Isarvorstadt Piazza oder Parkplatz

Als ein zusätzliches Wohnzimmer unter freiem Himmel präsentierte sich in den vergangenen Wochen die "Piazza Zenetti" im Schlachthofviertel.

(Foto: Robert Haas)

Anwohner entscheiden über das Zenetti-Pilotprojekt per Dialog-Plattform mit

Von Jana Sauer, Isarvorstadt

Wer in der Stadt lebt, kennt die eigenen Nachbarn oft nur, weil sie nachts um drei Stepptanzen üben. Das wollte ein Pilotprojekt auf dem Zenettiplatz in der Isarvorstadt in den vergangenen sieben Wochen ändern. Dabei ging es nicht um nächtliche Tanzstunden, sondern um eine offene Begegnungsfläche im Schlachthofviertel. Ob diese dauerhaft bestehen soll, entscheiden Anwohner noch bis Sonntag, 11. November, im Online-Dialog oder via den Briefkasten auf dem Platz mit.

Der schnöde Parkplatz residierte interimsmäßig unter dem klangvollen mediterranen Namen "Piazza Zenetti". Innerhalb kürzester Zeit entstanden Gemeinschaftsbeete, Gratis-Bücherregale und Sitzmöbel. Mehr Grün und weniger Autos sollte es geben, so die Zielsetzung des Versuchs. Die unscheinbare Fläche verwandelte sich in eine Begegnungsstätte auf Zeit, die Anwohnerinnen und Anwohner selbst nach ihren Wünschen gestalten und nutzen konnten.

Gänzlich auf Mobilität verzichten musste der Prototyp aber nicht; für das Forschungsprojekt City2share zogen unter anderem gemeinschaftlich genutzte Carsharing-Flotten, E-Fahrräder und Ladestationen für Elektroautos ein. Das interaktive Konzept der Gestaltung setzt sich jetzt in der stadtplanerischen Entscheidung fort: Mit Maus und Tastatur spielen die Nutzer der Piazza unter der Internetadresse www.beteiligung.city2share.de das Zünglein an der Wage. Dabei melden sie nicht nur zurück, welche Stärken und Schwächen das Experiment in ihren Augen aufweist, sondern berichten auch konkret über das eigene Nutzungsverhalten.

Viele Bürger äußerten sich in den vergangenen Wochen begeistert, weil die Piazza ein gemeinschaftlich organisiertes, öffentliches Leben im urbanen Raum ermöglichte und Freiflächen außerhalb der eigenen Wohnung nutzbar machte. Ob das positive Feedback in der Wahrnehmung der Anwohner die Einschränkung durch den Wegfall der Parkflächen überwiegt, soll sich in der kommenden Woche entscheiden.