Intrigen bei der Münchner CSU Ein Bündnis gegen Spaenle?

Oder geht es um mehr? Schon sehen auch maßgebliche Leute in der CSU Bezirkschef Ludwig Spaenle selbst im Visier stehen. Denn seine beiden Vizechefs würden eine sehr starke Allianz bilden: Bürgermeister Josef Schmid und Georg Eisenreich, Staatssekretär in Spaenles Kultusministerium. Dass beide sich noch nicht am Ende ihrer Laufbahn sehen, ist in der Partei kein Geheimnis.

Im Landtag wird ganz offen darüber geredet, dass sich beide irgendwann gegen Spaenle verbünden könnten. Dafür sprechen auch die Spekulationen, wonach Schmid seinen Posten im Rathaus vorzeitig abgeben und in die Landespolitik wechseln könnte, womöglich auf einen Posten in der Staatsregierung. Ein vorzeitiger Wechsel Schmids wäre aber wohl eine Katastrophe für die Glaubwürdigkeit der Münchner CSU. Spaenle, Eisenreich und Schmid selbst wiegeln ab und weisen alles zurück: Sie beschreiben sich als vertrauensvoll zusammenarbeitendes Team.

Zentrale Figur in der Wahlfälschungsaffäre vor zwölf Jahren

An der Basis geht es trotzdem rund. Bei der Neuhauser Wahl bestimmten Frank und Haase ausgerechnet JU-Chef Stephan Pilsinger zum Wahlleiter. Pilsinger wurde am vergangenen Dienstag ebenfalls unter seltsamen Umständen zum Ortschef in Obermenzing gewählt. Auch dort waren plötzlich Leute aufgetaucht, die kaum einer im Ortsverband gekannt hatte. Ähnlich lief es in Neuhausen-Oberwiesenfeld. Dort soll Laurenz Kiefer die Strippen ziehen, der wiederum Unterstützer des früheren Münchner JU-Chefs Günther Westner ist. Und der hat offenbar das Landtagsmandat von Ludwig Spaenle im Blick.

CSU "Abgrund von Lüge und Täuschung"
Rückblick auf Münchner CSU-Affäre

"Abgrund von Lüge und Täuschung"

In mehrere Münchner Stadtteilen versuchen aktuelle und ehemalige Mitglieder der Jungen Union, etablierte CSU-Politiker aus Parteiämtern zu drängen. Das erinnert an die Wahlfälschungsaffäre, die Monika Hohlmeier im Jahr 2005 das Ministeramt kostete. Fünf Beteiligte wurden sogar verurteilt.   Von Kassian Stroh

Haase und Dietrich haben sich früher im Kreis um den ehemaligen JU-Chef und späteren Landtagsabgeordneten Joachim Haedke bewegt. Er gilt als zentrale Figur in der Wahlfälschungsaffäre, die vor zwölf Jahren von Perlach aus angezettelt worden war. Auch damals hatten JU-Mitglieder und junge CSU-Politiker fleißig Neumitglieder geworben, um etablierte Funktionäre zu stürzen, und ließen als Gegenleistung sogar Geld fließen.

Auch Haedke selbst ist noch in der Partei aktiv: als CSU-Ortschef in Giesing. Ansonsten habe er keine Ambitionen, sagt der nun 45-Jährige. Seine Ex-Kollegen im Landtag haben aber aufmerksam notiert, dass Haedke trotzdem immer wieder mal im Maximilianeum aufschlägt.

"Wie wenig die da oben von der Basis halten"

Christian Haase arbeitete zur Zeit der Wahlfälschungsaffäre als Referent Haedkes. Alexander Dietrich wiederum war im selben Jahr Wahlleiter bei internen Wahlen des CSU-nahen Rings christlich-demokratischer Studenten (RCDS) an der Ludwig-Maximilians-Universität. Auch damals waren am Wahlabend eine ganze Reihe Unbekannter aufgetaucht, die Dietrich einfach mitwählen ließ. Der Putsch war zunächst erfolgreich, doch kurz danach wurde der Manipulationsverdacht öffentlich. Die Wahl wurde für ungültig erklärt.

Weil Alexander Dietrich - genau wie Kristina Frank - ein Zögling von Josef Schmid ist, könnten die Gerüchte für den Bürgermeister dann doch extrem unangenehm werden. "Dass Schmid sagt, alles sei halb so wild, ist schon großspurig", sagt einer aus dem Ortsverband. "Das zeigt, wie wenig die da oben von der Basis halten."