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Jan Delay in München:Disko für ein besseres Leben

Elegant gestylt, eine Big Band im Rücken und viel gute Laune: Bei seinem Konzert im Münchner Zenith zeigt Jan Delay, dass er ein begnadeter Entertainer ist.

Der selbst ernannte Chefstyler und Disko-Prinz der Nation wippt mit den Hüften und tänzelt auf der Bühne hin und her, dass sein eigentlich pinkfarbenes Hemd bereits nach kurzer Zeit dunkelrot ist - so viel Schweiß lässt der Hamburger bei seiner Show.

Der Rhythmus von Jan Delays Musik geht jedem sofort ins Blut. Die gute Laune, die er verbreitet, ist ansteckend. Das Publikum im Münchner Zenith tanzt, lacht, singt mit. Bei dem Konzert am Mittwochabend zeigte Delay wieder einmal, dass ihm in Sachen Entertainment so leicht keiner etwas vormacht.

Hellblauer Anzug, Krawatte, Hut - das ist Delays Disko-Outfit. Irgendetwas zwischen Saturday-Night-Fever und Frank Sinatra. Und auch seine Musik erinnert an die guten alten Zeiten. "Wir Kinder vom Bahnhof Soul", sein drittes Soloalbum, ist eine Funkplatte geworden. Den Groove der siebziger Jahre wiederbeleben, das will der Hamburger. Seine Band Disko No. 1 passt dazu wie die Faust aufs Auge. Fette Bläsersätze, treibender Bass und drei röhrende Background-Sängerinnen - die zehnköpfige Band ist schlichtweg großartig.

Glamourös trägt die Big-Band die Stücke des neuen Albums ("Oh Johnny", "Large", "Disko") vor, genauso wie die älteren Stücke ("Klar") oder die Coverversionen, wie etwa "Türlich, Türlich" (Delays Version von Cameos "Word up"). Er wolle die deutsche Seele entkrampfen, hat er einmal als seine Mission beschrieben. Und ohne Frage gelingt ihm das ziemlich gut.

Seine Musik geht direkt in die Beine. Mit frechen Sprüchen, Witze über Uli Hoeneß und kreativen Dance-Moves heizt er das Publikum an. Sehr symphatisch kommt der Hamburger rüber, sehr authentisch. Die Band bleibt bei der ganzen Show im Übrigen nicht im Hintergrund. Jeder Einzelne stellt sich mit einem gerappten Reim vor. Jedes Bandmitglied hat seine Rolle bei der großen Sause.

Im Jahr 2010 ist Delay erwachsen geworden. Begonnen hat er einst als HipHopper mit Jeans und Kapuzenpulli. Den ersten großen Hit "Liebes Lied" landete er 1998 zusammen mit seinen Rapper-Kollegen von den "Absoluten Beginnern". 1999 interpretierte er dann Nenas "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" als Reggae-Nummer. Heute hat er sich den eleganten Anzügen und dem Soul verschrieben.

Auch seine Texte sind weniger kritisch als damals. Nahm er früher noch klar politisch Stellung ("Söhne Stammheims"), stehen heute eher Alltagsbeobachtungen im Mittelpunkt ("Überdosis Fremdscham").

Eher Party als Politik ist angesagt - das aber immer mit viel Stil und Ästhetik. Hemmungslos covert er aber auch Gassenhauer wie "Pump up the jam" oder "Remmidemmi", genauso wie Ohrwürmer von den Backstreet Boys oder Usher. Und so verbreitet der Entertainer vor allem jede Menge Spaß und lässt bei seinem Konzert kaum Wünsche offen.

Delay will auf seine Art Deutschland verbessern. Und das gelingt ihm auch.