jazz-Highlights im März verteilen sich auf verschiedene Spielorte.

Von Oliver Hochkeppel

Mit Anlauf geht es jetzt in einen mit Namen gespickten März, bei denen Jazz-Fans mit der Zunge schnalzen. Was bald auch für den Weltenbummler, Saxofon-Guru, Multiinstrumentalisten und Showman Jowee Omicil gelten sollte. Der Kanadier mit haitianischen Wurzeln, der in den USA bei Kenny Garrett und Ornette Coleman studierte und heute in Paris lebt, ist spätestens seit dem 2023 erschienenen Album „Spiritual Healing: Bwa Kayiman Freedom Suite“, seiner Hommage an den Sklavenaufstand 1871 auf Haiti, bei den Insidern auf dem Zettel.  Aktuell klappert er die wichtigen Festivals und Clubs ab – so nun auch die Unterfahrt (25. Februar).

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Dort herrscht wie üblich die höchste Star-Frequenz. Wobei man sich die Fahrt zum norwegischen Tastenschmeichler Tord Gustavsen (27. Februar), zu Lars Danielssons All-Star-Quartett Liberetto (6. März) und zum Giganten-Duo an den Saiten Dave Holland und Lionel Loueke (25. März) sparen kann – sie sind bereits ausverkauft. Plätze frei sind noch beim diesmal für eine Hommage an den verstorbenen Pianisten Misha Alperin um den Saxofonisten Tore Brunberg verstärkten Trio von Helge Lien (4. März); beim amerikanischen Pianisten Lawrence Fields und seinem Supersonic Trio (10. März); beim sein 30-jähriges Bestehen feiernden US-Quartett Sexmob des Trompeters Steven Bernstein (14. März); beim fast genauso lange in derselben Besetzung spielenden Trio des legendären schwedischen Pianisten Bobo Stenson (17. März); bei der texanischen Fusion-Band (vom Snarky-Puppy-Label) Funky Knuckles (18. März); beim wuchtigen südafrikanischen Schlagzeuger Tumi Mogorosi (19. März); oder beim Quartett des altgedienten, bei Mostly Other People Do the Killing am populärsten gewordenen US-Saxofonisten John Irabagon (21. März).

Ein Meister des Anschlags und der „nordic sounds“: der norwegische Pianist Tord Gustavsen.
Ein Meister des Anschlags und der „nordic sounds“: der norwegische Pianist Tord Gustavsen. Oliver Hochkeppel

Man muss nicht nur in die Ferne schweifen, ein paar heimische Größen haben es auch in die Unterfahrt geschafft. Shuteen Erdenebaatar zum Beispiel, die ihr Quartett mit ihrem Partner und Co-Shooting Star Nils Kugelmann mit dem Umzug nach Berlin umbesetzt hat: Saxofon spielt nun Simon Comté, am Schlagzeug sitzt Amir Bresler (8. März). Und den in jeder Hinsicht großen Weilheimer Saxofonisten Johannes Enders kann man nicht nur am 20. März mit seinem „Tribute to Pharao Sanders: The Creator Has A Masterplan B“ hören, schon vom 1. März an kann man ihn auch als abstrakten Maler entdecken – er bestückt die nächste Ausstellung im Club mit seinen „Traumdokumenten“.

Die stärkste Konkurrenz macht der Unterfahrt diesmal das Bergson. Das geht schon am 28. Februar mit Bernhard Schülers erfolgreichem Crossover-Triumvirat Triosence los. Und steigert sich dann mit dem katalanischen Wunderpianisten Marco Mezquida (7. März), Daniel Erdmanns neuestem Velvet Revolution-Streich mit der grandiosen Schauspielerin/Sängerin Jelena Kuljic (11. März als BR-Club-Konzert), der wunderbaren kanadischen Sängerin Dominique Fils-Aimé (20. März) und Omer Kleins neuem Sextett The Poetics (21. März). Die Hausbands sind freilich nicht zu vergessen: Am 14. und 15. März präsentiert sich das neue Bergson Jazz Orchestra mit „ikonischen Hits von Sinatra bis Fitzgerald“. Und die Jazzrausch Bigband stellt ihr neues Album „For Heaven's Sake“ vor (7. März).

Eine charismatische Geschichtenerzählerin, die die Grenzen des Jazz sprengt: die kanadische Sängerin Dominique Fils-Aimé.
Eine charismatische Geschichtenerzählerin, die die Grenzen des Jazz sprengt: die kanadische Sängerin Dominique Fils-Aimé. Oliver Hochkeppel

Aber auch sonst ist jede Menge los. Im Schwere Reiter etwa steigt eine Uraufführung des Wiener Ensemble Dan mit der preisgekrönten Saxofonistin Ingrid Laubrock und dem US-Drummer Tom Rainey (1. März). Beim Jazz+ in der Seidlvilla präsentiert sich das neue Allstar-Trio Neon Dilemma mit Elias Stemeseder, Robert Landfermann und Leif Berger (10. März). Bei den schon atmosphärisch immer tollen Konzerten im Boxwerk ist Bebop-Spezialist Claus Raible mit seinem Quintett zu Gast (15. März).

Im Deutschen Theater singt Nina Michelle einen „Tribute to Jazz Vocal Greats“ (26. Februar), dann geht es mit dem Matti Klein Soul Trio groovend ab (17. März). In den Bayerischen Hof kehrt die extrovertierte Star-Saxofonistin Lakecia Benjamin zurück (18. März). In der Alten Kongresshalle präsentiert die immer umwerfende Sängerin Youn Sun Nah ihr neues Werk „Lost Pieces“ (20. März), und im Künstlerhaus gibt es feinsten klassischen Jazz mit den Three Wise Men (18. März). Apropos klassischer Jazz: Auch „München swingt“ gibt es wieder. Die 20. Ausgabe ist allerdings erstmals aus der Stadt „ausgewandert“:  ins Bürgerhaus Unterföhring (21. März).

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