Nein, sein Premierminister hat ihn noch nicht angerufen. „Ganz sicher nicht“, sagt Jan Lisiecki und lässt sich zum ersten und einzigen Mal in diesem Gespräch von einem kleinen Lachanfall packen. Zwei Sekunden später, die Haltung ist wieder gefunden, überlegt er: Eigentlich wäre das keine schlechte Idee. Schließlich gab es zu Zeiten des Kalten Krieges rege Diplomatie, die auf Klavierdeckeln oder mit Geigenbögen ausgeführt wurde. Einen besseren Kandidaten als Lisiecki gäbe es dafür kaum.
Starpianist Jan Lisiecki im PorträtDer Diplomat am Klavier
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Der kanadische Pianist Jan Lisiecki liebt den kulturellen Austausch und wird global gefeiert. Warum er Konzerte in den USA nicht absagen würde und dort sogar Entschuldigungsgesten erlebt – ein Gespräch über das Politische in der Kunst in einer vertrackten Welt.
Von Paul Schäufele
