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Isar-Tiger:Testlauf für das Anruf-Sammeltaxi

MVG-Blau statt orange mit schwarzen Streifen: Von Januar an kann jeder den neuen Isar-Tiger testen, eine Art Anruf-Sammeltaxi, das sich mehrere Fahrgäste bei Bedarf teilen. Vielleicht sind bis dahin auch die gewünschten Erdgas-Caddy eingetroffen, aus denen die Flotte eigentlich bestehen soll.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Der "Isar-Tiger" ist ein Anruf-Sammeltaxi, bei dem an Haltestellen andere Fahrgäste eingesammelt und ausgeladen werden.
  • In den Testnächten hat der "Isar-Tiger" bis zu 90 Fahrten pro Abend gemacht - damit ist Projektleiter Andreas Steinbeißer zufrieden. Die Auslastung könnte allerdings noch besser werden.
  • Ab Januar kann jeder das neue Angebot der MVG ausprobieren. Wie viel das kosten wird, ist aber noch offen.

Keine festen Linien, kein Fahrplan, keine einheitlichen Fahrzeuge - das klingt nicht unbedingt nach einem Angebot der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Ist es aber, und es trägt den eingängigen Namen "Isar-Tiger". Der Isar-Tiger funktioniert nach einem altbekannten Modell, das man eher aus der Provinz als aus der Großstadt kennt: dem Anruf-Sammeltaxi.

Die MVG, die in Form von Leihrädern und Carsharing-Kooperationen schon länger an der Ergänzung ihres klassischen Angebots tüftelt, hat eine weitere alte Idee mit moderner Technik kombiniert. Das Ergebnis ist der Isar-Tiger, den man wohl als Mischwesen aus Taxi und Bus bezeichnen kann.

Das Ganze funktioniert so: Wer innerhalb des derzeitigen Tiger-Reviers fahren will, eines Gebiets mit einem Durchmesser von rund elf Kilometern westlich des Altstadtrings zwischen Moosach, Laim, Isarvorstadt und Schwabing-West, gibt seine Wunschstrecke in die Isar-Tiger-App ein. Nun kommt ein ausgeklügelter Algorithmus ins Spiel. Standorte und Streckenanfragen aller aktiven Nutzer werden abgeglichen, ein Preis berechnet und ein Fahrzeug aus der Isar-Tiger-Flotte losgeschickt. Anders als bei einem Taxi werden unterwegs andere Fahrgäste eingesammelt und ausgeladen. Haltepunkte sind keine beliebigen Adressen, sondern ausschließlich Nahverkehrs-Haltestellen.

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Elf Testnächte lang war der Isar-Tiger mit sechs bis zehn Fahrzeugen seit Anfang Juli bereits in der Stadt unterwegs, jeweils samstags von 19 bis zwei Uhr. Nun hat die MVG eine erste Zwischenbilanz gezogen. Mit bis zu 90 Fahrten pro Abend ist Projektleiter Andreas Steinbeißer für den Anfang durchaus zufrieden - zumal für den Testbetrieb überhaupt nur 1700 Menschen registriert waren. "Die Auslastung von durchschnittlich 1,5 Fahrgästen pro Fahrt ist noch nicht so toll", räumt Steinbeißer ein. Doch er ist optimistisch, dass sich hier noch einiges tut, sobald mehr Kunden auf die App Zugriff haben.

Und wenn endlich die Fahrzeuge kommen, mit denen die MVG eigentlich unterwegs sein will: blaue Erdgas-Caddys, in denen fünf Fahrgäste Platz haben. "In den Elektro-Golf, die wir derzeit vor allem verwenden, haben nur drei Fahrgäste Platz, da ist es für den Computer schwierig, passende Fahrtwünsche zusammenzubringen", meint Steinbeißer. Stolz ist die MVG auf die kurzen Wartezeiten von lediglich sechs bis acht Minuten; die im Schnitt vier bis fünf Kilometer langen Strecken passen den Planern ebenfalls gut ins Konzept. Schließlich will man keine Konkurrenz zu den Taxis sein, für die solche Kurzstrecken ohnehin nicht sehr lukrativ seien. MVG-Chef Ingo Wortmann wünscht sich vielmehr eine Kooperation mit den Taxlern - die Verhandlungen mit Taxi eG und Isarfunk laufen noch.

Offen ist auch, wie teuer die Fahrten mit dem Isar-Tiger werden. "Irgendwo zwischen Bus und Taxi", gibt Wortmann als Zielmarke an. Während der Testphase, die noch bis Weihnachten läuft, ist die Nutzung für den geschlossenen Testerkreis kostenlos. Von Januar an kann dann für zunächst zwei Jahre jeder den Isar-Tiger ausprobieren - bis dahin soll die Preisstruktur stehen. Denkbar sind auch zwei verschiedene Systeme. "Wir haben nachts und auf einigen Stadtviertel-Linien Busse, die unwirtschaftlich sind", erklärt Wortmann. Er kann sich vorstellen, diese durch das Angebot des Isar-Tigers zu ersetzen. "Das ist durchaus attraktiver als ein Stundentakt." Dann allerdings müsse wahrscheinlich der MVG-Tarif gelten. Experimentieren will die MVG auch mit bestimmten Zielgruppen - zum Beispiel mit reinen Frauen-Sammeltaxis bei Nacht.

© SZ vom 06.10.2018/baso
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