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Internetportal für Mathe-Nachhilfe:Damit auch die Kinder in Nepal profitieren

Das Portal der Studenten unterscheidet sich von anderen Lernportalen nicht nur, weil es kostenlos genutzt werden kann. Das Hauptproblem sei, sagt Rekkas, dass dem Schüler bei den meisten Portalen nur Lösungen genannt würden, keine Erklärungen. "Bei uns wird neben der Lösung ein Link angezeigt, der erklärt, warum das Ergebnis falsch oder richtig ist."

Ein Gymnasiast in der sechsten Klasse, der Prozentrechnen üben möchte, bekommt zum Beispiel folgende Aufgabe gestellt: Auf einem Plakat steht, dass ein Produkt um 25 Prozent im Preis gesenkt wurde und statt 100 Euro nur noch 80 kosten soll. Der Schüler soll Stellung nehmen und findet - wenn er richtig rechnet - heraus, dass das Plakat falsch ist und das Produkt eigentlich 75 Euro kosten müsste. Wenn er auf die Lösung klickt, erscheint neben der Formel für den Rechenweg eine Verlinkung zum Artikel, der den Dreisatz erklärt.

Dass Schüler das Warum in der Welt der Zahlen und Formeln verstehen, ist auch ein Hauptanliegen von Peter Baptist. Er ist Professor für Didaktik der Mathematik an der Universität Bayreuth und findet die Idee von Serlo gut. Aber er wünscht sich mehr Visualität. "Die Seite ist noch sehr statisch aufgebaut, es fehlen interaktive, dynamische Elemente, bei denen der Schüler ein mathematisches Phänomen sieht und so versteht", sagt Baptist.

Zum Beispiel könne eines dieser Elemente ein Dreieck sein, an dessen Enden man ziehen kann, um die Form zu verändern und geometrische Verhältnisse zu verstehen. "Schüler sollten lernen, wozu man Mathematik braucht. Eine Website bietet unendlich viele wunderbare Möglichkeiten, das darzustellen", erklärt er.

Simon Köhl und Aeneas Rekkas wissen, dass ihr Lernportal noch verbessert werden kann. "Wir haben erst mal ein Grundgerüst geschaffen, wollen aber auch noch interaktive Elemente einbauen", sagt Köhl. Im Moment versuchen Köhl und Rekkas ihr Projekt zu professionalisieren. Sie haben einen gemeinnützigen Verein gegründet, zwei bis drei Mal die Woche finden sich Programmierer, Lehrer und die Macher zusammen und arbeiten weiter an ihrer Seite.

Seit zwei Wochen hat Serlo sogar eine Pressesprecherin: Sabine Kamrath studiert an der LMU Kommunikationswissenschaften. Sie soll auch bei der Sponsorensuche helfen. Denn obwohl die Website jedem frei zur Verfügung steht, verursacht sie Kosten: Weil die Inhalte richtig sein sollen, bauen die Macher von Serlo eine Redaktion auf. "Leider ist das so aufwendig, dass das kaum einer umsonst macht", sagt Simon Köhl.

Selbst Geld verdienen wolle er mit seinem Portal nicht, sagt Köhl. Ihm gehe es wirklich nur um freie Bildung. Langfristig soll es Serlo auch englischsprachig geben - damit auch die Kinder in Nepal davon profitieren.

© SZ vom 02.07.2012/sonn
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