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Interview zu Dietl-Film:"Ich mach’ Regie, und du machst, was ich sage"

SZ: Hatten Sie die Möglichkeit, sich selber als Ideengeber einzubringen?

Kleiner: Also, der Dietl und ich kannten uns ja von den "Münchner Geschichten" (Kleiner spielte den Achmed, Anm. d. Red.) und waren auch irgendwie befreundet. Doch nach dem ersten Drehtag haben wir kaum noch miteinander geredet. Da war schon sehr viel Spannung drin. Aber wie heißt ein kluges Wort: Wir müssen einander nicht lieben. Wir müssen das Produkt lieben.

SZ: Helmut Dietl gilt ja nicht nur als super akkurater Arbeiter, sondern auch als Leuteschinder.

Kleiner: Das ist richtig. Ich bin da auch etwas als Träumer hineingegangen mit der Idee: Was wir als gut empfinden, als lustig, als komisch, das setzen wir jetzt um. Und dann kommst du da hin, und plötzlich ist alles anders. Da stehen dann hundert Leute, der ganze Apparat, und alle versuchen, was Neues zu erfinden, was gar nicht nötig gewesen wäre.

Da gab es dann ein paar Diskrepanzen. Ich erinnere mich: Ich sollte im Englischen Garten von links auf die Brücke kommen. Ich hab ihm gesagt: "Von links? Das ist nicht gut. Du wirst mich nicht sehen. Es dauert eine Stunde, bis die Pointe kommt. Das wird nicht komisch sein. Bist deppert? Das kannst nicht machen!"

Da hat er gesagt: "Halt dich da raus, ich mache Regie, und du machst, was ich sage." Aber er hat ja einen wirklich guten Geschmack. Und ein Gespür. Das hab ich nie unterschätzt. Doch ich habe ihm gesagt: Du brauchst auch einen Spiegel.

SZ: Maximilian liebt in der Serie Gloria ja. Warum kommt er damit nicht zurecht?

Kleiner: Er ist in sich ein kleines Kind geblieben. Und er weiß nicht, wohin im Leben. Das war natürlich alles vorgegeben in der Geschichte. Doch das Wie, das war mir überlassen. Das habe ich dann auch voll ausgelebt. Aber ich habe jedes Wort so gesprochen, wie es im Buch stand. Die Bücher waren ja gut. Und wenn was nicht gepasst hat, habe ich das gesagt. Dann haben wir das besprochen. Und wenn er's verstanden hat, dann hat er's geändert. Wenn nicht, dann nicht.

SZ: Einige Folgen waren schon ziemlich abgehoben. Vor allem die letzte. Die ist quasi ein Rückblick auf die Geschichte nach 30 Jahren. Also eigentlich von heute. Sie selbst werden in diesem Jahr sechzig. Haben Sie nicht ein bisschen Sehnsucht nach der Zeit von damals?

Kleiner: Nein, keine Sehnsucht. Ich höre immer, dass das Leben so schnell vorbei geht. Doch das geht gar nicht so schnell vorbei. Wenn man zurückschaut, dann ist schon viel passiert, in meinem Leben ganz besonders. Ich muss das nicht noch einmal leben.

SZ: Welche Bedeutung hatte die Serie für Sie, für Ihr Leben?

Kleiner: Die hat schon sehr viel für mich bedeutet. Sie war ja auch in Österreich ein Riesenerfolg. Dort habe ich dann 1988, also zehn Jahre danach, einen Vertrag unterschrieben und 13 Jahre für Bahlsen Werbung gemacht. Man muss sich das vorstellen: 13 Jahre ein Gesicht. Das war eine wunderbare Arbeit.

SZ: Und was machen Sie heute?

Kleiner: Ich mach jetzt mal Pause. Eigentlich schon seit 2001. Vielleicht halte ich das noch ein paar Jahre durch. Ab und zu bin ich in Israel und unterrichte.

SZ: Einige der Dialoge aus dem "Wahnsinn" sind Kult geworden, zum Beispiel der mit der kleinen gelben China-Dose. Haben Sie auch einen Lieblingsspruch?

Kleiner: Ja, den gibt es, er stammt aus der ersten Folge. Es ist eine Lebensweisheit: Man könnte leben, aber man lässt nicht. Will heißen, das Leben wäre leicht, wenn man sich gegenseitig leben ließe.