Jazz-Höhepunkte in MünchenVon der Stimme Santanas bis zum Tiefton von „Wanda“

Lesezeit: 3 Min.

Nun in eigener Sache unterwegs: Ray Greene, bislang als Background-Stimme von „Santana“, „Tower of Power“ oder der „Isley Brothers“ bekannt.
Nun in eigener Sache unterwegs: Ray Greene, bislang als Background-Stimme von „Santana“, „Tower of Power“ oder der „Isley Brothers“ bekannt. (Foto: Tina Abbaszadeh)

Der Münchner Jazz der kommenden Wochen bringt Stars wie Max Mutzke, Candy Dulfer oder Al Di Meola – aber auch viele Künstler, die man kennt, ohne ihren Namen zu wissen.

Von Oliver Hochkeppel

Wir hatten während des Sommerlochs schon bis weit in den September vorausgeschaut in Sachen Jazz in München. Deshalb blicken wir jetzt schon mal in den Oktober. Mit einer Ausnahme, die es nachzutragen gilt. Am Samstag, 27. September, stellt Titilayo Adedokoun in der Unterfahrt ihr neues Album „Don’t Give Up“ vor, das gerade schon digital erschienen ist. Der Titel ist Programm: Die aus Nashville stammende Sängerin mit nigerianischen Wurzeln, die lange in München lebte und nun – mit ihren drei Töchtern – in Augsburg gelandet ist, lässt ihren Lebensweg mit durchaus dramatischen Wendungen musikalisch Revue passieren. Zu hören ist dabei nach wie vor eine der kraftvollsten und vielseitigsten Stimmen, mit klassischem Fundament, authentischem Soul, angeborenem Jazz-Feeling und großer Musical-Erfahrung.

Zurück in der alten Heimat München, mit neuem Album im Gepäck: Titilayo Adedokoun
Zurück in der alten Heimat München, mit neuem Album im Gepäck: Titilayo Adedokoun (Foto: Andreas Wening)

Fortan spielen in der Unterfahrt etliche Jazzer, die man kennen könnte, wenn auch vielleicht nicht beim Namen. Der Sänger und Posaunist Ray Greene etwa war schon die Stimme der Santana-Band, von Tower of Power oder der Isley Brothers und mit Aretha Franklin und Natalie Cole unterwegs. Jetzt stellt er sich selbst als Soul-Man der alten Schule vor (3. Oktober).  Als Montreux-Jazz- Festival-Preisträger, Begleiter vieler Stars und Schöpfer sieben hochgelobter Alben müsste auch der israelische Gitarrist Rotem Sivan viel bekannter sein, als er ist (11. Oktober). Definitiv einprägen sollte man sich die Namen Sylvie Courvoisier und Patricia Brennan. Die in New York lebende Schweizer Pianistin und die mexikanische Vibrafonistin sind gerade große Festival-Lieblinge und im Duo unwiderstehlich (14. Oktober).

Aber auch drei vielversprechende heimische Talente kann man in der Unterfahrt wieder in Augenschein nehmen: die frisch gekürten BMW Young Artist Award Preisträger. Am weitesten unbekannt unter ihnen ist die Posaunistin Marie Kuhar. Gleichwohl hat die 1,0-Abiturientin mit ihrer ersten eigenen Band bereits für Aufsehen gesorgt. Mit diesem Quartett ist sie jetzt am 7. Oktober zu erleben. 

Valentina Oefele hingegen kennen ziemlich sicher schon viele, die das nur nicht wissen. Denn dank ihrer Spezialisierung auf das eher rare Baritonsaxofon war Oefele schon mit diversen großen Namen unterwegs. Von der Jazzrausch Bigband, der Tobias Becker Bigband oder dem Sunday Night Orchestra über die Austro-Pop-Wunder Wanda und Seiler & Speer bis zu Theater- und Musicalproduktionen wie aktuell der „West Side Story“.  Bei ihrem Preisträgerkonzert am 8. Oktober ist sie nun mit ihrem eigenen Projekt Baritonia zu sehen, einem spannenden Septett unter anderem mit den prominenten Holzblas-Kollegen Anton Mangold und Alexander von Hagke.

Den Reigen eröffnet bereits am 4. Oktober der Gitarrist Elias Prinz, der mit seinem um einen modernen eigenen Stil bemühten Manouche Jazz definitiv der etablierteste der drei Geehrten ist. Wie etabliert, zeigt sich auch daran, dass er wenige Tage später, am 8. Oktober, als „Special Guest“ beim Eröffnungskonzert der Münchner Gypsy Swing Tage eingeladen ist. Parallel zum allgemeinen Aufschwung des klassischen Hot Jie 2015 gegründete Veranstaltung, die sich inzwischen im Untertitel auch „Django Reinhardt Festival München“ nennt, zuletzt mächtig Fahrt aufgenommen. Was man auch daran sieht, dass man sich schon Wochen vorher sputen muss, um noch Karten zu ergattern.

Nachdem sich die Crème de la Crème der Münchner Gypsy Swing Szene im Collectif Django zur Eröffnung erstmals im Institut français versammelt, geht es tags darauf mit dem Trio des belgischen Gitarrenswing-Pioniers Fapy Lafertin wieder ins angestammte Theater im Fraunhofer. Dort spielt am Freitag, 10. Oktober, auch Tchavolo Schmitt, Herz und Seele der französischen Sinti-Swing-Community. Das große Finale mit dem Django Drom Hot Club aus Wien plus Wawau Adler steigt am 11. Oktober im Silbersaal des Deutschen Theaters.

Für seine mitreißende Art, den Hot Jazz eines Django Reinhardt in die Gegenwart zu überführen, hat der junge Elias Prinz schon einige Preise einheimsen können.
Für seine mitreißende Art, den Hot Jazz eines Django Reinhardt in die Gegenwart zu überführen, hat der junge Elias Prinz schon einige Preise einheimsen können. (Foto: Oliver Hochkeppel)

Eine große Party mit viel Jazz, namentlich der Jazzrausch Bigband und Kilian Sladek steigt am 10. Oktober im Bergson, wenn man das einjährige Bestehen feiert. Und damit sind wir bei den großen Namen der kommenden Wochen, die wirklich jeder kennen könnte. Da ist einmal Max Mutzke, der bei seinem neuen Projekt „Soul viel mehr“ gemeinsame Sache mit der SWR Bigband macht und es am 2. Oktober im Circus Krone vorstellt. Und in der Isarphilharmonie hätten wir erst die Vorzeige-Funk-Saxofonistin Candy Dulfer, über die Prince einst gesagt haben soll: „When I want sax, I call Candy“ (11. Oktober). Und schließlich den Gitarren-Geschwindigkeitsweltrekordler Al Di Meola, der München als seine zweite Heimat betrachtet und im Juli hier auch seinen 71. Geburtstag feierte. Zuletzt präsentierte er seine alten wilden Electro-Fusion-Sachen, jetzt geht es im Trio wieder braver zu (13. Oktober).

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