JapandultStreit um Verkauf von Limonaden eskaliert

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Die Inhaberin der Neuhauser Konditorei Tanpopo, Kanako Okada-Ohm, fühlt sich ungerecht behandelt.
Die Inhaberin der Neuhauser Konditorei Tanpopo, Kanako Okada-Ohm, fühlt sich ungerecht behandelt. (Foto: Catherina Hess)

Die Konditorei Tanpopo ist seit 2013 auf der Japandult mit einem Stand vertreten. Verkauft hat die Betreiberin Kanako Okada-Ohm dort über viele Jahre Backwaren und Matcha-Latte. Nun aber wurden sie ausgeladen.

Von Jacqueline Lang

Kanako Okada-Ohm möchte keinen weiteren Streit, aber sie ist auch wütend: Denn eigentlich wäre sie mit ihrer Konditorei Tanpopo an diesem Sonntag  mit einem Stand auf der Japandult vertreten gewesen. So wie seit 2013 jedes Jahr. Nun aber wurde sie kurzfristig ausgeladen. Und das am Ende alles wegen ein bisschen japanischer Limonade. So zumindest sehen Kanako Okada-Ohm und ihr Mann Heinz Ohm das.

Seit es die Japandult gibt, haben die beiden dort ihre Backwaren verkauft, dazu Matcha Latte. Im Feierwerk, wo die Veranstaltung anfangs stattfand, war klar, dass für weitere Getränke die Betreiber der Location zuständig sind. In der alten Kongresshalle, wo das Event seit 2023 stattfindet, galt diese Regelung laut Okada-Ohm aber nicht. Deshalb kam sie vergangenes Jahr auf die Idee, das Sortiment um japanische Limonaden zu erweitern. Auch dieses Jahr wollten sie diese anbieten.

Matcha Latte und japanische Backwaren hat Kanako Okada-Ohm viele Jahre lang auf der Japandult angeboten. Heuer wird sie mit ihrer Konditorei erstmals nicht vertreten sein.
Matcha Latte und japanische Backwaren hat Kanako Okada-Ohm viele Jahre lang auf der Japandult angeboten. Heuer wird sie mit ihrer Konditorei erstmals nicht vertreten sein. (Foto: Catherina Hess)

In einer Mail von Veranstalterin Claudia Albert vom 27. Juni hieß es dann plötzlich, um „eine Dopplung mit den Getränken“ zu vermeiden, möge man doch bitte keine Limonaden mitbringen. Den Getränkeverkauf bei dem Event werde ihr Sohn übernehmen. Aus Sicht von Albert eine rein unternehmerische Entscheidung – und eine im Sinne der Nachhaltigkeit: Die japanischen Limoflaschen sind keine Mehrwegflaschen. Die hausgemachten Yuzu- und Matcha-Limonaden ihres Sohnes passten da besser ins Konzept.

Aus Sicht von Okada-Ohm indes ist das Getränkeverkaufsverbot ein Affront. Vor allem, weil Alberts Sohn, ein Konditor aus Lübeck, schon seit Jahren ebenfalls japanische Backwaren anbietet. Entsprechend wütend fiel dann auch die Nachricht aus, die sie Albert auf den Anrufbeantworter sprach. Die rief nicht zurück, lag sie doch eigenen Angaben zufolge krank im Bett. In einer Mail schreibt sie aber später, sie empfinde die Kommunikation als „nicht wertschätzend“. Und sie schreibt: „Wenn du nicht dabei sein möchtest, überweise ich dir die Teilnahmegebühr zurück.“ Weil sie daraufhin keine Antwort erhält, teilt Albert Okada-Ohm am 1. Juli folgendes mit: Ihr Team habe entschieden, die Konditorei Tanpopo von der Teilnahme auszuschließen.

Albert wirft der Konditorei Tanpopo vor, sich vertragswidrig verhalten zu haben

Darauf antwortet Ohm, dass man „selbstverständlich“ an den beiden Japandulten im Sommer und Winter teilnehmen werde, die Standgebühren seien ja bereits bezahlt. Wie im Vertrag geregelt, werde man lediglich Kuchen und Gebäck sowie Matcha Latte anbieten. Man könnte das als Einsicht deuten. Albert aber versteht es als weitere Respektlosigkeit: Man könne sich doch nicht einfach über eine „Teamentscheidung“ hinwegsetzen. Im übrigen sei der Standplatz bereits anderweitig vergeben. Und, auch das schreibt Albert: Mit dem Verkauf der Limonaden habe sich die Konditorei Tanpopo „vertragswidrig“ verhalten.

Spätestens jetzt sind die Fronten verhärtet. In einem Schreiben vom 3. Juli duzen Okada-Ohm und Ohm ihre einstige Weggefährtin nicht mehr. Stattdessen fordern sie eine „umgehende Rückerstattgung“ der Standgebühren sowie eine „schriftliche, ordentliche Kündigung“. Man behalte sich „eine Teilerstattung der zu erwartenden Umsatzgewinne für 2025“ vor, wegen der durch die Planung entstandenen Kosten. Laut Ohm gab es auf dieses letzte Schreiben bislang keine Antwort – und kein Geld.  Albert erklärt das auf Nachfrage damit, dass sie den Fall ihrer Anwältin übergeben hat.

Albert hat den Verkauf von Getränken übrigens auch anderen Ausstellern untersagt, dem japanischen Feinkostladen Mikado etwa. Dessen Betreiber hätten sich daraufhin entschieden, nicht mehr teilzunehmen, zu gering sei der zu erwartende Umsatz. Für Albert ist diese Entscheidung „schade, aber verständlich“.

Wie die Sache im Fall von Tanpopo so aus dem Ruder laufen konnte, können sich beide Frauen nicht erklären. Was aber in den Gesprächen klar wird: Beide fühlen sich ungerecht behandelt, missverstanden. Okada-Ohm sagt aber auch: Sie habe „wunderschöne Erinnerungen“ an die Jahre auf der Japandult. Ob sie dort aber noch einmal einen Stand haben wird? Mehr als ungewiss.

Am Wochenende geht es für sie nun auf jeden Fall erst einmal zurück zu den Anfängen: Aufs Japanfest im Englischen Garten, aus dem einst die Japandult entstanden ist. Dass die beiden Veranstaltungen in diesem Jahr auf den gleichen Tag fallen, ist übrigens reiner Zufall: Claudia Albert hat in der alten Kongresshalle keinen anderen Termin bekommen.

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