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Fischrestaurant Schlachthofviertel "Italfisch":Im Bauch der Stadt

Einst war das Italfisch ein kleiner Fischladen. Inzwischen betreiben die Antichis mitten im Schlachthofviertel ein edles Spezialitätenrestaurant - geblieben ist der rustikale Charme.

Während das Viertel rund um den Gärtnerplatz immer szeniger und hipper wird, hat sich München jenseits des Alten Südfriedhofs einen erstaunlich dörflichen Charakter bewahrt. Nachts sind hier Obst- und Gemüsetransporter unterwegs, um die Stände des Großmarktes, den Bauch der Stadt, zu füllen. Untertags trifft man sich zwischen Metzgerei und Bäckerei und hält einen Plausch mit den Nachbarn auf der Straße. An diesem Ort, zwischen Gleisen, Großmarkt und Schlachthof, betreiben Melanie und Daniel Antichi das Italfisch in zweiter Generation.

Wolfsbarsch und Steinbutt: Das Italfisch ist ein Spezialitätenrestaurant, in dem sich alles um Fisch dreht.

(Foto: Foto: Anna Fischhaber)

Mit den Jahren ist aus dem Straßenverkauf ein Bistro und schließlich ein edles Restaurant geworden. "Mein Vater hat den ersten Fischladen hier im Eck eröffnet", erzählt Melanie Antichi. "Aber irgendwann kam er mit seinem Familienbetrieb gegen die größere Konkurrenz nicht mehr an." Und so ist aus dem Laden ein Lokal geworden. Das war 1991. Heute ist das Italfisch stadtbekannt. Sogar Kundschaft aus dem fernen Starnberg traut sich in die schmucklose Zenettistraße, um hier maritime Spezialitäten zu genießen.

Ein Businesstreff ist aus dem Restaurant dennoch nicht geworden. Wie das Schlachthofviertel hat sich auch das Lokal seinen rustikalen Charme bewahrt: An den eierfarbenen Wänden hängen Aquarelle vom venezianischen Karneval, das Möbiliar ist ebenso wie die Vertäfelung in hellem Birnenholz gehalten. In der Mitte des Gastraumes thront eine Art Altar mit Flaschen und Fläschchen. Modern wirkt das Italfisch nicht gerade, eher gediegen und grundsolide.

Als wir zum Aperitif einen Sprizz, Prosecco mit Aperol (6 Euro), bestellen, fragt eine ältere Dame am Nebentisch erstaunt, was denn das nun wieder für ein Modegetränk sei. Viele Besucher des Italfisch, die meisten um die 50 aufwärts, sind Stammgäste. Der Ober duzt sie alle wie alte Bekannte und uns, obwohl wir zum ersten Mal hier sind, gleich mit. Vielleicht weil Fischessen Vertrauen in den Wirt und das Restaurant erfordert.

Ein Traum aus Rind und Ruccola

Auch eine Speisekarte gibt es im Italfisch nicht. Stattdessen informieren handbeschriebene Tafeln an der Wand über das täglich wechselnde Angebot an Fischen und Meeresfrüchten. Der Fokus liegt auf Grillspeisen. Die Auswahl ist überschaubar: vier Vorspeisen, ein paar Nudelgerichte - primo plato, wie es in Italien heißt - und als Hauptgericht Fisch. Die Weinkarte ist reichhaltiger, passend zum Essen liegt der Schwerpunkt auf Weißweinen aus Italien.

Zur Begrüßung gibt es aus der Küche, wo Daniel Antichi herrscht, eine geschäumte Artischockensuppe. Allerdings scheinen die Zutaten knapp - zumindest serviert der Ober nur so viele Süppchen wie Vorspeisen bestellt wurden. Dass der eine oder andere Gast leer ausgeht, scheint ihn nicht zu stören. Als Antipasti probieren wir einen warmen Salat aus Calamari und Pfifferlingen (10,50 Euro) und ein Carpaccio (10,50 Euro). Letzteres erweist sich als Traum aus hauchdünnem rosa Rindfleisch und frischem Ruccola und dient als Beweis, dass der Koch nicht nur mit Wassertieren gut kann.

Die Pasta ist in Petersilie ertränkt

Um uns einen Überblick über die Vielzahl an Spezialitäten zu verschaffen, wählen wir anschließend Pesce Misto, die gegrillte Fischplatte mit Seezunge, Seeteufel, Schwertfisch, Langustinen, Calamares, Jakobsmuschel und Scampi (22,50 Euro). Eine Beilage gibt es nicht, nur eine raffinierte Soße aus Öl - rustikal ist im Italfisch eben nur die Einrichtung, während die Küche als modern gelten kann. Dementsprechend überschaubar sind die Portionen.

Wem der Fisch nicht mundet, kann sich an die Pastagerichte halten. Als Spezialität des Hauses gelten die Spaghetti Vongole (mit Venusmuscheln), die Vater Sergio bereits in seinem Bistro vor einem Vierteljahrhundert anbot. Wir entscheiden uns für die Strozzapretti (11,50 Euro). Auch die sind selbstgemacht und wirken äußerst frisch. Leider wurde die Pasta bei unserem Besuch in Petersilie ertränkt, andere Geschmacksstoffe haben kaum eine Chance.

Das Dessert entschädigt uns. Hausgemachter Tiramisu, Panna Cotta und Creme Brulee (6,50 Euro) stehen zur Auswahl. Wir entscheiden uns für letztere und bereuen es nicht - unter der harten Zuckerschicht entpuppt sich der süße Nachtisch als äußerst cremig. Dazu werden Früchte serviert und ein Grappa. Mit einem wohligen Gefühl in der Magengegend verlassen wir schließlich das Italfisch. Das Schlachthofviertel liegt bereits in tiefem Schlaf, bevor in ein paar Stunden der Bauch der Stadt wieder zu grummeln beginnt.

Ristorante Italfisch, Specialita Di Pesce, Zenettistraße 25, 80337 München, Tel: 776849, www.italfisch-muenchen.de, Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 11.30 - 14.30 Uhr, 18.30 - 1.00 Uhr (Küche bis 22.00 Uhr), Sa./Feiertage: 18.30 - 1.00 Uhr (Sonntags geschlossen)

Italfisch

Im Bauch der Stadt