BRSO:Poesie in Bewegung

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Die Geigerin Lisa Batiashvili verzaubert beim BRSO - damit ist sie nicht allein.

Von Egbert Tholl

Es ist unbestreitbar großartig, wie Lisa Batiashvili das Publikum in der Isarphilharmonie zu höchster Konzentration auffordert. Was sie macht, funktioniert in diesem Saal außerordentlich gut: die bezwingende Poesie des Leisen. Batiashvili sind alle Gesten hohlen Auftrumpfens grundsätzlich fremd, hier spielt sie nun den Solopart von Sibelius' Violinkonzert, als wäre dieser nicht monströs, sondern ein oft berückend zarter Gesang. Sie spielt so präzis wie geradezu enthemmt lyrisch, sie wärmt, sie verzaubert. Und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nimmt unter Jakub Hrůša glücklich die Rolle des Dienens an, eines Miteinanders, bei dem das Orchester alles tut, um Batiashvili alles zu ermöglichen.

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Im ersten Satz wiederholt Sibelius mit großer Sturheit wieder und wieder die herrliche Melodie, die ihm da einfiel. Und Batiashvili schafft mit Leichtigkeit, diesem Thema bei jeder Wiederkehr eine neue Farbe, eine leichte Verschiebung im Gestus mitzugeben. Das führt zu einer begeisternden Lebendigkeit, die unmittelbar zum zweiten Star des Abends führt: Rosa Montañés Cebriá. Sie hilft an diesem Abend an den Pauken aus, sie strahlt darüber eine umwerfende Freude aus. Ihr Spiel ist selbstverständlich perfekt, einfallsreich, vor allem aber unglaublich musikalisch. Ihr zuzuschauen, ist pure Faszination, ist Poesie in Bewegung. Zu Beginn des dritten Satzes gibt es einen Dialog zwischen Geige und Pauken. Rosa Montañés Cebriá greift zu harten Schlägeln, spielt trocken, hart - und auf einmal ist Sibelius' Stück rasend modern.

Sie wird vom ganzen Publikum gefeiert am Ende dieses Konzerts, in dem zwei Stücke von Bohuslav Martinů den Sibelius rahmen, die erste Symphonie und die "Les fresques de Piero della Francesca", überbordend einfallsreiche Stücke, bei denen Hrůša und das Orchester tollen, genau durchgestalteten Klang zaubern. Die Perfektion der vielen Wechsel zwischen Stilen und Farben, die dynamischen Abstufungen sind atemberaubend.

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