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Isarvorstadt:Kampf um den Ring

Seitdem der TSV 1860 seine Gebäude an der Auenstraße an die Stadt verkaufen musste, trainieren die Boxer dort nur noch als Gäste mit unsicherer Zukunft. Nun fordert Präsident Robert Reisinger eine eigene Halle

Die Boxabteilung des TSV 1860, die seit sechs Jahren Gefahr läuft, ihre Trainingsstätten an der Auenstraße ersatzlos zu verlieren, bekommt erstmals öffentlich Rückhalt durch den Verein. Präsident Robert Reisinger sagte, eine eigene Halle habe nun hohe Priorität. "Wir werden keine Ruhe geben." Frühere Präsidien hatten die Raumsituation der Boxer zwar als "Riesenproblem" bezeichnet, allerdings war nie erkennbar geworden, dass der Verein sich auch um eine Lösung kümmert. "Die Sechziger", das war Fußball, und dann kam lange erst mal nichts. Reisinger sagt, dass frühere Präsidenten "andere Präferenzen" gesetzt hätten. Für das seit 2017 agierende Präsidium mit Robert Reisinger und seinen Stellvertretern Hans Sitzberger und Heinz Schmidt geht es nicht allein um die Boxabteilung. Sie wollen eine große Lösung: "Wir brauchen für unsere 4000 Sportler eine Heimat." Am besten in Form einer Dreifachturnhalle, in der auch die Geschäftsstelle sitzt, damit die Verwaltung wieder näher an die Mitglieder rücke. Ohne Halle habe der Verein keine Chance, sich zu entwickeln, die Sportler seien über ganz München verstreut, sagt Hans Sitzberger.

Der TSV 1860 hat bereits seit den 1980er-Jahren keine Halle und keine Heimat mehr: Unter Präsident Erich Riedl war den Löwen die Profi-Lizenz entzogen worden, der Verein musste seinen Stammsitz mit Turnhallen, Vereinslokal und Geschäftsräumen an der Auenstraße verkaufen. Die Stadt übernahm das Gebäude für vier Millionen Euro und überließ es der angrenzenden Wittelsbacherschule für den Sportunterricht. Nach Schulschluss konnten einige Sechziger-Abteilungen die Räume weiter nutzen, darunter die Boxer.

Boxtraining in der Sporthalle an der Auenstraße in München, 2013

Das Kräfteverhältnis ist deutlich: 19 000 passiven Mitgliedern (überwiegend Fußball) stehen 4000 Aktive (überwiegend Nicht-Fußball) gegenüber.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

An der Auenstraße trainieren auch die Ringer und Tischtennisspieler. Ebenso findet dort das Kinderturnen statt - insgesamt sind mehr als tausend TSV-Sportler von der Kündigung bedroht. Im vergangenen Jahr habe der Verein versucht, das Gebäude an der Auenstraße wieder zurückzukaufen, sagt Reisinger. Die Stadt lehnte ab: Sie benötigt den Platz für einen Neubau für die Schule, die unter großen Platzproblemen leidet. Der Abriss wird seit vier Jahren immer wieder verschoben. Auch derzeit gebe es dafür noch keinen Termin, heißt es im Referat für Bildung und Sport (RBS). Die Boxabteilung hat erfahren, dass sie zumindest noch im kommenden Jahr die Räume an der Auenstraße nutzen kann.

Die Kicker sind mit genügend Platz versorgt: An der Grünwalder Straße, rund einen Kilometer vom Stadion entfernt, haben sie ein großes Trainingsgelände, dort sitzt auch die TSV-Geschäftsstelle. Doch für Sportler, die ein Dach über dem Kopf brauchen, muss der Verein über die Stadt verstreut stundenweise Räume anmieten. Laut Präsident Reisinger haben auch andere Abteilungen damit Probleme. Schweres Gerät müsse täglich wieder auf- und abgebaut werden, Abteilungen wie der Senioren- und der Jugendsport, deren Programm dringend erweitert werden müsste, würden mehr oder weniger im Bestand verwaltet. Man könne keine Wettkämpfe zu Hause austragen. Die Turnabteilung, auch die Rhythmische Sportgymnastik, die im Jugendbereich immer wieder Bayerische und Deutsche Meisterinnen hervorbringt, sind derzeit über ganz München verteilt. Und bei den Boxern, eine der aktivsten und mit fast 500 Mitgliedern auch größten Abteilungen im TSV 1860, gehe es um mehr als nur Sport, sagt Robert Reisinger. Trainer Ali Cukur sei in diesem Jahr wegen seiner hervorragenden Integrationsarbeit sogar ein Film gewidmet worden - verdient, wie Reisinger sagt. "Es wäre traurig, wenn man an diesem Programm Abstriche machen müsste."

TSV Praesident Robert REISINGER TSV 1860 Muenchen TSV 1860 Muenchen Mitgliederversammlung am 23; TSV 1860 München

Der TSV 1860 besteht nicht nur aus Fußball.

(Foto: Imago)

Es soll sogar bereits Gespräche mit der Stadt über Lösungen an anderer Stelle geben - derzeit geht es um die Bezirkssportanlage an der Görzer Straße in Perlach, eines von fünf Grundstücken, die auf Antrag der SPD nun für den Ausbau für Sporthallen analysiert werden. Erste Ergebnisse zu dieser Hallenoffensive würden im Herbst erwartet, teilte das RBS mit. Laut Reisinger ist das Projekt an der Görzer Straße offen, da noch geklärt werden muss, ob die Stadt nicht einen Teil der Fläche für einen Erweiterungsbau braucht.

Drei der neuen Sporthallen kann sich die SPD in Untergiesing-Harlaching vorstellen: an den Parkplätzen entlang der Klausener Straße und an der Soyerhofstraße sowie auf der Freifläche an der Fromundstraße. Der fünfte Prüfvorschlag kommt bei den Sechzigern am besten an - das Areal der Großmarkthallen in Sendling, die in den nächsten Jahren zurückgebaut werden. "Das Großmarktgelände würde uns schon sehr gefallen", sagt Reisinger. Es sei innenstadtnah, gut zu erreichen. "Und dann liegt es fußläufig zum Sechzger-Stadion."

So zügig, wie der TSV 1860 es sich wünscht, wird es aber nicht gehen. "Wir müssen uns in Geduld üben", ist einer der Sätze, die Präsident Robert Reisinger im SZ-Gespräch häufig ausspricht. Denn der TSV 1860 ist trotz seiner vielen Mitglieder ein Verein ohne Land. Will er eine Halle, ist er auf die Hilfe der Stadt angewiesen. Diese Erfahrung hat das Präsidium schon gemacht: "Städtische Mühlen mahlen langsam." Und der TSV 1860 sei nur einer von mehreren Sportvereinen in München, die eine Fläche für eine Halle suchten. Nur wegen des guten Namens kriege und wünsche der Verein keine Sonderstellung. "Aber wir werden da nicht lockerlassen", sagt Robert Reisinger. "Das ist beides: Versprechen und Mahnung."