"Into Somethin" im Muffatcafé:Tanzmeister der Tiefe

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SZ: Und um solche Stücke auszugraben, mussten Sie anfangs nach Amerika und Brasilien reisen?

Keller: Ja. Gerade Soul- und Funk-Platten gab es in Deutschland kaum. Unsere Eltern kennen vielleicht noch Aretha Franklin und Marvin Gaye. Die erste Station war England, die hatten eine Soul-Kultur, da war es aber wahnsinnig teuer. Da war klar: Wir müssen nach Amerika. Das hat sich dann auf Ebay verlagert. Und weil man jetzt fast jeden Song nach 1965 für einen Dollar aus dem Internet runterladen kann und man nicht mehr 600 Dollar für eine seltene Platte hinlegen muss, hat sich das DJ-Geschäft demokratisiert. Jetzt ist wichtiger, in welchem Kontext man ein Lied spielt.

SZ: Fragen Sie immer noch Gäste, was Sie da gerade spielen? Reinboth: Permanent. Wir hatten Japaner da, die standen mit Bleistift und Block dabei und schrieben sich alles auf. SZ: Sie hatten lange Zeit die längsten Warteschlangen der Münchner Szene. Warum ließ das Interesse auf einmal nach? Reinboth: Wir wollten auch viele neue Stile auflegen, die unser Stammpublikum, das die alten Blue-Note-Platten hören wollte, verschreckten. Und die Konkurrenz in der Club-Szene wurde größer.

SZ: Haben Sie noch den Traum, einen eigenen Club aufzumachen?

Reinboth: Definitiv. Das haben wir über all die Jahre verpasst.

Keller: Ich sehe das auch so. Aber im Moment würde ich lieber noch zwei Jahre warten. München hat derzeit die höchste Club- und Party-Dichte der ganzen Erde, aber oft stimmt die Qualität nicht. Ich glaube, da wird einiges den Bach runter gehen, und ich bin lange genug dabei, darauf warten zu können.

SZ: Als Sie 1991 und als einer der ersten neuen Clubs in die Innenstadt gingen, sagten Sie, die Stadt München mache sich durch das ganzen Genehmigungsgezicke ihre Ausgehkultur kaputt. Was hat sich seit damals geändert?

Reinboth: Die Stadt hat gesehen, dass Clubkultur ein großer Umsatzbringer ist. Keller: Sie kommt den Betreibern entgegen, auch was Zwischennutzungen wie in der "Registratur" angeht. Heute muss man nicht die Stadt schimpfen, sondern die Ausgeher. Die faulen Säcke bekommen ihren Arsch nicht hoch, sobald irgendwas außerhalb des Altstadtrings ist.

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