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Isarvorstadt/Au:Städte und ihr Fußabdruck

Mit einem Programm zur Treibhausgasbilanz gewinnt ein 14-Jähriger den Sonderpreis von "Schüler experimentieren"

Von Veronika Ebner, Isarvorstadt/Au

Es erinnert ein bisschen an die Landschaften des Computerspiels Minecraft: ein Programm, das interaktiv Städte entstehen lässt und dabei die CO₂-Bilanz ausgibt. Der 14-jährige Nicolas vom Scheidt aus der Isarvorstadt hat für sein Projekt "Interaktive Stadtplanung für Geographie-Experimente" den interdisziplinären Sonderpreis von "Schüler experimentieren" in Bayern erhalten. Die Landeskonkurrenz ist eine Vorstufe des bundesweiten Wettbewerbs "Jugend forscht". Bereits zum dritten Mal hat vom Scheidt bei "Schüler experimentieren" teilgenommen, nun hat es endlich für den ersten Platz gereicht. Damit wäre er theoretisch für die deutschlandweite Runde von "Jugend forscht" qualifiziert, allerdings ist er noch keine 15 Jahre alt und damit für eine Teilnahme zu jung.

Presträger

Wie plant man eine Stadt? Diese Frage stellte sich der 14-jährige Schüler.

(Foto: Nicolas vom Scheidt)

Vom Scheidt besucht das Maria-Theresia-Gymnasium mit MINT-Schwerpunkt (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) am Regerplatz in der Au. Etwa vor zwei Jahren habe er damit begonnen, sich für Programmierung zu interessieren, erzählt er. Seit November vergangenen Jahres arbeitet er nun schon an seinem Programm. Sein Vater Gregor vom Scheidt, Gründer einer Softwarefirma, hat ihn dabei unterstützt: "Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn, und es freut mich, dass er so viel Spaß am Programmieren hat", sagt er. Viel habe er aber gar nicht helfen müssen, das meiste habe sich sein Sohn selbst beigebracht, so der Vater.

Nicolas vom Scheidt, Preisträger Jugend forscht

Nicolas vom Scheidt untersucht in seinem Projekt die Auswirkungen verschiedener Gebäudetypen.

(Foto: Florian Peljak)

Für sein Programm hat sich Nicolas vom Scheidt intensiv mit dem Thema prozedurale Generierung auseinandergesetzt. Was auch als prozedurale Synthese bezeichnet werden kann, dient meist in Computerspielen dazu, komplexe 3D-Landschaften über deterministische Algorithmen zu erzeugen, wie man sie von Minecraft kennt. "Ich spiele gerne Computerspiele und wollte auch etwas gegen den Klimawandel tun", erklärt vom Scheidt seine Motivation. Denn bei seinem Programm geht es darum, die Auswirkungen verschiedener Gebäudetypen auf die CO₂-Emissionen einer Stadt zu veranschaulichen und Experimente durchzuführen. Zur Konzeption habe er aufwendige Recherchen zu Bauweisen, CO₂-Emissionen und Stadtplanung betrieben, erzählt er.

Im Programm kann man zwischen drei verschiedenen Baustofftypen für Gebäude wählen - Beton, Glas oder Holz. Zudem können Benutzer zusätzliche Parameter, wie Straßenbreite, Parkfläche und Einwohnerzahl individuell einstellen und beobachten, wie sich die angezeigte Stadt damit in Echtzeit verändert. Die Anwendung zeigt in einer Spalte dann automatisch alle Werte sowie die CO₂-Bilanz an.

Um das Programm im Schulfach Geografie besser nutzen zu können, möchte der 14-Jährige es weiter verbessern. "Momentan läuft es nur auf Apple Computern. Wenn ich es auf das iPad portiere, kann man es noch besser im Unterricht einsetzen." Nicolas vom Scheidt sagt, er freue sich schon auf den Präsenzunterricht, um seine Anwendung gemeinsam mit seinen Mitschülern zu testen.

© SZ vom 18.05.2021
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