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Ismaning:Es geht nicht nur um den Unterricht, sondern auch um den Kontakt

Weltweit sind nach Auskunft des Unternehmens inzwischen 560 Avatare von No Isolation im Einsatz, unter anderem in Norwegen, Schweden, den Niederlanden und Großbritannien. In Deutschland sind es bislang 13, Tendenz steigend. Im März starteten die ersten Pilotprojekte unter anderem an der Berliner Charité und am Kinderkrebszentrum der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Der Avatar kann für rund 300 Euro pro Monat gemietet werden, beim Langzeitmodell kostet er knapp 3000 Euro im Jahr, inklusive Wartung, App und einer Datenflatrate. In Norwegen setzten bereits einige Kommunen und Schulen die Avatare ein, sagt Vestneshagen von No Isolation; in Schweden gab es einen erfolgreichen Pilotversuch mit dem Kinderkrebsfonds.

In Deutschland zählen bislang vor allem Krankenhäuser und Krankenkassen zu den Kunden. Doch das 2015 gegründete Unternehmen sieht noch weit mehr Potenzial, die Entwickler des Avatars gehen einer eigenen Studie zufolge von etwa 75 000 Kindern in Deutschland aus, die längerfristig im Unterricht fehlen. Sie wollen deshalb vermehrt auch an die deutschen Schulbehörden, private Schulträger und Organisationen der Familien- und Krebshilfe herantreten.

Schließlich lassen sich Willi und seine Kollegen nicht nur im Klassenzimmer einsetzen. Mit einem Gewicht von etwa einem Kilo ist der Avatar leicht genug, um mitgenommen zu werden, sei es zu Ausflügen oder auf den Pausenhof. Ein Aspekt, der auch die Schülereltern in Ismaning überzeugt hat. "Es geht ja nicht nur darum, den Unterricht mitverfolgen zu können, sondern noch viel mehr darum, den Kontakt zu den Mitschülern zu halten, auch wenn man länger nicht da ist", sagt Johanna Scharl, Vorsitzende des Elternbeirats. Die Realschule will Willi nun zwei Jahre testen. Wenn er sich bewährt und weiterer Bedarf besteht, könne man sich vorstellen, noch weitere Avatare anzuschaffen, sagt Schulleiter Ambrosi.

Grundvoraussetzung dafür, dass der Roboter zum Einsatz kommt, ist freilich, dass die Lehrer und Eltern der betroffenen Schüler im Klassenzimmer zustimmen. "Der Datenschutz war für uns ein ganz wichtiger Punkt", sagt Ambrosi. Man habe diesbezüglich noch keine Probleme gehabt, sagt Vestneshagen. Die Video- und Audiodaten werden vom Avatar live und doppelt verschlüsselt auf das Tablet des Nutzers übertragen. Den Livestream aufzunehmen oder Screenshots zu machen, erlaubt die App nicht. Ist ein Schüler nicht damit einverstanden, dass er über die Kamera zu sehen ist, könne man einen Sichtschutz aufbauen und so das Blickfeld des Avatars begrenzen.

Dafür, dass der Nutzer des Avatars auch mal unbemerkt mit seinem Banknachbarn tuscheln kann, haben die Erfinder ebenfalls vorgesorgt: Willi und seine Kollegen haben auch einen Flüstermodus.

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