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Isar:Das erfrischendste Bad der Stadt

Fragen zur Wasserqualität kümmern die Münchner offensichtlich wenig - wer Abkühlung sucht, findet sie in der Isar. Der Fluss bekommt seine ursprüngliche Gestalt zurück, umstritten ist allerdings noch die Form der Renaturierung.

(SZ vom 16.06.2003) — Wenn die Sonne an Tagen wie diesen die Stadt aufheizt, wünscht man sich eigentlich nur eines: den Sprung ins kühle Wasser. In der Isar baden die Münchner ja schon lange — bald können sie das ohne schlechtes Gewissen tun. Denn spätestens bis 2005, versprechen die Wasserwirtschaftler, soll der Fluss hygienisch so einwandfrei sein, dass er zum Baden taugt, auch nach EU-Norm. Und bei der Renaturierung der Isar sollen im vorerst letzten Abschnitt nahe der Reichenbachbrücke Zonen abgetrennt werden, in denen auch Kinder gefahrlos plantschen können. Allerdings ist der Entwurf umstritten.

Jahrelang haben die Gesundheitsbehörden regelmäßig vor dem Baden in der Isar gewarnt, auch in diesem Jahr noch. Wie also soll in der übernächsten Saison alles anders sein? Auch jetzt schon habe die Isar mitunter die Wasserqualität eines Baggersees, sagt Peter Schindler vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Der Großteil der Verschmutzung kommt bislang aus den Kläranlagen am Oberlauf. Die so genannten diffusen Einleitungen von Weiden etwa oder aus Anwesen, die nicht an die Kanalisation angeschlossen sind, machen dagegen kaum 15 Prozent aus. Die Isar fließt im Oberlauf durch vergleichsweise dünn besiedeltes Gebiet. Und die landwirtschaftlich genutzten Flächen reichen selten nahe ans Ufer heran.

Die gereinigten Abwässer, die aus den Kläranlagen in den Fluss gehen, enthalten noch zu viele Keime, als dass die Isar insgesamt als Badegewässer ausgewiesen werden könnte. Das war bislang die Regel, doch jetzt werden die Klärwerke sukzessive mit UV-Anlagen ausgerüstet, die das Wasser im Ablauf entkeimen; die Zahl der Bakterien aus fäkalen Verunreinigungen soll damit auf etwa ein Hunderttausendstel sinken.

UV-Anlagen gegen Verunreinigungen

Die UV-Anlage in Bad Tölz ist bereits in Betrieb, seit kurzem auch die in Schäftlarn. In Kürze folgt Wolfratshausen, bald auch Lenggries sowie Benediktbeuern und Penzberg an der Loisach, sagt Stefanie Huber vom Landesamt für Wasserwirtschaft. Schindler zufolge ging in Bad Tölz die Zahl der beanstandeten Wasserproben nach der Umrüstung drastisch zurück.

Die Verbesserung der Wasserqualität ist nicht der einzige Versuch, der Isar etwas von ihrer Ursprünglichkeit zurückzugeben. Auf einer Länge von insgesamt acht Kilometern zwischen dem Großhesseloher Wehr und der Corneliusbrücke am Deutschen Museum wird die Isar naturnah umgestaltet. Wer zur Zeit im Münchner Süden den Fluss entlang fährt, mag sich zwar mitunter noch an eine Mondlandschaft erinnert fühlen — überall lugen braune Erdflecken zwischen Steinen hervor.

Doch die Pflanzensamen sind schon im Boden. "Ein Regenguss und es ist grün", verspricht Daniela Schaufuß vom städtischen Baureferat. Bis zur Brudermühlbrücke ist die Isar bereits fertig umgestaltet: Betonierte Ufer wurden durch Kiesbänke ersetzt, auf denen nun Badegäste liegen können. Es entstanden Gumpen, die Fische auf ihren Wanderungen Unterschlupf bieten. Zwischen Flaucher und Brudermühlbrücke pflanzten die Landschaftsökologen ganze Wiesenausschnitte um, damit seltene Orchideenarten erhalten bleiben.

Bauarbeiten ruhen bis zum Herbst

Vergangene Woche wurden zwischen Flaucher und Brudermühlbrücke die letzten Bagger abgezogen. Die Bauarbeiten ruhen bis zum Herbst. Voraussichtlich Ende Oktober wird der Abschnitt bis zur Braunauer Eisenbahnbrücke in Angriff genommen. Ob auch der Zeitplan für die anschließende Flussstrecke bis zum Deutschen Museum eingehalten werden kann, ist nicht abzusehen, denn die Planungen sind umstritten.

Der Abschnitt umfasst genau den Teil der Isar, der im Stadtzentrum liegt und deshalb vermutlich am stärksten genutzt werden wird. Im April gewannen die Münchner Landschaftsarchitekten Irene Burkhardt, Johannes Mahl-Gebhardt & Partner mit ihrem Konzept einen internationalen Wettbewerb. Zahlreiche Anwohner und einige SPD-Politiker stehen diesem Entwurf allerdings skeptisch gegenüber: zu viel Beton, zu wenig Renaturierung, meinen sie und würden dem zweiten Preisträger den Vorzug geben, dessen Umgestaltung — samt Inseldelta und Promenade am Deutschen Museum — sich optisch natürlicher ausnimmt.

Der Sieger-Entwurf sieht vor, dass sich der Fluss zwischen Wittelsbacher Brücke und Braunauer Eisenbahnbrücke seinen Lauf selbst gestalten darf — "Entwicklungsufer" nennen das die Fachleute. Im Bereich zwischen Wittelsbacher- und Reichenbachbrücke soll die Isar unterteilt werden. Ein 35 Meter breiter Streifen würde dabei durch Sonnenbänke aus Beton, Naturstein oder einem anderen Material abgetrennt. Der Vorteil liegt im Freizeitwert: Auch Kinder könnten gefahrlos baden, was bei der zweiten, mäandernden Variante kaum möglich ist. Nach der Sommerpause soll der Stadtrat entscheiden.