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Pläne:Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger an der Isar

Isarparallele, Umbau Isarufer entlang der Erhardtstraße

Isarufer im Umbau: Der Blick von der Reichenbachbrücke auf die Erhardtstraße und die davor gelegenen Uferwände.

(Foto: Florian Peljak)
  • Der Planungsausschuss des Stadtrats diskutiert Vorschläge für die Isar und beschließt, die Idee des Isarflussbades nicht weiter zu verfolgen.
  • Radler und Fußgänger sollen zulasten der Autofahrer links der Isar deutlich mehr Platz bekommen.
  • Die CSU befürchtet einen Dauerstau auf der Isarparallele.

An der Isar wird in Zukunft einiges anders, doch voraussichtlich nicht so, wie sich das bisher viele erhofft haben: Am Mittwoch hat der Planungsausschuss des Stadtrats überraschend beschlossen, das Isarflussbad nicht weiter zu verfolgen - gegen die Stimmen der CSU. In einem weiteren Beschluss setzte die SPD durch, dass links der Isar die Radler und Fußgänger deutlich mehr Platz bekommen sollen. Das wird voraussichtlich bedeuten, dass auf der Isarparallele mindestens eine Autospur gestrichen werden muss. Womöglich sogar zwei. Dagegen stimmten die CSU, die FDP und die Bayernpartei.

Ob das Flussbad nun wirklich vom Tisch ist, wie es SPD-Stadtrat Jens Röver nach der Sitzung auf Twitter mitteilte, ist dabei noch nicht hundertprozentig sicher. Denn im Juni wird sich die Vollversammlung noch einmal mit dem Thema befassen. Dennoch gab sich Röver siegessicher: "Wir haben das schon immer für eine Schnapsidee gehalten, weil wir eine weitere Kommerzialisierung und Abschottung entlang der Isar ablehnen." Auch seine Fraktionskollegin Bettina Messinger hatte sich während der Sitzung gegen das Flussbad ausgesprochen.

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Überraschend stimmten auch die Grünen dem SPD-Antrag zu. Dabei waren sie vergangenes Jahr dem Projekt gegenüber durchaus aufgeschlossen. Auf Nachfrage räumte der Fraktionsvorsitzende Florian Roth ein, dass es sich um eine "Abstimmungspanne" gehandelt habe. Offenbar hatte die Fraktion in dem Moment nicht realisiert, was der Satz in dem Änderungsantrag konkret bedeutet. Grundsätzlich sei man nach wie vor dafür, das Flussbad zumindest zu prüfen, so wie es ursprünglich in der Sitzungsvorlage des Planungsreferats auch steht. Womöglich, so Roth, komme das Bad noch mal in der Vollversammlung zur Abstimmung.

Auch Johann Sauerer (CSU) ist sich sicher, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist und im Plenum womöglich anders abgestimmt wird. Er fände es schade, wenn die Idee tatsächlich beerdigt werden würde.

Beim Punkt Verkehr befürchtet Sauerer auf der Isarparallele einen Dauerstau, sollten wirklich Fahrspuren für den motorisierten Individualverkehr wegfallen. Zudem weist er - wie übrigens auch das Planungsreferat - darauf hin, dass sich die Autofahrer dann eben Schleichwege durch die angrenzenden Wohnviertel suchen werden. Etwa in der Thierschstraße, in der Baader-, Reichenbach- und Rumfordstraße könnte der Verkehr westlich der Isar laut Verwaltung um mehr als die Hälfte zunehmen. Auf der Ostseite wären unter anderem die Lilienstraße, der Mariahilfplatz und die Innere Wiener Straße betroffen.

Das Planungsreferat hatte deshalb empfohlen, zwischen Reichenbachbrücke und Luitpoldbrücke grundsätzlich an der Zahl der heutigen Fahrspuren festzuhalten. In der Regel sind es derzeit zwei je Richtung. An einigen Kreuzungen kommen noch Abbiegespuren dazu. Dieses Problem der Verkehrsverlagerung könnte sich nach Einschätzung Sauerers noch verschärfen, wenn künftig auf der Ludwigsbrücke je Richtung eine Fahrspur gesperrt wird. Das hatte der Stadtrat gegen die Stimmen der CSU erst kürzlich beschlossen.

Auch der öffentliche Nahverkehr, der auf der Isarparallele verkehrt, komme wohl nicht mehr vorwärts. Überdies seien die öffentlichen Verkehrsmittel schon jetzt so stark ausgelastet, dass die Menschen in den nächsten Jahren immer noch nicht auf das Auto verzichten könnten. "Der ÖPNV-Ausbau wird seine Zeit dauern", sagt Sauerer.

Die SPD setzte sich dennoch durch. Den Aspekt der Verkehrsverlagerung und die Auswirkungen auf die öffentlichen Verkehrsmittel hat sie in ihrem Antrag nicht vergessen. So sollen nun die Verwaltung und die Münchner Verkehrsgesellschaft prüfen, wie bei einer möglichen Reduktion der Autospuren auf die zu erwartenden Verkehrsverlagerungen zu reagieren ist. Die Gefahr besteht zum Beispiel, dass die Tram in der Thierschstraße im Lehel nicht mehr vorwärts kommt, wenn der Auto-Schleichverkehr die Gleise blockiert.

Für die SPD steht indes fest, dass die Vorschläge des Planungsreferats nicht weit genug gehen. Wenn man etwas gestalten wolle, brauche man auch Platz. Woher der kommen soll, soll die Verwaltung klären, laut Jens Röver hat die Fraktion absichtlich keine konkreten Vorschläge gemacht. CSU-Rat Sauerer hingegen sieht wenig Potenzial: "Wir können den Raum nicht dehnen", sagt er.