Der Jazz in München legt im Februar eine kleine Atempause ein, bevor sich im März wieder diverse große Namen und Must-haves die Ehre geben. Zeit für Entdeckungen also.
In der Unterfahrt gilt das zum Beispiel für das Programm „Female Instincts“, bei dem sich der Münchner Piano-Guru Tizian Jost wieder mit der Sängerin und Sprachkünstlerin Katrin Avison zusammengetan hat, um sinnliche Texte von Lyrikerinnen und Autorinnen wie Hannah Arendt, Rose Ausländer, Emily Dickinson oder Maya Angelou zu vertonen (6. Februar). Oder für die preisgekrönte und viel beschäftigte, aber in unseren Breiten noch unterschätzte Hamburger Bassistin Lisa Wulff, die ihr neues Programm in einem Quartett mit den Münchner Cracks Philipp Schiepek und Valentin Renner vorstellt (7. Februar).

Und wer bislang geglaubt hat, Bass und Schlagzeug alleine wären für ein Konzert zu wenig, der kann sich vom israelischen Bassisten Adam Ben Ezra und dem kubanischen Drummer Michael Olivera eines Besseren belehren lassen. Auch ihr neues Album „Heavy Drops“ ist ein spektakulärer, wilder, fast orchestraler Ritt (12. Februar).
Mit Bands und Projekten wie Le Petit Chien, Misery Loves Company, Curiosities of Nature, Rosebud, Criss Cross Trio, Metal, Wood & Wire oder zuletzt Mostly Monk ist der Gitarrist Geoff Goodman seit Jahrzehnten ein Genre-erweiternder Fixstern der Münchner Jazzszene. Wer ihn trotzdem immer noch nicht so recht auf dem Zettel hat, sollte sein Geburtstagskonzert zum 70. mit Weggefährten und Freunden nicht verpassen (14. Februar).
Eine nationale Größe ist seit 20 Jahren das Pablo Held Trio, das allein schon durch sein früheres Label Pirout enge Beziehungen zu München hat. Seit einiger Zeit erweitern sie ihr Trio gerne mit prominenten Gästen. Jetzt ist es niemand Geringeres als der Star-Saxofonist Chris Potter. Ein Highlight des Monats, das erstaunlicherweise noch nicht ausverkauft ist (18. Februar). Ebenfalls seit genau 20 Jahren im Geschäft, aber bei uns gänzlich unbekannt ist das famose, wirbelwilde französische Quintett Ozma um den Schlagzeuger Stéphane Scharlé (19. Februar). Ein echter Tipp, genau wie die junge Saxofonistin Sarah Hanahan, die vom US-Magazin Down Beat im vergangenen Jahr zum „Rising Star“ ausgerufen wurde (20. Februar).
Aber auch anderswo gibt es viel zu entdecken. Im Vogler zum Beispiel den nicht unumstrittenen, immer politisch engagierten israelischen Saxofonisten Gilad Atzmon (11. Februar), den auf über 70 Alben präsenten deutschen Saxofon-Veteran Paul Heller mit seinem feinen Quartett (12. und 13. Februar) oder den New Yorker Saxofonisten Nick Hampton (25. und 26. Februar). In der Jazz-plus-Reihe in der Seidlvilla kann man nachprüfen, warum die spanische Pianistin Martha Sanchez in ihrer Wahlheimat New York aktuell ebenfalls hoch gehandelt wird – und vom Jazz-Magazin Down Beat heuer zum „Rising Star“ gewählt wurde. Sie spielt die Pianisten-Königsdisziplin: solo (18. Februar).

Drei feine Sachen gibt es im Barbastelle-Club des Bergson: Holzbläserin Rebecca Trescher kommt im BR-Clubkonzert mal nicht in der zuletzt üblichen großen Besetzung, sondern mit ihrem Quartett (11. Februar). Der Münchner Sänger Kilian Sladek holt sich den Trompeter Joo Kraus für einen Abend mit feinstem Soul-Jazz (13. Februar). Und mit den drei Französinnen von Nout sind aktuelle Festival-Lieblinge zu Gast. Weil sie beweisen, dass man es auch mit Harfe, Flöte und kleinem Schlagzeug richtig krachen lassen kann (20. Februar). Der Akkordeon-Revoluzzer Vincent Peirani wiederum ist schon ein etablierter Star – und spielt dementsprechend im großen Elektra-Saal (21. Februar).
Schlagzeuger und Chansonnier Stefan Noelle hat in seiner „Be My Guest“-Doppel-Reihe im Ackermannbogen und im Spagat diesmal Lipa Majstrovic, Titzian Jost und Paul Tietze mit ihrem grandiosen Bolero-Programm zu Gast. Wegen eines Wasserschadens geht es aber am ersten Tag erstmals ins TamS-Theater (10. und 11. Februar). Zweimal schaut auch der Kölner Schlagzeuger Jens Düppe vorbei: In der Pasinger Fabrik trifft er auf die Schauspielerin Katharina Bach (22. Februar), mit seinem exzellenten Quartett kommt er dann ins Ismaninger Kallmann-Museum (27. Februar).

