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Jahreswirtschaftsbericht:Der Stadt fehlen Gewerbeflächen

Bis zum Jahr 2030 werden bis zu 166 weitere Hektar benötigt

Wohnungen ja, aber bitte auch die Gewerbeflächen nicht vergessen: Bürgermeister Josef Schmid (CSU) mahnt dringend die Ausweisung neuer Areale für die Wirtschaft an. Aktuell gebe es keine freien Gewerbeflächen mehr, bis 2030 würden aber zwischen 48 und 166 Hektar zusätzlich benötigt. Im städtischen Wirtschaftsreferat, dessen Leiter Schmid in Personalunion ist, haben sich allein zwischen Januar 2015 und Februar diesen Jahres 227 expansions- oder zuzugswillige Unternehmen vorgemerkt, die allein etwa 40 Hektar zusätzlichen Grund brauchen könnten. Auch freie Büroflächen seien kaum noch zu haben.

Auslöser der großen Nachfrage ist der anhaltende Boom in der Landeshauptstadt, deren Wirtschaft im vergangenen Jahr deutlich stärker gewachsen ist als im bayerischen oder auch deutschen Durchschnitt. Münchens größter Vorteil ist dabei das außerordentlich breite Branchenspektrum, so Schmid bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts für 2015. "Vielfalt erzeugt Stabilität." Nahezu alle für die deutsche Volkswirtschaft bedeutenden und als besonders zukunftsfähig betrachteten Wirtschaftszweige seien in München vorhanden - und bildeten sogar die Branchenschwerpunkte. Viele Betriebe konzentrierten zudem ihre Forschung und Entwicklung in München. Besonders bedeutsam seien Elektrotechnik, Mediensektor, Automobilbau, Medizintechnik und Biotechnologie. Bei der Kultur- und Kreativwirtschaft "wird München von der EU-Kommission in einem Atemzug mit Paris und London genannt", berichtet Schmid. Dem CSU-Politiker liegt speziell der Ausbau der Start-up-Szene am Herzen, die nicht so auf Berlin zentriert sei, wie es immer heiße.

Das Münchner Bruttoinlandsprodukt beträgt 94,3 Milliarden Euro - die Zahl stammt allerdings von 2013, da das Statistische Landesamt die regionalen Werte nur mit Verzögerung liefert. Dies entspricht einem Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bayernweit liegt die Steigerung bei nur 2,7 Prozent, bundesweit bei 2,4 Prozent.

Die gute wirtschaftliche Lage hat zur Folge, dass die Münchner deutlich mehr Geld zur Verfügung haben als alle anderen deutschen Großstadtbewohner: 30 786 Euro pro Jahr und Einwohner, das sind 38 Prozent mehr als der bundesdeutsche Schnitt. Die Nummer zwei, Düsseldorf, kommt auf 25 937 Euro, der Dritte Frankfurt auf 24 668 Euro. Die Zahl der Arbeitsplätze konnte Schmid zufolge nicht mit dem Wirtschaftswachstum mithalten. Dennoch habe München mit fast 800 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen neuen Rekord erreicht.

Mit spürbaren Nachteilen durch den Brexit rechnet Schmid nicht. Zwar sei es "sehr bedauerlich", dass die Briten einen Schritt zurück gemacht hätten. Die Münchner Wirtschaft verfüge aber über ein breites Fundament, der Handel mit Großbritannien sei vergleichsweise überschaubar. Knapp 6000 Briten lebten in München - das sind 2,8 Prozent der EU-Ausländer und 1,5 Prozent der Ausländer insgesamt.